Bayern 2 - Land und Leute


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Ingeborg Bachmann "Besser tot in Rom als halbtot in München"

Ingeborg Bachmann war weiß Gott keine Wahlmünchnerin; den Entschluss, im Herbst 1957 für ein Jahr nach München zu gehen, fasste sie erst nach langem Zögern. - Andrea Mühlberger hat recherchiert, was die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann in München (nicht) sah und (nicht) hörte.

Von: Andrea Mühlberger

Stand: 10.08.2014 | Archiv

Ingeborg Bachmann | Bild: picture-alliance/dpa

"Ich werde wahrscheinlich im Herbst in München eine Stelle annehmen, nichts Besonderes, im Gegenteil, damit ich durch den Beruf nicht zu sehr abgelenkt werde. Aber insgesamt hoffe ich auf ein Wunder, auf einen Engel, der mir nachts etwas ins Ohr sagt ..."

. (Ingeborg Bachmann)

Geldnöte trieben sie von Rom nach München

Den Entschluss, im Herbst 1957 für ein Jahr nach München zu gehen, fasste Ingeborg Bachmann erst nach langem Zögern. Obwohl Mitte der 50er Jahre längst als Lyrikerin gefeiert und als Hörspiel-Autorin bekannt, war sie in Rom häufig in Geldnöten. So sagte sie schließlich nicht nein, als ihr der Bayerische Rundfunk, für den sie damals von Italien aus in unregelmäßiger Regelmäßigkeit arbeitete, eine Stelle als Dramaturgin beim Fernsehen anbot.

"Sehen Sie! (Die Römer) ... Das sind noch Menschen! Nein, in Deutschland möchte ich nie mehr leben, da sieht einen ja niemand an, niemand nimmt einen wahr. Alle sind sie in sich verschlossen, jeder ist nur mit sich allein beschäftigt."

(Ingeborg Bachmann)

"Liebe auf den ersten Blick" mit Max Frisch

Der Schweizer Schriftsteller Max Frisch

Sie bezog eine Wohnung in der Schwabinger Franz-Joseph-Straße, in der sie es bis zum Sommer 1958 aushalten sollte. Ums Eck war nicht nur der Habsburger Platz, wie die Bachmann betonte, sondern auch der Piper-Verlag, mit dessen Lektor Reinhard Baumgart die junge Schriftstellerin schon damals intensiv zusammenarbeitete. Und: Ums Eck waren auch die Schwabinger Kaffeehäuser und Kneipen, in denen sich die Bachmann mit befreundeten Kollegen wie dem Schweizer Schriftsteller Kuno Raeber traf. Im Juli 1958 lernte sie den Schriftsteller Max Frisch kennen. Es sei, erzählt sie Kuno Raeber, Liebe auf den ersten Blick gewesen, sie werde München verlassen und nach Zürich ziehen.

Ihre literarische Produktivität hatte sehr gelitten

Und so geschah es, München ade. - Auf die schriftstellerische Arbeit der Bachmann wirkte sich die "Münchner Krise" allerdings nachhaltig aus: Die literarische Produktivität litt schließlich doch mehr unter der Dramaturgenstelle, als sie zunächst glauben wollte. Immerhin vollendete sie ihr Hörspiel "Der gute Gott von Manhattan", und sie schrieb ihre ersten Erzählungen, die 1961 unter dem Titel "Das Dreißigste Jahr" erschienen.

Andrea Mühlberger hat recherchiert, was die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann in München (nicht) sah und (nicht) hörte.

Werke

Lyrik:

  • 1953: Die gestundete Zeit. In: Werke. Band 1. Piper, München 1978, ISBN 3-492-02774-1, S. 27–79.
  • 1956: Anrufung des großen Bären. In: Werke. Band 1. Piper, München 1978, ISBN 3-492-02774-1, S. 81–147.
  • 1998: Letzte, unveröffentlichte Gedichte, Entwürfe und Fassungen. Edition und Kommentar von Hans Höller. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-518-40951-4.
  • 2000: Ich weiß keine bessere Welt. Unveröffentlichte Gedichte. Herausgegeben von Isolde Moser, Heinz Bachmann und Christian Moser. Piper, München und Zürich 2000, ISBN 3-492-04255-4.


Prosa:

  • 1944: Das Honditschkreuz
  • 1945: Briefe an Felician. Mit acht Radierungen von Peter Bischof. Piper, München und Zürich 1991, ISBN 3-492-03585-X.
  • 1946: Die Fähre
  • 1949: Im Himmel und auf Erden, Das Lächeln der Sphinx, Die Karawane und die Auferstehung
  • 1951: Der Kommandant
  • 1952: Auch ich habe in Arkadien gelebt, Ein Geschäft mit Träumen
  • 1956: Portrait von Anna Maria
  • 1959: Der Schweißer, Der Hinkende
  • 1961: Das dreißigste Jahr Erzählungen. In: Werke. Band 2. Piper, München und Zürich 1978, ISBN 3-492-02774-1, S. 83–263.
  • 1966: Der Fall Franza. (Entstanden '1966/67). In: Werke. Band 3. Piper, München und Zürich 1978, ISBN 3-492-02774-1, S. 339–482.
  • 1971: Malina. Roman. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1971 (entstanden 1966/67). Werke. Band 3. Piper, München und Zürich 1978, ISBN 3-492-02774-1, S. 9–337.
  • 1972: Requiem für Fanny Goldmann. (Entstanden 1966/67). In: Werke. Band 3. Piper, München und Zürich 1978, ISBN 3-492-02774-1, S. 483–554.
  • 1972: Simultan
  • 1995: „Todesarten“-Projekt. Kritische Ausgabe. Unter Leitung von Robert Pichl herausgegeben von Monika Albrecht und Dirk Göttsche. Piper, München und Zürich 1995, ISBN 3-492-04991-5.


Hörspiele:

  • 1952/53: Die Radiofamilie (Vierzehn Folgen). Herausgegeben und mit einem Nachwort von Joseph McVeigh. Suhrkamp, Berlin 2011, ISBN 978-3-518-42215-1.
  • 1952: Ein Geschäft mit Träumen. In: Werke. Band 1. Piper, München und Zürich 1978, ISBN 3-492-02774-1, S. 177–216.
  • 1955: Die Zikaden. In: Werke. Band 1. Piper, München und Zürich 1978, ISBN 3-492-02774-1, S. 217–268.
  • 1958: Der gute Gott von Manhattan. In: Werke. Band 1. Piper, München und Zürich 1978, ISBN 3-492-02774-1, S. 269–327.
  • 1954/55: Römische Reportagen. (Vierunddreißig Folgen). Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Jörg-Dieter Kogel. Piper, München und Zürich 1998, ISBN 3-492-04028-4.

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