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Halbzeit Energiewende - schaffen wir die Zukunft ohne Atomstrom?

BürgerForum live Halbzeit Energiewende - schaffen wir die Zukunft ohne Atomstrom?

Stand: 15.03.2016

Kernkraftwerk Gundremmingen | Bild: picture-alliance/dpa

In Belgien wurden nach den Terroranschlägen zwei AKWs geräumt. Das Kraftwerk in Gundremmingen gilt als sicher. Doch Gegner fordern die sofortige Abschaltung - jetzt erst recht.

Tilmann Schöberl diskutierte mit Betroffenen und Verantwortlichen im Bürgerforum live aus Gundremmingen in Schwaben zum Thema "Halbzeit bei der Energiewende -  Schaffen wir die Zukunft ohne Atomstrom?"

Die Katastrophe von Fukushima hat Deutschland verändert. Wurden kurz vorher die Laufzeiten noch verlängert, so hieß es jetzt: Weg von der Kernenergie, so schnell wie möglich. Fünf Jahre danach sind in Bayern immer noch zwei Atomkraftwerke in Betrieb – eines arbeitet nach dem gleichen Prinzip wie die in Fukushima: das AKW im schwäbischen Gundremmingen mit seinen Siedewasserreaktoren. Eon und RWE stellen hier ein Viertel des in Bayern produzierten Stroms her. 2021 kommt der Ausstieg – auch in Gundremmingen wird dann abgeschaltet. Doch ist die Stromversorgung in Bayern ohne Kernenergie überhaupt sicher? Über den Bau der für die Energiewende nötigen Mega-Stromtrassen wird nach wie vor heftig gestritten. Die Wirtschaft warnt schon vor möglichen „Blackouts“.

BürgerForum live aus Gundremmingen

Meldepflichtige Zwischenfälle

Den Grünen dagegen kann die Energiewende nicht schnell genug gehen. Ludwig Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Bayerischen Grünen, fordert die sofortige Abschaltung des Atomkraftwerks in Gundremmigen und warnt vor möglichen Gefahren. Seit 2000 kam es hier zu 93 meldepflichtigen Zwischenfällen.

Wichtiger Arbeitgeber in der Region

Trotzdem sehen viele Bürger in Gundremmingen mögliche Gefahren gelassen. Sie leben seit 1966 mit und von dem Kernkraftwerk – seit Jahrzehnten ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Sogar im Gemeindewappen ist ein Atomsymbol verewigt. Doch es gibt auch Widerstand in der Bevölkerung. Seit mehr als 25 Jahren trifft sich jeden Sonntag eine Gruppe von Atomkraftgegnern am Zaun des Kraftwerks für eine Mahnwache.

Energiewende: ehrgeiziges Ziel

Bayern fünf Jahre nach Fukushima und fünf Jahre vor dem Abschalten der letzten AKWs: Ist das ehrgeizige Ziel der Energiewende erreichbar? Oder gehen dann bei uns ohne Atomstrom die Lichter aus? Wann und wo werden wie viele Stromtrassen gebaut? Wie geht es in den AKW-Gemeinden weiter? Sind fünf weitere Jahre Atomstrom fünf Jahre zu viel? Und was passiert mit dem Atommüll, der seit Jahren in Gundremmingen zwischengelagert wird?

Diese Gäste diskutieren mit

Ludwig Hartmann, Fraktionschef der bayerischen Grünen im Landtag:

"So lange die Meiler in Gundremmingen laufen, droht der Bevölkerung in der Umgebung ein ähnliches Schicksal wir den Menschen in der Region Fukushima."

Erwin Huber (CSU), Vorsitzender im Ausschuss für Wirtschaft und Energie:

"Die Kernkraft hat Bayern entscheidend vorangebracht. Wer Ja sagte zur Kernkraft, muss auch Mitverantwortung für die Entsorgung übernehmen"

Prof. Dr. Thomas Hamacher, Professor für Energiewirtschaft:

"
Wer keine Kernkraft haben möchte, muss ein paar Kröten schlucken. Man muss Sonne- und Windstrom mit ihrer schwankenden Verfügbarkeit ins Versorgungsnetz einbinden - zum Beispiel mit Pumpspeichern."

Für Sie live im Chat: Dirk Vilsmeier, BR-Experte für Wirtschaft und Energie

"Wir sind jetzt schon weiter als jemals gedacht - warum sollte der Rest also nicht auch klappen. Klein sind die Herausforderungen aber nicht, die noch vor uns liegen."

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Abstimmung

Atomkraftwerk Gundremmingen: Langsam runterfahren bis 2021 oder gleich abschalten?

Diese Abstimmung ist beendet.

Langsam runterfahren

90,7 %

Sofort abschalten

9,3 %

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