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Bewerbungsbots, Apps und Co Wie arbeiten wir in der Zukunft?

Roboter und Menschen Seite an Seite, kein Büro mehr, eine App als Arbeitgeber, Zeiteinteilung wie wir es wollen? In Zukunft wird sich unsere Arbeitswelt krass verändern. Und das schon bevor wir eine feste Jobzusage haben.

Von: Alexandra Reinsberg

Stand: 31.10.2016 | Archiv

1. Lebenslauf 4.1

Es gibt nicht viel, das weniger Spaß macht als Bewerbungen zu schreiben: Zum Fotografen dackeln, um Bewerbungsfotos zu machen, die doch wieder steif aussehen, tausende Probeseiten ausdrucken, um dann doch immer wieder einen Kommafehler zu finden…. Auf all das hatte auch die Produktvermarkertin Esther Crawford aus San Francisco keinen Bock mehr und entwickelte ihren persönlichen Bewerbungs-Bot. Jetzt schickt sie nur noch den Link zu ihrem Estherbot an potentielle Arbeitgeber und ist ab dem Punkt raus. Die Personaler, und auch alle anderen, die auf den Estherbot stoßen, können im Chat mit dem Bot dann sehr Persönliches über Esther herausfinden, ihren Werdegang erfragen oder mehr über ihre Zeit in Jordanien herausfinden. Im Interview mit dem Magazin Fast Company sagt Esther, dass sie aufgrund ihrer Idee schon viele Anfragen bekommen hat, auch von potentiellen Arbeitgebern, bei denen sie sich gar nicht beworben hatte. Definitiv ein Weg aufzufallen, und wie bequem ist bitte ein Bot, der sich für euch bewirbt?!

2. Bewerbungsgespräch mit dem Chatbot

Und das Gleiche könnte es auch umgekehrt geben: Kein stundenlanges Grübeln über das perfekte Outfit für das Bewerbungsgespräch, kein Schweißflecken-Problem mehr, wenn die S-Bahn euch vom überpünktlichen Auftritt beim potentiellen Arbeitgeber aufhält. In Zukunft könnten wir Bewerbungsgespräche einfach bequem im Jogger von der Couch aus führen. Und auch für den Arbeitgeber wird es bequemer, denn er überlässt die erste Runde mit neuen Bewerbern einfach seinem Chatbot. Bots wie Mya, der in San Francisco entwickelt wurde, sollen in Zukunft Lebensläufe mit Texterkennungssoftware scannen und geeignete Bewerber über ihre Arbeitserfahrung und Qualifikationen ausfragen. Da hilft auch kein nettes Lächeln und kein überzeugender Händedruck mehr – der Bot sortiert knallhart aus.   

Im Gegenzug geben solche Chatbots den Bewerbern auch die typischen Infos zum Unternehmen und erklären die Bedingungen des Jobs. Erst wenn der Bewerber den Chatbot überzeugt hat, sendet der den Lebenslauf an die echten Personaler. Also mit sexy Augenaufschlag kommt man hier nicht weit.

3. Die App ist dein Chef

Büro mit Yucca-Palme, Pläuschchen in der Kaffeeküche - für einige Arbeitnehmer gehört das mittlerweile genauso wenig zum Arbeitsalltag wie ein Chef, der ihnen im Nacken sitzt. Dienste wie Foodora, Helpling, Bookatiger oder Uber machen vor, wie Arbeit in Zukunft laufen könnte: Potentielle Arbeitskräfte stehen auf Abruf bereit und warten, dass ein Auftrag über eine App reinkommt. Bezahlt wird häufig pro Auftrag, selten gibt es einen festen Stundenlohn und einen festen Vertrag. Gig-Economy wird diese Art der Arbeit genannt, die Jobber warten ständig auf ihren nächsten Auftrag, ihren "Gig".

Kritiker nennen sie auch digitale Tagelöhner, denn in dieser neuen Form der Beschäftigung werden Themen wie soziale Absicherungen, Arbeitnehmerschutz und andere rechtliche Sicherheiten gerne mal vergessen. Für Arbeitgeber ein Modell, das sehr attraktiv klingt und mehr und mehr genutzt werden könnte. Für Arbeitnehmer eher ein Modell, das jungen Leuten taugt, die flexibel sind und unkompliziert Geld machen wollen. Denn ein Job fürs Leben wird schwer draus.      

4. Alles wird flexibel - der Rollcontainer

Selbst wenn die Arbeit nach wie vor im Büro stattfindet, wie und wann dort gearbeitet wird, kann sich in den kommenden Jahren sehr verändern. Viele Angestellte müssen für ihre Arbeit gar nicht mehr unbedingt einen festen Schreibtisch haben, ihnen reicht ein Co-Working-Space oder ein Schreibtisch, WLAN und ihr Laptop, den sie irgendwo im Unternehmen hinstellen können. Darauf richten sich Unternehmen wie Microsoft mit ihren neuen Büros ein. Das eigentliche Büro wird mehr und mehr zum Event-Center, in dem sich Teams für Besprechungen treffen, die Arbeit kann von überall aus erledigt werden. Diese Flexibilität des Arbeitsortes bringt gleichzeitig flexiblere Arbeitszeiten mit sich – rund um die Uhr, statt 9 to 5. Das bringt viele Freiheiten mit sich, aber auch die Gefahr der ständigen Arbeits-Belastung.

5. Datenbrille zum Einlernen

Handbücher zum Einlernen, stundenlange Erklärungen von Kollegen, die eigentlich was ganz anderes zu tun hätten? Datenbrillen übernehmen diese lästige Einlernung schon jetzt in einigen Fabriken. Die komplette Bauanleitung wird einfach vor die Augen projiziert. Die Brille, die den Google Glasses ähnelt, zeigt dem Arbeiter jeden Handgriff im Display an und kontrolliert, ob auch alles richtig ausgeführt wurde. Zukunftsforscher können sich solche Datenbrillen auch für den Techniker vorstellen, der Waschmaschinen reparieren muss oder für die Bäckerin, die genau über ihre Kunden informiert sein möchte.

6. Mein Kollege, Mr. Robot

In Fabriken sind sie schon lange fester Bestandteil der Produktion. Aber auch Leute in klassischen Berufen, wie Arzt oder Jurist, können sich in Zukunft mehr und mehr auf die Unterstützung ihres Kollegen Mr. Robot freuen. OP-Roboter machen Eingriffe möglich, an denen der Mensch bisher gescheitert ist. Und Künstliche Systeme wie das IBM-Programm Watson sammeln unendlich viele Daten von Patienten, die dem Arzt bei der Diagnose von Krankheiten helfen können.

Aber auch der Jurist muss Gesetzestexte und Urteilssprüche nicht mehr selbst durchforsten. Sind die Akten digitalisiert, spuckt der Roboter passende Fälle aus, der Anwalt kann sich auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren. Bei Augen-OPs, bei denen es um jeden Mikrometer in der Netzhaut geht, hilft der Roboter dem zittrigen Augenarzt.  

Eine Garantie, dass nicht alles doch ganz anders kommen wird, kann kein Forscher geben. Allein die Entwicklung von Smartphones, Tablets und anderen Digital Devices hat unseren Alltag und auch unsere Art zu arbeiten radikal verändert. Und selbst die Großen im Business konnten sich das nicht vorstellen und haben sich zu verheerenden Prognosen hinreißen lassen. Angesichts solcher Umbrüche, die ein kleines Smartphone auslösen kann, ist die einzige Absicherung tatsächlich eine gute Ausbildung. Denn in einem sind sich die Forscher einig: Höherqualifizierte wissen, wie man lernt, sich anpasst und für sich die richtige Nische findet.     


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