Bayern 2 - radioWissen


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"Damit wir uns in Freude ergötzen"

Von: Christian Sepp / Sendung: Carola Zinner

Stand: 23.06.2017 | Archiv

GeschichteRS, Gy

Im Jahre 1475 wurde in Landshut eine prunkvolle Hochzeit gefeiert: Herzog Georg von Bayern-Landshut heiratete die Königstochter Hedwig von Polen. Als Landshuter Hochzeit wird dieses Ereignis noch heute gefeiert.

Die Reichen Herzöge

In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, am Ende des Mittelalters, teilte sich das von der Dynastie der Wittelsbacher regierte Bayern in zwei Herzogtümer auf: Bayern-Landshut und Bayern-München. Die in Landshut regierenden Herzöge galten als besonders wohlhabend und gingen als die "Reichen Herzöge" in die Geschichte ein. Seit 1450 regierte der prachtliebende Herzog Ludwig IX. das Land. Schon seine eigene Hochzeit mit einer sächsischen Kurfürstentochter wurde überaus aufwändig mit 20.000 Gästen gefeiert. Auch die Hochzeit seiner Kinder war für den Herzog ein willkommener Anlass, seinen Reichtum zur Schau zu stellen. Für seinen Sohn und Erben Georg hatte der Herzog die Heirat mit einer Königstochter eingefädelt. Die Auserwählte, Hedwig, war die älteste Tochter König Kasimirs II. von Polen, der sein Land stärker an den Westen binden wollte und dies durch eine entsprechende Heiratspolitik zu erreichen suchte.

Eine äußerst aufwändige Hochzeit

Im September 1475 brach ein prachtvoll ausgestatteter Tross von Krakau aus nach Landshut auf. Die Reise dauerte über zwei Monate und führte über schlecht ausgebaute Handelsstraßen unter anderem über Berlin, Wittenberg, Leipzig, Altenburg und Zwickau. Weil die Pest in einigen Städten wütete musste die ursprüngliche Reiseroute abgeändert werden und über Nürnberg erreichte man Mitte November 1475 endlich Landshut. Zu den erlauchten Gästen der Hochzeit zählten unter anderem Kaiser Friedrich III. mit seinem Sohn Maximilian, der Kurfürst von Brandenburg, die Herzöge von Bayern-München, die Grafen von Württemberg und der Markgraf von Baden. Zahlreiche Chronisten schrieben gewissenhaft alles auf, wodurch wir heute über zahlreiche Details informiert sind. So ist überliefert, dass die Juwelen an Georgs Hut 50.000 Gulden wert waren, dass über 9.000 Pferde untergebracht werden mussten und dass die Gäste für eine Woche auf Kosten der Landshuter Herzöge bewirtet wurden. 323 Ochsen wurden geschlachtet, dazu 285 Schweine, 1.133 ungarische Schafe, 1.537 Lämmer, 490 Kälber und 40.000 Hühner. Insgesamt hat das große Hochzeitsspektakel 60.766 Gulden gekostet, was heute umgerechnet ungefähr der Summe von 13 Millionen Euro entspricht.

Das heutige historische Fest

Die Landshuter Hochzeit erlebte Anfang des 20. Jahrhunderts eine Wiederbelebung. 1902 gründeten zwei Landshuter Bürger den Verein "Die Förderer e.V.", ein Jahr später wurde die Hochzeit erstmals von 145 Mitwirkenden nachgespielt. Anfangs fanden die Feierlichkeiten jedes Jahr statt, seit 1985 wird die Landshuter Hochzeit alle vier Jahre gefeiert. Mittlerweile ist sie zum historischen Dokumentarspiel gereift, in das sich weite Teile der Bürgerschaft einreihen. Rund 2.300 Darsteller schlüpfen in authentische historische Gewänder, um die Hochzeit detailreich nachzuspielen. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist der Hochzeitszug und die Hochzeitsgesellschaft, die an einem Sonntag durch die Altstadt von Landshut ziehen.


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