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Zimmermangel in Unistädten Wie Studierende in Heidelberg ihr eigenes Wohnheim bauen wollen

Auch in Heidelberg gibt es zu wenig Zimmer für Studierende. Eine Gruppe hat deswegen ihr eigenes Wohnheim geplant und im April 2019 soll der Bau starten. So der Plan. Aber wie kann das funktionieren und woher kommt das Geld?

Von: Tobias Krone

Stand: 15.02.2019

Nico Ferchl, einer der Initiatoren des Projekts | Bild: privat

Nicht nur in Bayern ist es für Studierende immer schwieriger bezahlbare WG-Zimmer oder Wohnungen zu finden. Auch Heidelberg läuft gerade quasi über, denn immer mehr Leute kommen zum studieren in die Stadt und der Wohnungsbau hinkt hinterher. Eine Gruppe von Studierenden wollte sich mit dieser Situation einfach nicht abfinden und hat sich überlegt: Wir bauen selbst ein Wohnheim, verwaltet durch die Bewohner selbst. 225 Studierende sollen im Sommer 2020 in das Collegium Academicum einziehen – zu einer Zimmermiete von 300 Euro. Nico Ferchl ist einer der Initiatoren und verrät uns, wie die Idee wom eigenen Wohnheim umgesetzt werden soll.

PULS: Ist für Wohnheime nicht eigentlich das Studierendenwerk zuständig?

Nico Ferchl: Ja, eigentlich schon. Was das Studierendenwerk macht, ist alles ganz vernünftig. Aber das Problem ist: Die können dort den riesigen Bedarf an Zimmern einfach nicht decken. Und wir hatten eigene Ideen – dieses gemeinschaftliche Zusammenleben und Flächen, die wir gemeinschaftlich bespielen können. Und deshalb haben wir gesagt, könnten wir das doch selbst in die Hand nehmen.

Also ist das nicht einfach nur ein Selbsthilfeprojekt?

Genau. Wir wollen nicht, dass jeder nur anonym nebeneinanderher wohnt. Es soll ein gemeinschaftliches Wohnen sein, in dem man sich gut mit den anderen versteht, in dem man auch von anderen was lernen kann. Wir haben nämlich gemerkt, dass gerade der Austausch mit Leuten, die was Anderes machen als man selbst, sehr bereichernd sein kann. Es gibt bei uns eine große Aula für Veranstaltungen und eine Gemeinschaftsküche. Außerdem gibt es zum Beispiel eine gemeinschaftliche Werkstatt, in der die Leute sich Dinge selber bauen oder reparieren können. Das unterscheidet uns von anderen Wohnheimen.

Wie finanziert Ihr das Ganze?

Den Großteil der 14 bis 15 Millionen Euro übernimmt die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Dann bekommen wir noch Förderungen, zum Beispiel vom Bund für variablen studentischen Wohnungsbau und vom Land für Holzbau – weil der Neubau zum Großteil aus Holz sein wird. Aber wir finanzieren uns auch über Spenden und Privatkredite, so ab 1000 Euro. Es gibt viele Leute, die sagen: Das finde ich so ein tolles Projekt, dass Studierende und junge Menschen ihr Wohnen und ihre Bildungsinstitution selbst aufbauen, das möchte ich unterstützen. So haben wir schon über eine Million an Direktkrediten und Spenden zusammen. Um mit dem Bauen anfangen zu können, fehlen uns jetzt noch 240.000 Euro.

Irgendwann ist man ja fertig mit studieren und zieht aus. Wem gehört das Wohnheim?

Das Ganze wird immer von den Menschen verwaltet werden, die im Moment dort leben. Dadurch ist es immer ein Gemeinschaftseigentum, das in einer GmbH liegt, die von vielen Menschen verwaltet wird. Wir wollen ja auch, dass sich da immer neue Leute engagieren. Wer dort wohnt, soll dann auch entscheiden, wer neu einzieht.

Wie lange dauert es, so ein Wohnheim zu bauen?

Angefangen haben wir 2013 mit der Idee. Inzwischen studiere ich selbst gar nicht mehr, bin aber beim Projekt immer noch dabei. Uns fehlen jetzt noch 240.000 Euro bis zum geplanten Baubeginn im April. Wenn alles gut läuft, fangen wir also im Frühling an. Durch die Holzbauweise geht es schnell voran und so können, wenn alles gut geht, Mitte 2020 die ersten Studierenden einziehen.

Gab es auch mal einen Punkt, an dem ihr gesagt habt: "Aus dem Wohnheim wird doch nix. Wir schmeißen hin."?

Es gab auf jeden Fall Rückschläge. Das mit dem Grundstück war nicht so einfach, wie wir uns das gedacht hatten. Aber wir als Gruppe haben da gesagt: Wir haben schon so viel erreicht, wir müssen das jetzt weiter probieren. Jetzt ist klar: Das Wohnheim kommt. Zwischenzeitlich war das nicht so klar. Man muss da immer dran glauben, für seine Ideen brennen und dann wird das was.

Welche Hindernisse könnten euch jetzt, so kurz vor der Verwirklichung, noch aufhalten?

Die einzige Hürde, die es jetzt noch gibt, sind diese 240.000 Euro, die noch fehlen. Auf Grund der Erfahrung, die wir bis jetzt gesammelt haben, glauben wir, dass es auf jeden Fall machbar ist und sind da sehr optimistisch. Für uns ist es sehr wichtig, dass wir unseren Zeitplan einhalten, denn die Fördermittel sind nur bis ins Jahr 2020 bewilligt. Wenn das Projekt die Deadline nicht einhält und nicht rechtzeitig abgeschlossen wird, verlieren wir die Förderung.

Sendung: Filter 15.02.2019, ab 15 Uhr