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Startrampe // Lary Mit LoFi-R'n'B im Kopf durch die Wand

Die Berlinerin Lary ist Sängerin, Bloggerin, Model und Schalke-Fan. Sie ändert gerne ihre Meinung, weiß aber immer, was sie will. Diese Frau hat so viel Power, dass sie die Energiewende ganz alleine durchziehen könnte. Wow!

Von: Malte Borgmann & Frederik Kunth

Stand: 08.09.2014 | Archiv

Die Berlinerin Lary ist Sängerin, Bloggerin, Model und Schalke-Fan. Sie ändert gerne ihre Meinung, weiß aber trotzdem immer, was sie will. Sie hat ihr eigenes Musikgenre er- und prominente Verehrer gefunden. Diese Frau hat so viel Power, dass sie die Energiewende ganz alleine durchziehen könnte. Kein Wunder, dass sie als erste weibliche Solokünstlerin den New Music Award gewonnen hat. Wow!

Vom braven Mädchen zum hotten Popstern

Wenn man eine Weile durch Larys YouTube-Account scrollt, dann findet man irgendwann zwei Videos aus dem Jahr 2008. Lary tritt damals noch unter ihrem echten Namen Larissa Sirah auf. Neben dem singenden Fernsehkoch Nelson Müller steht sie in der sterilen Studioheimeligkeit des WDR-Frühstücksfernsehens und trägt im Duett Weihnachts-Gospels vor: Brav, nett und dezent beschwingt, begleitet von Klavier und Kontrabass. Ein süßer schwarzer Hund läuft durchs Bild und schnüffelt an der Monitorbox.

Scrollt man wieder nach oben, dann landet man bei "System", ihrer Single. Minimalistische elektronische Drums, ein mächtiger an- und abschwellender Synthie-Bass, stotternde Vocal-Samples. Lary räkelt sich dazu in Lederhotpants auf dem Boden, blickt lasziv in die Kamera und wirft ihre langen Zöpfe durch die Luft. "Du musst raus aus mei'm System", haucht sie mit unterkühltem Sex-Appeal. Dasselbe denkt man sich als Hörer, denn die infektiöse Hook brennt sich sofort ins Gehirn und verfolgt einen noch tagelang. Kein Wunder, dass Jan Delay ihr bereits eine große Zukunft orakelt hat.

Mit Big-Apple-Drive zum eigenen Genre

Man kann an Lary also sehen, welche erstaunlichen künstlerischen Entwicklungen möglich sind, wenn man Ehrgeiz und Entschlossenheit mitbringt. Es wird wohl auch ihr Aufenthalt in New York gewesen sein, der der Künstlerin den nötigen Ansporn gegeben hat, ihr ganz eigenes Ding durchzuziehen. Als sie zurückkehrt, ist ihr ihre Heimatstadt Gelsenkirchen definitiv zu klein, ihre Unistadt Düsseldorf auch und das WDR-Frühstücksfernsehen erst recht.

Sie geht da hin, wo man hin muss, wenn man in Deutschland zum großen Pop will: nach Berlin. Dort arbeitet sie an ihrer ganz eigenen Vision. "Ich habe immer ein bisschen Angst vor diesen Schubladen und Kategorisierungen. Als schwarze Frau, die auf Deutsch singt, ist man ganz schnell in dieser Soul/R'n'B-Schiene. Da habe ich mir gedacht, ich mach' mir einfach mein eigenes Genre." Sie versucht dabei, moderne Tanzmusik mit dem Erbe der Neuen Deutschen Welle zu verknüpfen. Ihr eigenes Genre hat Lary folgerichtig "Future Deutsche Welle" getauft. Und die schwappt derzeit schon erfolgreich durchs Programm diverser größerer Radioanstalten. Sieht aus, als hätte die Zukunft schon begonnen.


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