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Fake News im Netz erkennen Vorschläge für Unterrichtseinheiten

Wie passt das alles in 45 Minuten? Hier haben wir einige Vorschläge erarbeitet ...

Stand: 03.05.2017

Unterrichtsablauf zum Thema: Bekämpfen von Fakes im Internet - Hai mit Laseraugen zielt auf die Wörter Fake, Phishing, Hoax | Bild: colourbox.com; Montage: BR

Sachinformation

Fake News sind bewusst gestreute Meldungen im Internet, die nicht der Wahrheit entsprechen. Sie sollen der Meinungsmache dienen, sind meist politisch motiviert, dienen dem persönlichen Interesse oder hinter ihnen steckt eine kriminelle Absicht.

Methodische Überlegungen

Die Schülerinnen und Schüler sind zunehmend mit Fake News konfrontiert, haben inzwischen vermutlich von dem Wort gehört, können sie meist aber nicht als solche identifizieren oder die dahinterstehende Absicht erkennen. Anhand der Rekonstruktion eines authentischen Beispiels, erfahren die Schülerinnen und Schüler, wie professionell gestaltet Fake News sein können. Mit dem Film "Fake News" erweitern sie ihr Wissen zum Thema und übertragen das Gelernte, indem sie Tipps für jüngere Schülerinnen und Schüler formulieren.

Lernziele

Von der Existenz von Fake News wissen und Wege zur Entlarvung kennenlernen.

  • Absicht hinter Fake News erkennen lernen.
  • Typische Tricks der Fake News-Produzierenden erkennen und
  • Wege der Entlarvung von Fake News kennen lernen.
Methodisches Vorgehen im Überblick
ZeitInhaltSozialformMaterial
10 MinAn dem Beispiel "Vermisst: Marie, 6 Jahre zuletzt gesehen mit 2 Flüchtlingskindern" eine Fake News mit krimineller Absicht kennenlernen. Im Klassengespräch Zusammenhänge und Hintergründe klären.KlassengesprächBeamer / Whiteboard
Arbeitsblatt 1
7 MinDen Film "Fake News entlarven" ansehen.Beamer / Whiteboard
20 MinTipps zum Erkennen von Fake News für jüngere Schülerinnen und Schüler formulieren.Gruppenarbeit / PartnerarbeitArbeitsblatt 2 "Fake News entlarven"
5 MinVorlesen der Ergebnisse.Klassengespräch

Benötigtes Material

  • Das Beispiel "Vermisst Marie, 6 Jahre" als Arbeitsblatt für die Partnerarbeit ausdrucken oder Bild per Beamer oder Whiteboard projizieren.
  • Arbeitsblatt "Fake News entlarven" für die Gruppen- oder Partnerarbeit ausdrucken.
  • Film "Fake News entlarven" zur Einspielung vorbereiten.

So könnte die Stunde ablaufen - Fake News im Netz erkennen Format: PDF Größe: 181,94 KB

Arbeitsblätter "Fake News entlarven" Format: PDF Größe: 763,24 KB

Die Unterrichtseinheit

Eine Fake News rekonstruieren: "Vermisst Marie, 6 Jahre"

Die Lehrkraft gibt als Denkimpuls das Arbeitsblatt "Vermisst Marie, 6 Jahre" aus bzw. projiziert es für alle Schülerinnen und Schüler gut lesbar auf die Tafel. Mit der Information, diese Meldung sei (2016) bei Facebook verbreitet worden.

Originalbilder aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen verändert.

Die Schülerinnen und Schüler versuchen zu rekonstruieren, was hier wohl passiert ist. Meist nehmen sie den Post als Nachricht einer sorgenvollen Mutter, die wirklich ihre Tochter vermisst. Der Hinweis auf die zwei Flüchtlingskinder wird zumeist so gedeutet, dass Geflüchtete das Kind wohl entführt hätten.

Die Lehrkraft beginnt mit Nachfragen wie: Warum haben das die Flüchtlinge wohl getan? Und widerlegt mit gesundem Menschenverstand die Antworten, die beispielsweise lauten: sie wollten den Pass (ein 6-jähriges Mädchen hat keinen Pass beim Spielen dabei), sie wollen Geld erpressen (und riskieren damit ihr Asyl in Deutschland?).

Dann löst die Lehrkraft auf:

Hintergrund der Fake News "Vermisst Marie, 6 Jahre"
Es handelt sich hierbei um eine Fake News. Die Person Bertha Hofmann gibt es nicht, es gab aber eine täuschend echt nachgebaute Facebook-Seite, auf der die Meldung gepostet war, Marie sei "gestern vom Spielen nicht nach Hause gekommen". Das Profil weist Frau Hofmann als Mitarbeiterin der Universität Düsseldorf aus und gibt ihr so einen seriösen Kontext. Der Link verweist auf eine im Netz existierende Seite mit dem Namen vermisstenregister.de, die auf den ersten Blick durchaus glaubwürdig erscheint. Das geübte Auge sieht die unstimmige URL-Adresse (vermisstxyz/Marie). Beim weiteren Klicken auf der Webseite öffnen sich keine Unterseiten bzw. es erscheinen keine Informationen. Lange Zeit war in einer Ecke eine Werbung für eine Erotik-Seite zu sehen. Klickte jemand auf den Link "Teilen", kam die Frage, ob man 18 Jahre alt sei. Wurde dann der Fehler begangen auf "Ja" zu drücken, willigte  man in ein Abo einer Sexhotline ein. Nachdem diese Meldung sich in den sozialen Netzwerken verbreitet hatte und schon mehrere Anwaltskanzleien Warnungen und Hilfe anboten, verschwand diese Meldung nach einem Jahr wieder aus dem Netz. Hier verbindet sich politische Propaganda mit kriminellen Absichten. Wie viele Menschen auf diese Bauernfängerei hereingefallen sind, ist nicht bekannt.

Ein schwer zu identifizierendes Beispiel einer Fake News, dass sich aber durch seine Eindeutigkeit des kriminellen Hintergrundes und der Unsinnigkeit der Anschuldigung sehr gut eignet. Den Schülerinnen und Schüler kann der Hinweis gegeben werden:

Diese Fake News will an euer Geld, die meisten anderen wollen eure Meinung beeinflussen.

Im Klassengespräch wird anschließend noch einmal gemeinsam herausgearbeitet, warum die Betreiber der Hotline eine solche Meldung aufsetzen. Wie sie vorgegangen sind und was die Meldung so ansprechend macht. Hier lohnt sich manchmal auch ein Hinweis darauf, dass historisch vielen ethnischen Minderheiten "Stehlen von Kindern" vorgeworfen wurde, um diese in Verruf zu bringen.

Gemeinsam den Film "Fake News entlarven" ansehen

Nach dem Film im Klassengespräch noch einmal zusammenfassen, woran man eine Fake News erkennen und entlarven kann.

Tipps zum Erkennen von Fake News formulieren

In Gruppenarbeit formulieren die Schülerinnen und Schüler anschließend mit Hilfe des Arbeitsblattes Tipps für die Klassen unter ihnen, was Fake News sind und welche Tipps sie empfehlen würden, um diese zu entlarven.

Zeichen für Fake Alarm: Daran erkennst du Fake News und das kannst du machen

1.    Die angegebene Quelle existiert nicht, bei der angegebenen Quelle steht von dieser Meldung überhaupt nichts oder die Meldung steht zwar auf der angegebenen Seite, aber die Seite ist nur für diesen Fake erstellt und nicht seriös.
-> Quellencheck: Ist die Quelle seriös?

2.    Die News gibt es nur bei der angegebenen Quelle und wird nirgendwo anders bestätigt.
-> Selbst recherchieren: Gib einen Teil des Textes in eine Suchmaschine ein. Findest du andere Quellen als die angegebene?

3.    Die Bilder sind geklaut oder zeigen gar nicht das, was in der News behauptet wird.
-> Bildercheck: Woher kommen die verwendeten Bilder?

4.    Die Überschrift und der erste Textteil sind sehr übertrieben geschildert, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Im Text sind Widersprüche.
-> Weiterlesen: Lies den gesamten Text durch, um kein Detail zu verpassen.

5.    Das Datum ist nicht aktuell oder es wird gar nicht angegeben.
-> Datum prüfen: Ist die Meldung überhaupt aktuell? Manchmal werden alte News mit einem neuen Ereignis verknüpft, obwohl es keinen Zusammenhang gibt.

6.    Nachdenken: Kann das wirklich sein? Warum sollte es so sein, wie in der Meldung dargestellt? Ist es vielleicht Satire? Schaue dir an, was der Autor oder die Seite sonst noch für Informationen verteilt. Wichtig: Erst denken, dann teilen!

7.    Experten Fragen: Frage jemand Unabhängigen, der sich mit dem Thema auskennt und checke, ob das Thema auf einer der Fake News-Sammel-Seiten oder einer Fakten-Check-Seite steht.

Erweiterung

Wenn Sie sich 2 Stunden für diese Einheit nehmen wollen, lassen Sie die Schülerinnen und Schüler selber nach Fake News recherchieren und die typischen Merkmale von Fake News und woran man sie erkennen könnte herausarbeiten.

Weitere aktuelle Beispiele finden Sie unter anderem auf:

Sofern ein Internetzugang im Unterricht vorhanden ist, lohnt sich hier ein Stöbern.


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