Bayern 2 - radioWissen


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Download-Center Einsatz im Unterricht

Stand: 25.07.2016 | Archiv

Schwerpunkt der Sendung

Werden die Themen Zweiter Weltkrieg und Nachkriegszeit im Unterricht besprochen, bietet die Sendung verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Sie berichtet von den Bombenangriffen auf München während des Zweiten Weltkriegs, von den Zerstörungen (Audioclip 1), den Aufräumarbeiten (Audioclip 2) und dem Wiederaufbau der Stadt in den 1950er Jahren (Audioclip 3). Dabei kommt auch zur Sprache, dass nach 1945 zwischen Modernisierern und Anhängern der Rekonstruktion in Westdeutschland ein heftiger Streit tobte. Die einen versprachen sich vom Ausmerzen alter Stadtbilder und dem Errichten von Neubauten einen Aufbruch in die Zukunft, andere - wie die Entscheider in München - legten Wert auf den Erhalt städtebaulicher Identität und forderten die Wiedererkennbarkeit ihres Heimatortes. Der Erfolg gab ihnen Recht. In München herrscht heute Zufriedenheit, die Bewohner identifizieren sich mit ihrer Stadt, die mit "alten" Bauten, Plätzen und Straßenzügen protzen und unzählige Besucher anlocken kann.

Wissenswertes

Tabula rasa im Osten: Interessant ist auch in Blick nach Osten. Hier gab die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED), die ab 1946 das politische Leben in der SBZ/DDR beherrschte, die Richtlinien für den Städtebau vor. Walter Ulbricht (1893-1973), der mächtigste Mann im "Arbeiter-und-Bauernstaat", ein gelernter Möbelschreiner, verstand sich in der Nachkriegszeit als oberster Bauherr seines Landes. Im Sinne des "sozialistischen Städtebaus" ließ er landesweit historische Gebäude beseitigen, Ruinen sprengen, Kirchen abtragen sowie Stadtgrundrisse radikal verändern. Während Architekten im Westen Rücksicht auf Einzeleigentum nehmen mussten, ließen ihre Ostkollegen Privatbesitz kurzerhand enteignen. Und wenn die Mittel zum Neubau nicht reichten, gab man ganze Stadtteile dem Verfall preis.
Bald nach der Wende 1989 wurden Stimmen laut, ästhetisch eher trostlos wirkende Städte, denen jegliche "Überzeitlichkeit" fehlte, umzugestalten. Ein Rückbau der Orte war nicht möglich, doch für die Rekonstruktion einzelner Gebäude begeisterten sich die Menschen. Prominente Beispiele für die Wiederherstellung "historischer" Stadtbilder sind die Dresdner Frauenkirche, das Potsdamer und das Berliner Stadtschloss.

Diskussion

Das Beispiel München und aktuelle Entwicklungen in Ostdeutschland regen zur Diskussion an.

  • Warum unterstützten die meisten Münchnerinnen und Münchner die Wiederaufbaupläne Karl Meitingers? (Stichwort: "Gute alte Zeit")
  • Warum bauen Menschen durch Krieg oder Naturkatastrophen Zerstörtes häufig nach alten Strukturen wieder auf? Warum schrecken sie oft davor zurück, die Zerstörung als Chance zum modernen Bauen zu betrachten?
  • Von dem Architekten Rudolf Schwarz (1897-1961), der sich beim Aufbau des zerstörten Kölns Verdienste erwarb, stammt der Satz: "Städte müssen den Wandel der Zeit überstehen und allmählich ins Überzeitliche wachsen". Müssen Städte tatsächlich "über den Zeiten" stehen?
  • Wagen wir eine Prognose: In welche Richtung wird sich der Städtebau in Zeiten der Globalisierung entwickeln? Wird es eher Vereinheitlichungstendenzen geben oder werden vermehrt Alleinstellungsmerkmale (Rekonstruktion!) hervorgehoben?

Nachbearbeitung

Nacharbeit: Zur Sicherung des Wissens können sich die Schülerinnen und Schüler mit den Arbeitsblättern beschäftigen.
Arbeitsblatt 1 thematisiert Zerstörung und Wiederaufbau Münchens im Zeitverlauf (1943/44-1958).
Arbeitsblatt 2 bündelt die Argumente der Verfechter der Rekonstruktion.
Arbeitsblatt 3 sammelt die Argumente der Befürworter des modernen Bauens.
Abschließend bietet es sich an, die Wiederaufbauwege anderer Opferstädte des Bombenkriegs im Inland (beispielsweise Hamburg, Lübeck, Rostock, Köln, Frankfurt, Nürnberg) und im Ausland (beispielsweise Rotterdam, London, Coventry, Warschau, Belgrad) zu betrachten.


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