Bayern 1


105

Stau oder nicht Stau? Besser durch den Verkehr mit Bayern 1

Stau oder nicht Stau? Diese Frage beantwortet der Bayerische Rundfunk nun noch leichter. Seit dem Jahreswechsel arbeitet auch der BR-Verkehrsfunk mit einer sogenannten Verkehrsflusskarte - eine erste Bilanz.

Stand: 13.02.2012

Ausschnitt: Verkehrsflusskarte ADAC/ stilisierte Radios | Bild: ADAC, Montage: BR

Im Stau stehen ist ärgerlich. Ebenso ärgerlich ist es, wenn man einen angekündigten Stau umfahren möchte und dann feststellt, dass entweder gar kein Stau ist oder die Umgehung total überlastet. Dank einer verbesserten Datenbasis sind die Verkehrsmeldungen des Bayerischen Rundfunks jetzt noch aktueller und die Autofahrer können schneller reagieren. Eine Zwischenbilanz.

Meldeflotte aus 100.000 Fahrzeugen

Die farbigen Linien zeigen den Verkehrsfluss auf Bayerns Straßen.

Bundesweit übertragen 100.000 gewerbliche Fahrzeuge - Lkw, Kleintransporter und auch Pkw - ohne Unterbrechung via Satellit und Mobilfunknetz Daten, wo und mit welcher Geschwindigkeit sie unterwegs sind. Kommen die Brummis auf einem bestimmten Streckenabschnitt nur im Schneckentempo voran, leuchtet dieser Abschnitt auf der digitalen Verkehrsflusskarte orange auf. Rotes Leuchten bedeutet, dass gar nichts mehr geht - also Stau. Da sich das System alle drei Minuten aktualisiert, kann der Verkehrsfunk auch schnellstens darüber informieren, wann sich ein Stau wieder auflöst - dann wird die Strecke auf der Karte grün. Das neue System ist ein Gemeinschaftsprojekt zwischen ARD und ADAC.

Eigene Moderatoren geben Infos zu Lage auf den Straßen

Bayern 1-Verkehrsredakteure Wallner, Einzel und Threm.

So bekommen unter anderem die Hörerinnen und Hörer von Bayern 1 seit einigen Wochen genauere Informationen über die Lage auf den Straßen. Um den verbesserten Verkehrsservice herauszustellen, setzt der Marktführer neuerdings sogar auf eigene Moderatoren, die den Autofahrern am Morgen genau sagen, wo es gerade eng ist und wie lange es voraussichtlich dauert, bis der Verkehr wieder ungehindert fließt, wo ein Stau sich aufzulösen beginnt.

Daniela Rembold aus der Verkehrsredaktion zieht eine Zwischenbilanz.

Daniela Rembold aus der BR-Verkehrsredaktion

Wie kommen die Daten und Informationen ins Radio?
Rembold: Wir bekommen unsere Informationen von verschiedenen Quellen geliefert. Die wichtigsten sind die Polizei, die Bayern3ver und ADAC Staumelder und jetzt seit kurzem eben auch die Verkehrsflussdaten direkt von der Strecke. Diese Meldungen laufen alle bei uns in den PC in unser Redaktionssystem und werden von dort aus von uns einzeln gesichtet, verglichen und für den gesprochenen Verkehrsservice ausgewählt und mundgerecht umformuliert. Meldungen, die für den gesprochenen Verkehrsservice nicht relevant sind bearbeiten wir fürs Internet und den Bayerntext. Darüber hinaus werden sie über TMC (Traffic Message Channel) an die Navigationsgeräte ausgesendet. Wenn wir für bestimmte Strecken widersprüchliche Meldungen vorliegen haben, recherchieren wir bei Polizei, Staumeldern und anderen Quellen, um herauszufinden, wie es tatsächlich auf den Straßen aussieht.

Wie genau und zuverlässig ist die Verkehrslusskarte?
Rembold: Die Verkehrsflusskarte ist sehr zuverlässig, genau und schnell! Immerhin setzt sie jeden Tag rund acht Millionen Daten um. Das entspricht täglich rund 1200 Meldungen bundesweit. Damit ein Streckenabschnitt eingefärbt wird, reicht es nicht, wenn dort nur ein Fahrzeug der Meldeflotte fährt. Es müssen im Schnitt zwei bis drei sein, aus deren Daten die Durchschnittsgeschwindigkeit für einen bestimmten Streckenabschnitt berechnet wird. Dabei werden auch wichtige Streckenmerkmale wie Steigungen oder Raststätten berücksichtigt. Wo nicht genug Fahrzeuge unterwegs sind, gibt es auch keine Einfärbung. Der große Vorteil ist, dass wir nun eben auch genau sehen, wie schnell die Fahrzeuge vorankommen. Das ist ein deutlicher Mehrwert, weil Stau nicht gleich Stau ist. Wir können dadurch auch wesentlich eher erkennen, wie die Tendenz auf einer Strecke ist, ob der Verkehr zunimmt oder ein Stau sich langsam auflöst. Und wir haben natürlich auch nicht hopplahopp begonnen mit den Daten zu arbeiten, sondern konnten sie seit Mai in einem Pilotversuch testen. In der Zeit hatten wir auch die Gelegenheit, gemeinsam mit unserem Partner, dem ADAC, die ein oder andere Kinderkrankheit auszumerzen und die Meldungen auf unsere Bedürfnisse anzupassen.

Wie kommt der neue Verkehrsservice bei den Autofahrern an?
Rembold: Die Rückmeldungen, die wir bisher bekommen, sind größtenteils sehr positiv. Die meisten Autofahrer begrüßen den zusätzlichen Service. Gerade die Angabe der gefahrenen Geschwindigkeit kann ja auch helfen, sich zu entscheiden, ob man von der Autobahn runter fährt oder nicht. Vielen Hörern ist aber nicht ganz klar, was mit dem Begriff "mit Satellitenunterstützung" gemeint ist. Deshalb noch einmal kurz die Erklärung: Mit Hilfe von GPS (Global Positioning System) werden via Satellit die exakten Positionen der Fahrzeuge auf den Straßen ermittelt, die für die Erhebung der Verkehrsflussdaten unerlässlich sind.

Bis zu 100.000 gewerbliche Fahrzeuge sind mit einem kleinen Telematikgerät ausgestattet. Wie ist da eigentlich die Arbeitsaufteilung zwischen dem ADAC und der ARD?
Rembold: Vereinfacht gesprochen kümmert sich der ADAC um die Erhebung der Daten und wir bringen die Informationen unter die Leute. Der ADAC veranlasst den Einbau der Telematikgeräte, kümmert sich um die Übertragung der Daten und stellt sie uns auf technischem Weg zur Verfügung. Wir verbreiten die Meldungen dann in gesprochener Form über unsere Programme von Bayern 1 bis B5 aktuell, im Internet und im Videotext. Ein ganz wesentlicher Punkt ist, dass wir dadurch auch den Service für die Autofahrer unterwegs verbessern. Sie bekommen von uns die verbesserten Verkehrsmeldungen über TMC in ihre Navigationsgeräte gesendet.

Was kann noch verbessert werden?
Rembold: Die Flächendeckung - obwohl 100.000 Fahrzeuge eine ganze Menge sind, gibt es auch auf den Autobahnen immer noch Strecken, von denen zeitweise keine Daten vorliegen. Um diese "blinden Flecken" immer weiter verschwinden zu lassen, ist es notwendig, Position und Geschwindigkeit von noch mehr Fahrzeugen auswerten zu können. Daran arbeitet der ADAC auch kontinuierlich.


105