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Traumtour für Steileis-Alpinisten Die Pallavicini-Rinne zum Großglockner

Am 18. August 1876 bezwang Markgraf Alfred von Pallavicini erstmals die 60 Grad steile und 600 Meter hohe Rinne an der Nordseite des Großglockners. Sie wurde daraufhin nach ihm benannt und ist bis heute für viele Generationen von Bergsteigern eine Herausforderung. Mit dabei waren damals die drei aus Heiligenblut stammenden Bergführer Josef Kramser, Georg Bäuerle und Johann Tribusser. Ihre Pioniertat hat viele andere inspiriert.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 11.08.2017 | Archiv

Durch die Pallavicini-Rinne  | Bild: BR

Viele Wege führen zum Gipfel von Österreichs höchstem Berg: Normalweg, Stüdlgrat, Glocknerwand oder eben die Pallavicini Rinne. Sie ist eine der bekanntesten Eistouren in den Alpen und heutzutage eigentlich nur noch im Winter bei Schnee und Eis machbar. Ansonsten ist die Gefahr des Steinschlags zu groß.

Markgraf Alfred von Pallavicini

Lange Zeit galt die Pallavicini-Rinne als unbezwingbar, sagt der passionierte Bergsteiger und Musiker Martin Gratz aus Kals am Großglockner, der viele Projekte rund um seinen Hausberg gestaltet. So hat er auch einen historischen Film gedreht, in dem er den Aufstieg Pallavicinis von 1876 nachstellt - in historischer Wollkleidung, zu kleinen Schuhen und mit sehr einfacher Ausrüstung. Die Steigeisen waren nicht so wie wir sie heute kennen mit Zacken vorne raus, sondern es waren primitive Eisen mit ein paar Zacken nach unten.

Aus dem Film “Mythos Großglockner” von Martin Gratz

Zudem gab es noch keine Sicherungsmöglichkeiten, denn den ersten Eishaken hat Willo Welzenbach 1924 am Wiesbachhorn verwendet. Das wichtigste Instrument war somit der Pickel, um Stufen ins Eis schlagen zu können – eine mühsame Arbeit, aber genau das Richtige für einen Abenteurer und Pionier wie den Markgrafen Alfred von Pallavicini. Er stammte aus einer italienisch-ungarisch-österreichischen Adelsfamilie, war Offizier der Kaiserjäger und ein schillernder Charakter. Als erster Sportler im Gewichtheben stemmte er 100 Kilogramm - und war ein leidenschaftlicher Alpinist, der magisch angezogen wurde vom Großglockner.

Aus dem Film “Mythos Großglockner” von Martin Gratz

Zehn Jahre nach der Erstbegehung der Rinne wird Pallavicini die Glocknerfaszination zum Verhängnis. Von einer Erkundungstour im Juni 1886 an der Glocknerwand mit zwei Kalser Bergführern und einem holländischen Gast kommt keiner lebend zurück. Es hatte noch viel Schnee am Berg oben und die Seilschaft stieg vermutlich zu weit über eine Wechte hinaus. Sie brach ab und alle vier Männer stürzten rund 400 Meter ab. Pallacini hat zwar zunächst aber überlebt – er war ein kräftiger, starker Mann – und sich schwerverletzt noch ein paar hundert Meter weiter kämpfen können, dann aber ist er exakt an der Stelle, wo er zehn Jahre zuvor in die Rinne eingestiegen war, verstorben.

Martin Gratz

Jedes Jahr machen sich  mehrere Tausend Bergsteiger auf unterschiedlichen Wegen auf zum Gipfel des Großglockners. Heute natürlich mit deutlich besserer Ausrüstung als die Pioniere, aber mit einem ebenso großen Hochgefühl, wenn sie am Gipfel von Österreichs höchstem Berg stehen.

Der Großglockner


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