Jetzt Jungle Nina Chuba

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Lektüreschlüssel: POP (Wiesn-Special) Andreas Gabaliers "Hulapalu" als zeitgenössische Gedichtanalyse

Hula ... was? Hulawer? Ist Andreas Gabaliers Wiesn-Hit "Hulapalu" heimatverliebter Non-Sense oder eine Verneigung vor der Tribe-Kultur Papua-Neuguineas? Unsere Rubrik für Lyrik-Luden nimmt sich der Sache an!

Von: Stefan Sommer und Niklas Fazler

Stand: 19.09.2017 | Archiv

Andreas Gabalier | Bild: picture-alliance/dpa

Die Diskussionen um "Volks Rock'n'Roller" Andreas Gabaliers scheinbare Nähe zu österreichischen Rechtspopulisten und Heimat-Halodries könnten jetzt eine entscheidende Wendung nehmen. Der Kärntner Freigeist und bekannte Feminist stand in den vergangenen Jahren immer wieder in der Kritik, in seinen Songtexten nationalistische, rückwärtsgewandte Ideen und Begrifflichkeiten zu nutzen. Vor den letzten Wahlen versuchte die FPÖ, ihn als rechte Gallionsfigur zu stilisieren - das wird nach den folgenden Enthüllungen wohl unmöglich werden: Unsere Gedichtanalyse seines Opus Magnum "Hulapalu" könnte die Heinz Christian Straches dieser Welt schockieren.

In den salbungsvollen Zeilen des Songs, der täuschend echt wie ein Wiesn-Hit voranschunkelt, fanden wir Anhaltspunkte, die die gängige Lesart Gabaliers als rechten Uffta-Uffta-Casanova oder Viertel-Viertel-Takt-Höcke widerlegen könnten. Bereits im ersten Abschnitt des Poems machen die doppeldeutigen Worte des virtuosen Sprachkünstlers deutlich, dass hier nicht alles ist, wie es auf den ersten Blick scheint:

"Happy Hour mittn in da Nocht
Sexy, olles tanzt, olles locht
40 Grad am Dancefloor
Hulapalu sogst du in mei Ohr."

Andreas Gabalier, Hulapalu

Das Wort "Hulapalu" taucht auf. Was könnte damit gemeint sein? Geht es wieder um die "Heimat", wie in so vielen seiner Texte? Wenn Gabalier von "Heimat" singt, nahmen Alt-Philologen bis heute an, dass "Österreich" gemeint sei. Was, wenn das ein Missverständnis war? Was, wenn der Jodel-Refrain aus "Hulapalu" der rituelle Zeremonie-Gesang eines Stammes aus Papua-Neuguinea wäre?

"Hodiodiodiodie, Hodiodiodiodie
Hodiodiodiodie, Hodiodiodiodie."

Andreas Gabalier, Hulapalu

"Hodiodiodiodie, Hodiodiodiodie
Hodiodiodiodie, Hodiodiodiodie."

Hulapalu, Gesang der Huli

Richtig gelesen, der Stamm der Huli lebt seit mehr als 1000 Jahren auf der Pazifik-Insel Papua-Neuguinea in den Southern Highlands - "Hulapalu" ist ihre Nationalhymne und bedeutet so viel wie: "Wir schaffen das". Eine Tradition des Naturvolkes ist das kollektive Jodeln. Gabaliers Referenz an die Hochkultur der Eingeborenen schlägt die Brücke zwischen dem alpenländischen, indo-germanischen Jodeln des Westeuropäers und der Tradition der Huli - sozusagen: ein völkerverbindendes Jodeln. Um den Zuhörer auf diese Metaebene hinzuweisen, nutzt das lyrische Ich das Stilmittel der Apostrophe, der direkten Ansprache an den Leser:

"Wos is denn Hulapalu, sog mir, wo kommt des hea?
Wie schreibt ma Hulapalu, wos is des, bittesehr?"

Andreas Gabalier, Hulapalu

In vielen Jahren wird man sich an ihn als den Humanisten in Lederhosen erinnern: Als einen Brückenbauer zwischen den Welten - in einer Zeit des Hasses und der Intoleranz ist er ein leuchtendes Beispiel dafür, wie das Jodeln die Völker verbinden kann. One World, one Hulapalu. Und so schallt es aus unseren Bierzelten: "Hodiodiodiodie" - wir schaffen das!

Sendung: Filter vom 25.09.2017 ab 15 Uhr