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Einschlafen Warum wir das Schlafengehen hinauszögern

Nach einem harten Tag müde ins Bett fallen? Das passiert selten, denn tendenziell zögern wir das Schlafengehen trotz Erschöpfung hinaus. Warum das so ist und wie wir dieses Verhalten umgehen können, das haben wir den Schlafforscher Prof. Dr. Jürgen Zulley gefragt.

Stand: 26.09.2023 | Archiv

Frau vor dem Laptop auf der Couch | Bild: mauritius images/Fabio and Simona

Warum wir trotz Müdigkeit nicht ins Bett gehen, darüber kann nur spekuliert werden. Diese drei Faktoren könnten eine Rolle spielen:

1. Man hat Angst etwas zu verpassen, weshalb man den Tag noch nicht beenden möchte und sich lieber durch beispielsweise den Fernseher unterhalten lässt.
2. Die Umgebung auf der Couch ist eine gemütliche. Das Schlafzimmer ist oft etwas kühler und die Einrichtung in manchen Fällen eher praktisch statt schön.
3. Viele stellen ins Bettgehen gleich mit "den Tag endgültig beenden", deswegen wird die Zeit auf der Couch noch etwas länger ausgereizt, um den Tag noch nicht abzuschließen.

Einschlafprobleme vermeiden

Dieses Verhalten spielt auch auf ein weiteres Problem mit ein. Denn wer das Zubettgehen gleichsetzt mit der endgültigen Beendigung des Tages, der setzt sich beim Einschlafen unter Druck, sofort wegdösen zu müssen. Das wiederum hat oft den gegenteiligen Effekt. Da es im Schlafzimmer meistens weniger Ablenkungsmöglichkeiten gibt, kann eine innere Unruhe entstehen.

Um das zu vermeiden, rät Prof. Dr. Jürgen Zulley:

"Es hilft, sich einen Zeitplan zu machen und eine feste Uhrzeit festzulegen, zu der man ins Bett geht. Eine Art Einschlafritual nimmt den Druck heraus und man hat nicht das Gefühl, direkt den Tag beenden zu müssen. Das kann der Genuss von einem Glas warmer Milch oder einem Tee sein, oder auch das Hören entspannter Musik. Außerdem sollte man sich im Schlafzimmer wohlfühlen. Oft sind die Möglichkeiten auf Veränderungen begrenzt, allerdings hilft es beispielsweise auch schon, schönes Licht zu installieren."

Prof. Dr. Jürgen Zulley, Schlafforscher

Was gibt es vor dem Schlafengehen zu beachten?

Die Couch ist ein entspannter und gemütlicher Ort - oft so entspannt, dass, wenn wir uns mal festgesessen haben, uns die nächsten Schritte - beispielsweise des Zähneputzens oder des abendlichen Waschrituals - vorkommen wie unbezwingbare Aufgaben. Das sollte man im Idealfall schon vorher erledigen, so dass als einzige Hürde zum Schlafengehen der Weg zwischen Couch und Bett bleibt.

Was man vor dem Schlafengehen meiden sollte

Generell gibt es einige Dinge zu meiden, die unseren Schlaf stören könnten. Dazu zählen beispielsweise Fernsehen. Hier liegt es besonders am Licht, was uns von einem guten Schlaf abhält.

"Auch spätes Essen hat einen sehr unterschätzten, negativen Einfluss auf unseren Schlaf. Hier kommt es natürlich auch auf die Menge an."

Prof. Dr. Jürgen Zulley, Schlafforscher

Aber auch das Trinken ist etwas, was wir abends ein wenig herunterfahren sollten, damit wir nachts nicht zu oft auf die Toilette müssen.
Vom Konsum von übermäßig viel Alkohol rät der Schlafforscher natürlich auch ab.

"Alkohol hat zwar einen einschlaffördernden Effekt, aber er muss auch abgebaut werden und das stört unseren Schlaf."

Prof. Dr. Jürgen Zulley, Schlafforscher

Das hilft beim Einschlafen

Was beim Einschlafen hilft, sind zum Beispiel sich Gedichte oder Balladen anzuhören - alles was positiv, aber recht monoton ist. Auch Podcasts helfen, sofern sie nichts Spannendes oder allzu Interessantes beinhalten. Ein generelles Grundrauschen ist also fördernd, was das Einschlafen angeht.

"Wichtig ist es, ab einer bestimmten Uhrzeit den Tag abzuschließen, keine Telefonate mehr entgegen zu nehmen und keine Mails mehr zu beantworten. Auch eine klare Trennung von Aktivitäten und eventuellen Problemen am Tag und Entspannung ab dem Abend sollten wir wenn möglich einhalten."

Prof. Dr. Jürgen Zulley, Schlafforscher


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