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Krankschreibung Was Sie dürfen - und was nicht

Mit der Erkältung in den Supermarkt? Oder mit dem gebrochenen Bein ins Schwimmbad? Wer als Arbeitnehmer krankgeschrieben ist, hat einiges zu beachten - sonst droht im Extremfall die Kündigung.

Stand: 17.07.2017

Krankschreibung? Das ist erlaubt. | Bild: picture-alliance/dpa

Einkaufen, Freunde treffen, Sport treiben - was ist erlaubt?

Wer krankgeschrieben ist, steht nicht unter Hausarrest. Sie dürfen alles tun, was zu Ihrer Genesung beiträgt. Was das ist lässt sich aber nicht pauschal sagen, da das von der Art der Erkrankung abhängt.

"Grundsätzlich darf man nichts tun, was dem Genesungszweck widerspricht."

Johannes Falch, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Medizinrecht.

Bei einem Burnout zum Beispiel sind Sport, Treffen mit Freunden oder sogar eine Reise durchaus förderlich - bei einer Grippe eher nicht. Im Zweifelsfall sollten Sie immer mit Ihrem Arzt sprechen, welche Aktivitäten er für sinnvoll hält.

Es gibt aber auch Termine, die Sie trotz Krankschreibung grundsätzlich wahrnehmen können, bei denen Sie allerdings überlegen sollten, ob das wirklich sinnvoll ist. Beispielsweise Friseurtermine und Kinobesuche. Denn auch wenn es kein Verbot gibt: "Wie es bei Kollegen oder Chefs ankommt, wenn sie mich trotz Arbeitsunfähigkeit im Kino treffen, ist etwas anderes", sagt Johannes Falch, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Medizinrecht.

Darf ich trotz Krankheit wegfahren?

Bei manchen Krankheiten kann das auf ärztliche Empfehlung sogar sinnvoll sein. Wenn Sie zum Beispiel zu Verwandten oder Freunden fahren, die sich während der Krankheit um sie kümmern statt alleine zuhause zu bleiben, dürfte das der Genesung eher förderlich sein.

Wer allerdings dann Bikinibilder vom Strand in sozialen Netzwerken postet, weckt mindestens das Misstrauen des Chefs. "Unter diesen Umständen ist der an sich bestehende Beweiswert einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung erschüttert", sagt Rechtsanwalt Johannes Falch. Stoppt der Arbeitgeber dann die Lohnfortzahlung, muss der Arbeitnehmer durch ein ärztliches Gutachten beweisen, dass er wirklich krank war.

"Ein arbeitsunfähig erkrankter Arbeitnehmer hat während seiner Ausfallzeit durch sein eigenes Verhalten dafür Sorge zu tragen, dass er die Phase der Arbeitsunfähigkeit möglichst zügig überwindet. Das bedeutet aber nicht, dass er stets nur das Bett zu hüten hat, oder jedenfalls die eigene Wohnung nicht verlassen sollte. Vielmehr ist auf die je vorliegende Krankheit abzustellen, um ermessen zu können, welche Tätigkeiten einem Arbeitnehmer während der Zeit der Arbeitsunfähigkeit untersagt sind."

Urteil des Landesarbeitsgerichts Mecklenburg-Vorpommern.

Wenn ich in den Ferien krank werde, kann ich die verpassten Urlaubstage dann nachholen?

Wenn Sie die Grippe erst am Urlaubsort erwischt, können Sie die Urlaubstage nachholen. "Ich würde auch hier raten, die Arbeitsunfähigkeit unverzüglich anzuzeigen – um nicht hinterher in die Bredouille zu kommen und unglaubhaft zu erscheinen", sagt Anwalt Falch. Also beim Arztbesuch im Urlaub auch an die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung denken. Aber Vorsicht: Die vereinbarte Urlaubszeit gilt in jedem Fall, das heißt, Sie dürfen den Urlaub nicht selbstständig verlängern.

Trotz Krankschreibung zur Arbeit - geht das?

Prinzipiell ja. Wenn Sie sich wieder gesund fühlen, können Sie auch wieder arbeiten. "Grundsätzlich kann man nur raten, dass Arbeitnehmer während einer ärztlicherseits bescheinigten Arbeitsunfähigkeit auch tatsächlich nicht arbeiten", sagt Rechtsanwalt Johannes Falch. Und: Wer ansteckend ist, sollte im Bett bleiben und nicht arbeiten gehen.


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Susanne Westphal, Montag, 07.November, 10:33 Uhr

1. Deutsches Recht schützt Arbeitnehmer um jeden Preis

Eine Ex-Mitarbeiterin wurde "spontan" krank, als ihr gekündigt wurde. Sie hatte kaum mehr Resturlaub, wollte aber in der verbleibenden Vertragszeit vier Wochen lang nach Kuba reisen. Am Tag vor Abflug ließ sie sich krankschreiben: Burnout. Finanziert von der Einzelunternehmerin, die 5 Kinder ernährt und auch an Wochenenden arbeitet. Irgendwas läuft da schief...

  • Antwort von Falch, Dienstag, 08.November, 21:23 Uhr

    Kleinbetriebe bis 30 Arbeitnehmer nehmen jedoch am Umlageverfahren der Krankenkassen (U 1) teil und erhalten -je nach Tarif- die Aufwendungen für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfalle bis zu einer Höhe von 80 % von der Krankenkasse erstattet. Das (verständliche) Ärgernis wird daher zumindest wirtschaftlich kompensiert.