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Industrielle Revolution Auf dem Weg zur Metropole

Stand: 26.11.2007 | Archiv

Bau des Münchner Hauptbahnhofs, 1879 | Bild: SZ Photo / Scherl

Im 19. Jahrhundert wird München zur Großstadt. Die sogenannte industrielle Revolution erreicht auch die bayerische Hauptstadt, obwohl die Behaglichkeit der Domhauben bis heute so wirkt, als wäre sie eine Versicherung gegen solche Entwicklungen gewesen. Fabrikschlote wachsen in den Himmel, Gleise pflügen die Landschaft. Die Eisenbahn ist wichtiger Motor der Industrialisierung. Fünf Jahre nach der ersten deutschen Bahnstrecke Nürnberg-Fürth wird 1840 die Trasse von München nach Augsburg eröffnet, der erste Bahnhof der Stadt entsteht im Jahr 1847.

Ende des 19. Jahrhunderts, als der Marienplatz noch Revier für Kutschen war

1879 wurde mit einer der ersten freitragenden Stahlkonstruktionen vergrößert. Vor der Eisenbahn-Ära war die Isar als Wasserstraße ein wichtiger Transportweg, über die Donau bis nach Wien und noch weiter.

Bierbrauen als Industrie

Im 18. Jahrhundert gab es zwar die berühmte Nymphenburger Porzellanmanufaktur oder Tuchmacher-Fabriken in der Au, aber große Bedeutung als Gewerbestandort erhält München erst in der Gründerzeit nach der Reichsgründung von 1870/71.

"München riecht nach Bier" (Wolfgang Koeppen)

Vor allem im Maschinen- und Lokomotivbau wird die Stadt führend. In jenen Jahren schwingt sie sich auch zur Weltmetropole des Bieres auf - allerdings auf Kosten vieler kleiner Brauereien, die zu wenigen Großunternehmen konzentriert werden. 

Cholera-Bekämpfer und Kühlschrank-Erfinder

In München werden auch einige Meilensteine der Wissenschaft gesetzt. So gelingt es Max von Pettenkofer, Seuchen wie die Cholera einzudämmen. Carl von Linde setzt sich als Pionier der Kältetechnik ein Denkmal, der moderne Kühlschrank geht auf seine Erfindung zurück.

Wachstum durch Eingemeindungen

Wahnsinns-Wachstum

Einwohner-Entwicklung
1871: 170.000
1900: 500.000
1910: 600.000

München wächst nun rasend schnell zur Großstadt heran. Die Reste der mittelalterlichen Stadtmauer sind seit den 30er- und 40er-Jahren des 19. Jahrhunderts beseitigt.

Unterkunft für die Armen

Eingemeindungen vergrößern den Burgfriedensbereich: 1854 kommen Au, Giesing, Haidhausen dazu, 1864 Ramersdorf, 1877 Untersendling, 1890 Schwabing und Neuhausen, 1892 schließlich Bogenhausen. München schickt sich an, eine Metropole zu werden. Mit etwa 600.000 Einwohnern ist es 1910 die viertgrößte deutsche Stadt.

Krasse Armut in der Vorstadt: Karl Valentin muss im Film "Der Firmling" einen Anzug leihen.

Der Moloch zieht Tausende von Landbewohnern an, in die Mietskasernen der Vorstadtbereiche pfercht man das Proletariat. Eine Folge der industriellen Revolution: Armut grassiert. Ein Anzug zur Firmung? Zu teuer, muss geliehen werden. Der 1882 in der Au geborene und dort aufgewachsene Karl Valentin bezieht aus der Beobachtung der Slum-Bevölkerung die bittere Seite seiner Komik. 

Böser Blick nach Berlin

Noch etwas bringt 1870/71 mit sich: eine Zurückstufung Münchens innerhalb des Deutschen Reichs. Es ist zwar immer noch Hauptstadt des Königreichs Bayern, aber nur eine unter diversen Großstädten des Deutschen Reiches. Die Nummer eins im Reich ist Preußen, Haupt- und erste Stadt Berlin - eine Tatsache, die bei vielen Bayern bis heute separatistische Begehrlichkeiten weckt - und antipreußische Ressentiments, zumal nach dem verlorenen Krieg von 1866.


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