10:58 Uhr Dawning DMA's

Jetzt Drumsolo Leyya

Info Raus mit der Sprache, wer hat da was in die Wien geschüttet? Irgendworan muss es ja liegen, dass von Wien aus erst Bilderbuch, dann Wanda und jetzt auch noch das Duo Leyya einen Pop basteln, wie er cleverer nicht sein kann.


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Neuer Online-Sender Rocket Beans gehen steil

Beim Online-Kanal Rocket Beans TV gibt's jeden Tag 24 Stunden Progamm zu Themen wie Kultur und Games. Klingt cool - aber wie lässt sich so was finanzieren? Wir haben mit Etienne Gardé, einem der Moderatoren, gesprochen.

Von: Christian Alt

Stand: 29.04.2015 | Archiv

Das Team von Rocket Beans | Bild: Rocket Beans

Früher war Rocket Beans TV eine klassische Produktionsfirma - aber eine Auftragsflaute zwang das Team dazu, sein Konzept neu auszurichten. Jetzt bieten sie auf der Plattform Twitch TV jeden Tag 24 Stunden Programm. Es geht um Kultur, Games und alles, was die Leute sonst noch so interessiert. Etienne Gardé, einer der vier Moderatoren, hat uns erklärt, warum das Konzept aufgeht - und warum das "alte" Fernsehen seiner Meinung nach ausgedient hat.

PULS: Wer oder was ist Rocket Beans?

Étienne Gardé: Rocket Beans ist ein Internetsender, der 24 Stunden Programm bietet rund um die Themen Internetkultur, Popkultur, Gaming und eigentlich alles, was uns persönlich auch Spaß macht. Wir streamen auf Twitch TV und sind 24 Stunden erreichbar. Nebenbei ist Rocket Beans Entertainment auch eine klassische Produktionsfirma. Wir produzieren Bewegtbild-Content für Auftraggeber.

Wann habt ihr gemerkt, dass euer neues Ding, diese vielleicht auch bekloppte Idee, echt funktionieren könnte?

Wir arbeiten mit über 25 Festangestellten und hatten irgendwann keine Auftraggeber mehr. Wir hatten zwar eine große Fanbase und eine große Community, aber zwischen dem und einer monetären Einnahmequelle liegen nochmal Welten. Deshalb haben wir gesagt: Okay, bis Ende März versuchen wir, alle Hebel in Bewegung zu setzen und alles rauszuhauen, was wir haben. Das haben wir auch dem Team gesagt: Ihr bleibt alle, aber wir gucken erstmal, ob es klappt. Nach drei Monaten haben wir festgestellt, dass es durchaus wirtschaftlich tragfähig ist.

Wie sieht denn eure Finanzierungsstrategie aus?

Zum einen ist es natürlich die klassische Werbung. Wir haben Werbung bei unserem Twitch-Channel und bei unserem YouTube-Channel, der inzwischen wie eine Mediathek funktioniert. Dann haben wir Abonnenten bei Twitch und Leute, die wir in einer großen Support-Kampagne gefragt haben, ob sie nicht Lust haben, uns auch Geld zu spenden. Wir haben ganz klar gesagt: Das, was wir hier machen, kostet Geld. Wenn ihr an einen Kiosk geht und eine Zeitschrift kauft, zahlt ihr ja auch. Wenn ihr wollt, dass wir weiterhin existieren, dann helft uns. Diese verschiedenen Einnahmequellen sorgen dafür, dass Rocket Beans tragfähig ist.

Ihr habt früher Game One TV gemacht. Das waren 15 Minuten Dauerunterhaltung, alle fünf Sekunden ein Witz, alles krass durchdacht. Auf einmal müsst ihr jetzt 24 Stunden Programm machen. Was macht die Formatentwicklung mit euch?

Es war eine große Herausforderung, gedanklich und strukturell die Hebel umzulegen. Wir wussten schon damals, wir haben so viel kreatives Potenzial hier in der Firma, wir würden eigentlich gern so viel mehr machen. Einige Sachen hätten auch gar nicht zum Game One-Kosmos gepasst. Deshalb sind wir dann zu YouTube gegangen. Da kann uns kein Programmdirektor reinreden und wir können jede verrückte Idee umsetzen.

Nebenbei hatten wir immer Mappen voll mit Konzeptideen für Shows. Wir sind als Produktionsfirma immer wieder zu Sendern gegangen und haben uns vorgestellt und unsere Ideen gepitched. Da wir dann mit Absagen konfrontiert wurden, haben wir gesagt, okay, wir haben unseren eigenen Sender, wo wir unsere Formate umsetzen können. Natürlich ist das Ziel, dass wir eine wirtschaftliche Power entwickeln, um solche Premiumkonzepte wieder anzubieten. Aber das geht natürlich nicht von heute auf morgen.

Viele YouTuber machen fünf Videos am Tag mit Let's-Play-Content - und die werden geklickt wie blöd. Die Producer verdienen damit Kohle und wollen deshalb nichts an ihrem Konzept ändern. Wie siehst du die deutsche YouTube-Szene, auch im Bereich Gaming?

Ich möchte nicht ablästern oder auf die YouTuber mit erhobenem Zeigefinger herabsehen, schließlich gibt ihnen der Erfolg auch recht. Ich kann nur von unserem eigenen Anspruch reden. Wir haben so viele Ideen, dass wir uns nicht in ein gemachtes Nest setzen wollen. Hier ist ständig ein kreativer Motor am Laufen. Unser Anspruch ist, einfach coolen Kram abzuliefern. Trotzdem hätte sicherlich niemand was dagegen, wenn wir einfach wie YouTuber unfassbar viel Geld mit wenig  Aufwand machen würden. Aber wir sind uns auch bewusst, dass unsere Zielgruppe eine andere ist.

Wie wichtig ist die Community für euch geworden?

Rocket Beans TV ist auch ein Community-Projekt. Wenn der Support von draußen nicht so groß gewesen wäre, würde es uns nicht geben. Wir sind sehr eng mit unserer Community verschmolzen, und das wissen und merken die Leute auch. Die Community hat uns viel gegeben. Und wir versuchen, ihr viel zu geben, zum Beispiel durch die Berücksichtigung der Wünsche. Wir versuchen, auf die Kritik einzugehen. Gleichzeitig versuchen wir auch, sie in der Sendung einzubinden und Transparenz zu zeigen. Der Zuschauer weiß, was bei uns abgeht und wir sagen ganz offen, was wir für Pläne und Probleme haben. Diese Transparenz wird geschätzt, und darauf sind wir stolz.

Was könnte denn das große Fernsehen von euch lernen?

Das wäre ja anmaßend. Ich weiß es nicht... Ich bin schon so lange beim Fernsehen und arbeite im Internet, und ich kann diese Frage trotzdem nicht beantworten. Es sind zwei unterschiedliche Medien und ich finde, nach wie vor hat jedes Medium seine Berechtigung. Es bringt auch nichts, das eine zwanghaft über das andere zu stülpen. Man kann vor allem lernen, was man nicht machen sollte. Was das Fernsehen vielleicht lernen muss, ist Authentizität. Ich glaube, die Zeiten der großen Showmaster, die mit Glitzersakko bei tosendem Applaus herunterkommen und einen wunderbaren Samstagabend versprechen, ist vorbei.


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