24

Eine Handvoll großer Rocksongs

Von: Malte Borgmann

Stand: 03.02.2014 | Archiv

Manfred G. aus Lauingen ist außer sich – er muss seinem Ärger Luft machen: "Dieses Bild hat mich abgestoßen", schreibt er in einem Leserbrief an die Dillinger Zeitung. Die jungen Männer auf dem Foto erinnerten eher an "Gammler oder Landstreicher" als an eine "aufstrebende Band" und sie böten somit kein Vorbild für die Jugend.

Ohne ihm zu nahetreten zu wollen, aber der geschätzte Herr G. scheint da einiges nicht ganz verstanden zu haben: Es ist nämlich nicht die Aufgabe einer Rockband, der Jugend ein Vorbild zu sein. Nie gewesen. Das ist lediglich auf dem Mist ein paar besorgter Eltern und Sittenwächter gewachsen. Nein, die Aufgabe einer Rockband besteht gerade darin, etwas vergammelt auszusehen und übers Land zu streichen. Zu viel zu rauchen, zu viel zu trinken, und das manchmal zu bereuen, meistens aber nicht. Fahrlässig, verantwortungslos und voller Sehnsucht zu sein. Wunschträumen hinterherzujagen. Entweder größenwahnsinnig oder hoffnungslos melancholisch und immer unbelehrbar zu sein. Und darüber dann Lieder zu schreiben.

Fast wie damals bei den Stones

All das sind und tun The Impression, jene "Landstreicher", die da in der Dillinger Zeitung zu sehen waren. Sie haben in ihrer noch jungen Karriere als Rockband also bereits einiges richtig gemacht. Der wütende Leserbrief von Herrn G. darf dafür als Beleg gelten.

Benjamin Burgess (Gesang, Gitarre), Mario Rossmann (Gitarre), Andre Wegner (Schlagzeug) und Franz Reimertshofer (Bass) kommen aus Lauingen an der Donau, einer 10.000-Seelen-Gemeinde im Landkreis Dillingen im bayerischen Schwaben. Hier bewahrheitet sich also wieder einmal die These, dass, wer heutzutage ehrliche, emotionale, handgemachte Rockmusik finden will, fernab der Metropolen suchen muss. Dasselbe dachten sich wohl auch The Impression, als sie sich gleich zu Beginn ihrer Bandhistorie in ein Cottage irgendwo im verlassenen, südfranzösischen Niemandsland einmieteten, um an ihren Songs zu arbeiten. Hat ja schließlich auch bei "Exile on Main St." bestens funktioniert. (Anders als die Stones haben The Impression in Südfrankreich vom Heroin allerdings die Finger gelassen – auch nicht unbedingt die schlechteste Idee.) 

Spielereien braucht's echt nicht

Zurückgekommen sind sie mit einer Handvoll großer Rocksongs im Gepäck. Warm, direkt, geradlinig. Man denkt an das whiskeygetränkte Pathos der Kings of Leon. Man denkt an Fender, Gibson, Vox und Ludwig. Man denkt an eine Band, die sich zum Spielen auf einen großen, weichen Perserteppich stellt (weil der die Session erst so richtig gemütlich macht). Man hört Musik, die so gut gespielt ist, dass sie Spielereien nicht nötig hat.

Dürfte man The Impression also einen Rat geben, dann höchstens den: Nicht zu viel richtig zu machen. Das wäre ja dann auch schon fast wieder unrockig.


24

Kommentare

Inhalt kommentieren

Mit * gekennzeichnete Felder sind verpflichtend.

Bitte geben Sie höchstens 1000 Zeichen ein.

Spamschutz * Bitte geben Sie das Ergebnis der folgenden Aufgabe als Zahl ein:

Stefan Kunzinger, Donnerstag, 25.Dezember 2014, 04:11 Uhr

1. The Impression

Habe heute morgen das erste mal eure Sendung gesehen. The Impression ist echt Klasse! Top! Der Sound ist Super, der Sänger hat Stimmtechnisch ein wenig von John Foggerty ( CCR ). Ich könnte mir Vorstellen, das da etwas sehr Gutes zusammem wächst.
Die Moderation von euch ist Super Gut!!