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HipHop im Fußball-Fantum Die Ultraharten

Sie rappen, fiebern mit und manche prügeln sich auch - in Frankfurt vermischen sich Rapper mit den fanatischen Fußballfans der Ultras. Gewalt verherrlichen sie nicht nur in ihren Texten , einige von ihnen sind selbst Hooligans.

Von: Stefan Zehentmeier

Stand: 21.01.2014 | Archiv

Anfang 2013 titelte die Bild-Zeitung nach einem Auswärtsspiel der Eintracht Frankfurt: "Rap-Star Vega schuld an Bengalo-Schande?". Fans des Bundesligisten hatten verbotene Feuerwerkskörper im Stadion gezündet. Bild witterte eine gezielte Werbeaktion für Vegas Album "Nero", das kurz danach auf Platz zwei der deutschen Charts landete.
Ob an der Geschichte was dran ist oder nicht - in der Frankfurter Rapszene spielt das Thema Fußball eine besondere Rolle. Der Rapper Twin gehört neben Vega und dessen Labelkollegen Bosca zu den bekannteren Frankfurter Rappern, die sich im Umfeld der Frankfurter Ultras bewegen. Twin erzählt, welchen Stellenwert der Sport im Großraum Frankfurt hat: "Frankfurt ist schon extrem. Da ist Fußball fast eine Religion. Wenn du zu einem sagst, 'die Eintracht ist scheiße', dann ist das gleich wie 'du bist scheiße'."

Rappende Ultras

Organisierte Fans, die sich als Kern der Fangemeinde fühlen und Banner und Choreographien im Stadion organisieren - per Definition sind Ultras zwar nicht unbedingt gewaltbereit, in der Realität ist der Übergang zum Hooligan aber oft fließend. Die Polizei ordnete der Eintracht schon 2012 bundesweit die meisten gewaltbereiten Fans zu. Einer davon ist offensichtlich auch Twin.

"Die Frankfurter Ultras sind mit Abstand die krassesten. Die machen am meisten, die gehen am meisten ab. Frankfurt ist da ganz vorne.  (...) Die gehen richtig vorwärts, aber stärker auf die Stadt und das Spiel bezogen. Ich freu mich wenn die Eintracht gewinnt, aber ich hab Bock mich zu prügeln. Da mach ich das nicht abhängig von 'nem Fußballverein."

Twin

Raps über Rauchbomben

Twin ist als astreiner Hooligan in der "Brigade Nassau" organisiert. Losgelöst von den eigentlichen Spielen schlägt sich die Brigade auf Parkplätzen und im Wald mit ihren Gegnern. Und Twin rappt ganz unverhohlen darüber - genau wie seine Kollegen Bosca und Vega:

"Und guck wir seh'n gut aus, in Farben wie schwarz-rot,
Wir tragen den Adler und schlagen uns halb tot /
Für Eintracht und Waldhof, FFM heißt Ultrakaos,
Rauchbomben, Ausnahmezustand, brennende Bullen-Autos /
Bauchtasche, G-Star, Tanktop und Air Max,
Frankfurter Style wir ficken alle, kommt her jetzt."

Twin feat. Bosca - Kämpferjungs

Bosca und Vega sind zwar nicht als aktive Hooligans organisiert, gehen aber als Hardcore-Ultras Auseinandersetzungen auf der Straße nicht gerade aus dem Weg. Dafür, dass er einem Polizisten in Dortmund in den Rücken getreten haben soll, kassierte Vega ein fünfjähriges Stadionverbot. Und das passt natürlich super ins Bild des systemkritischen Rappers mit Straßenattitüde.

Hoolrapper aus anderen Städten

Aber auch außerhalb von Frankfurt gibt es rappende Fußballfans. Die kommen allerdings bei weitem nicht an die Qualität der Rapper aus der Hessenmetropole ran. Der Düsseldorfer Ultra Jay Jay oder der Hertha BSC-Anhänger Deoz zum Beispiel bekommen jenseits ihrer Fan-Videos eher wenig Aufmerksamkeit.

Hooligans als Inspiration

Vielleicht ist die Mischung aus gewaltbereitem Fußball-Schläger und Straßenrapper momentan noch vor allem ein Frankfurter Phänomen. Die Inszenierung von Gewalt gehört aber auch im Jahr 2014 fest zum Straßenrap. Hooligans und Ultras oder sogar Motorradgangs dürften in Zukunft also öfter in Rapvideos vertreten sein. Immerhin bieten sie genug brisante Straßenabenteuer, die im Großstadtdschungel des Rap gerne genommen sind.


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