89

Golden Globes 2017 5 Gründe, warum die Rede von Meryl Streep zurecht viral geht

Sie wird nicht umsonst als Badass von Hollywood bezeichnet: Meryl Streep hat bei der Verleihung der Golden Globes für ordentlich Furore gesorgt. Denn sie feuerte mächtig gegen Trump - ohne ihn auch nur einmal beim Namen zu nennen.

Von: Miriam Harner

Stand: 09.01.2017 | Archiv

Meryl Streep hält einen Golden Globe in der Hand | Bild: picture-alliance/dpa

Normalerweise wird bei der Verleihung der Golden Globes jedem noch so berühmten Preisträger gnadenlos das Mikro abgedreht, wenn er seine Dankesrede auch nur um zwei Sekunden überzieht. Nicht jedoch, wenn Meryl "The Badass" Streep auf der Bühne steht. Dass die 67-Jährige ein ziemlich politischer Mensch ist, hat sie zuletzt bewiesen, als sie für Hillary Clinton Wahlkampf gemacht hat. Gebracht hat's zwar nichts, aber die Niederlage der demokratischen Präsidentschaftskandidatin hat Streep nicht davon abgehalten, auch bei den Golden Globes ordentlich gegen Donald Trump zu feuern - und das, ohne seinen Namen auch nur einmal in den Mund zu nehmen. Die Frau hat eben Stil. Das hat sie auch noch mit ein paar anderen Punkten bewiesen.

1. Weil es scheiße ist, andere auszugrenzen - vor allem als zukünftiger US-Präsident

Meryl Streep hat deutlich gemacht, was sie von Trumps Idee hält, bis zu drei Millionen illegale Einwanderer aus den Vereinigten Staaten auszuweisen – auch wenn die schon seit Jahrzehnten dort leben und bestens integriert sind. Von Amy Adams bis hin zu Ryan Gosling hat Streep etliche Hollywoodstars aufgezählt, die nicht in den USA auf die Welt gekommen sind. Ohne sie würde es zu einem Kulturverfall kommen: "In Hollywood wimmelt es von Außenseitern und Ausländern. Wenn man die alle rausschmeißt, dann kann man nichts mehr anschauen außer Football und Mixed Martial Arts." Zweiteres sei keine Kunst, sagte Streep über den Kampfsport, von dem Trump ein ziemlicher Fanboy ist.

2. Weil Streep gezeigt hat, wie gefährlich Mobbing ist

"Wenn die Mächtigen ihre Position benutzen, um andere zu tyrannisieren, dann verlieren wir alle." Mit diesem Statement hat sich Streep auf eine Wahlkampfrede von Trump bezogen. Während der Rede hatte der Republikaner die Bewegungen eines Reporters mit körperlichen Behinderungen nachgeäfft. Diese Szene sei für Streep die eindrücklichste des Jahres gewesen - und habe ihr das Herz gebrochen: "Dieser Instinkt, andere zu demütigen, zieht in den Alltag von uns allen ein." Denn wenn sich der künftige Präsident der Vereinigten Staaten so benimmt, dauert es nicht lang, bis sich andere ebenso verhalten: "Respektlosigkeit animiert zu Respektlosigkeit. Gewalt zu Gewalt." Nach diesem Satz herrschte Taschentuchalarm im Publikum.

3. Weil Meryl Streep eine Verfechterin der Pressefreiheit ist

Dass Donald Trump gerne mal alle Medien der Lüge bezichtigt, die nicht in seinem Sinne berichten, ist kein Geheimnis. Anfang 2016 hatte Trump für den Fall seines Wahlsieges sogar angekündigt, Verleumdungsklagen gegen Medien wegen übler Nachrede zu erleichtern. Meryl Streep plädierte deshalb in ihrer Rede dafür, Journalisten vor derartigen Anfeindungen zu schützen.

4. Weil sie klar gemacht hat, dass Hollywood gesellschaftliche Verantwortung trägt

Viele sehen in Hollywood mehr glitzernden Schein als gesellschaftliches Sein. Dagegen wollte Meryl Streep an diesem Abend Position beziehen. Schauspieler zu sein, sei ein Privileg und der damit verbundene Fame und die öffentliche Aufmerksamkeit müssten genutzt werden, um für mehr Empathie und Verständnis für einander zu werben.

5. Weil sie vielen Menschen mit ihrer Rede aus dem Herzen gesprochen hat

Ist so. Schaut euch die Gesichter in dem Tweet hier an. Und das ist nur ein Bruchteil von all den Leuten, die genau das denken, was Meryl Streep bei den Globes vor einem Millionenpublikum in die Kameras gesagt hat.




UPDATE vom 9. Januar 2017

Mittlerweile hat Donald Trump auf die Rede Meryl Streeps reagiert. Der Immobilen-Magnat verteidigte sich in einem Interview mit der New York Times. Er sagte, dass er sich nie über die Behinderung des Journalisten lustig gemacht habe. Außerdem zeigte er sich wenig von Streeps Rede überrascht, die er als "Hillary lover" bezeichnete.

Nach dem Interview mit der Times legte der kommende Präsident auf Twitter noch nach und schreibt: "Meryl Streep, eine der überschätztesten Schauspielerinnen Hollywoods, kennt mich nicht einmal, aber hat mich trotzdem attackiert. Sie ist eine Lakaiin von Hillary, die groß verloren hat. Zum hundertsten Mal: Ich habe mich nie über einen behinderten Reporter lustig gemacht (und ich würde das auch nie tun).

Und weiter: "Ich habe ihn nur "kriechend" dargestellt, als er eine 16 Jahre alte Geschichte völlig anders dargestellt hat, nur um mich schlecht aussehen zu lassen. Wieder ein Fall von unehrlichen Medien!"


89