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Bayerischer Kabarettpreis Die Preisträger 2016 stehen fest

2016 verleiht der Bayerische Rundfunk gemeinsam mit dem Münchner Lustspielhaus zum 18. Mal den „Bayerischen Kabarettpreis“. Die Aufzeichnung der Preisverleihung findet am Montag, 12. September 2016, im Münchner Lustspielhaus statt und wird am Freitag, 16. September 2016, im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt. Michael Altinger führt als Moderator durch den Abend.

Stand: 11.02.2016

Preis | Bild: BR/Ralf Wilschewski

"Ich freue mich, dass der Bayerische Rundfunk auch 2016 wieder fünf großartige Künstler mit dem Bayerischen Kabarettpreis auszeichnen darf: Den grandiosen Georg Schramm, eine Legende des deutschen Kabaretts, der mit Figuren wie Lothar Dombrowski seinen mahnenden Zeigefinger und donnernden Zorn nicht nur gegen die Politköpfe in Berlin, sondern auch gegen uns alle als schweigende Masse schleudert. Simon & Jan, die mit feinsinnigen Texten und musikalischer Genialität Musikkabarett der Extraklasse machen. Die vielseitige Constanze Lindner, die mit ihren liebevoll erschaffenen Bühnenfiguren nicht nur die Herzen des Publikums, sondern auch der Kollegen erobert. Und HG. Butzko, der mit scharfer Analytik und Gelsenkirchener Lässigkeit seit Jahren eine feste Größe der Szene ist. Der Bayerische Rundfunk gratuliert allen Preisträgern recht herzlich."

Annette Siebenbürger, Leitung Programmbereich Bayern und Unterhaltung

Die Jurybegründungen zu den vier Preisträgern:

Senkrechtstarter-Preis: Constanze Lindner
Ob als Comedian, Schauspielerin oder Sängerin: Constanze Lindner ist ein Bühnentier. Sie erobert das Publikum vor allem mit ihrer unvergleichbaren Spielfreude, großer Spontaneität, mit Mut zur Hässlichkeit und entwaffnendem Charme, der im deutschen Kabarett seinesgleichen sucht. Als Ensemblemitglied der BR-Reihe „Die Komiker“ zeigte sie früh ihr großes Talent und ihre Unverwechselbarkeit. In ihrem ersten Solo-Kabarettprogramm „Es wird geStanzt heut Nacht“ spielt sie sich nun durch Figuren, die vielfach grotesk sind, aber immer liebenswert bleiben. Dabei nimmt sie das Publikum mit auf eine Achterbahnfahrt von Irrsinn nach Absurdistan. In einer Metzgerei als bizarrem Hort der Lebensfreude treffen sich die schrägen Figuren der Komödiantin Lindner: Die liebenswerte Walli Chantalle Breitinger singt mit Inbrunst Schlager. Victoria Witchbopp aus Pffffr ist eine russische Grande Dame, die mit herrschaftlicher Attitüde und Pelzmütze über Liebe, Leid und Leben lamentiert. Lindners Antwort auf die selbstoptimierte Frau ist die unvergleichliche Cordula Brödke: Ein hässliches Wesen, das unverletzlich scheint und stets nach Nähe sucht – ein Kauz, dem die Herzen zufliegen. Freude, Lebenslust, Sensibilität und Menschenwärme: Es sind die positiven Emotionen, die Constanze Lindner auf die Bühne bringt – kraftvoll und unverfälscht.

Musikpreis: Simon & Jan
Simon & Jan sind Meister der leisen Töne. Mit ebenso großem Sinn für das Abgründige wie Alltägliche und genauem Blick auf dahinterliegende Wahrheiten schaffen sie kunstvoll arrangierte Kleinode, die sich ganz um ihre Stimmen und ihr Gitarrenspiel drehen. Auch wenn Simon Eickhoff und Jan Traphan sonst kaum große Worte machen, in ihren Liedern verhandeln sie eloquent und eindringlich Themen, die bewegen. Ihre klaren Beobachtungen kommen lakonisch und höchst unschuldig daher, sind aber oft bitterböse und treffen stets das Wesentliche. Banal ist nichts an ihren fein komponierten Stücken, in denen sie auf höchstem musikalischen Niveau mit unerwarteten Blickwinkeln überraschen. In bisher zwei Programmen setzten sie sich ohne erhobenen Zeigefinger und voller Selbstironie mit der Stellung des Menschen in einer zunehmend entmenschlichten Welt auseinander – und finden dafür Bilder, die zugleich urkomisch und todtraurig sind. In bewusstem Bruch zu ihren lieblichen Melodien und beschwingten Pointen verhandeln sie so Themen wie Sexismus, Politikverdruss, religiösen Fundamentalismus, Missbrauch, Rassismus, Kollektiv-Ängste, Eskapismus, Technikhörigkeit, Schönheitswahn und die Abkehr von Idealen – also nichts weniger als den Menschen und seine Menschlichkeit. Bezaubernd, böse und besonders!

Hauptpreis: HG. Butzko
Präzise, aufklärerisch und gnadenlos sind Arbeit und Denkweise des Gelsenkirchener Kabarettisten HG. Butzko. Nach seinen Anfängen als Schauspieler und Regisseur in der deutschen Theaterszene entschied er sich 1997 fürs Kabarett. Sein Spiel mit gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen, mit Worten, Pointen und Ideen zeichnet all seine Bühnenprogramme aus.
Butzkos Markenzeichen ist der Bruch zwischen seinem Auftreten und dem akkuraten Stil seiner Sprache. Besonders bei scheinbar trockenen, fiskalpolitischen oder wirtschaftlichen Themen öffnet sich eine spannende Schere zwischen lockerem Plauderton und kluger Analyse. Ganz entspannt nimmt er den Zuhörer bei der Hand und folgt mit ihm einer klaren Gedankenkette, an deren Ende dann die ebenso logische wie überraschende Schlussfolgerung steht. Dies macht Butzko mit freundlicher Leichtigkeit und im sympathischen Ruhrpott-Slang, so dass sich sein Publikum keinen Augenblick belehrt fühlt.
Auch in seinem aktuellen Programm „Super Vision“ setzt er sich auf ganz besondere Art mit gesellschaftlichen Zusammenhängen auseinander und trifft mit seinen Betrachtungen des Wirtschaftswahnsinns und Politgeschäfts exakt die Befindlichkeiten und Ängste der Menschen. HG. Butzko ist ein Meister des Politischen, der dem deutschen Kabarett Tiefe verleiht – als Bürger, Philosoph und Mitdenker.

Ehrenpreis: Georg Schramm
Sein Zorn treibt ihn an, sein analytischer Scharfsinn scheut keinen Tiefgang, und seine gewaltige Sprache erregt – alles stellt Georg Schramm in den Dienst der Vernunft. Schicht für Schicht legt er das Wesen unserer ökonomisierten Gesellschaft frei: Habgier als Prinzip, Pflegenotstand, Zwei-Drittel-Gesellschaft, Entmenschlichung.
Als einziges Arbeiterkind auf dem Gymnasium, Bundeswehr-Zeitsoldat, später Psychologe und Betriebsrat, kreiert Schramm Bühnenfiguren unterschiedlicher Couleur: Den melancholischen August, der als Arbeiter und ehemaliger Gewerkschaftler seine SPD nicht mehr versteht und in der Vergangenheit lebt. Emotionslos und scheinbar souverän ist sein Oberstleutnant Sanftleben, der den Zynismus des Militärs bloß stellt. Renitent und bisweilen aggressiv peitscht er als kriegsversehrter Rentner Lothar Dombrowski sein Publikum auf, immer radikal und konsequent. Auch wenn dem Publikum ganz sprichwörtlich das Lachen im Halse stecken bleibt: Nicht nur die befreiende Pointe ist sein Ziel, sondern auch eine verstörende Stille. Georg Schramm ist ein Meister der Empörung, der die Grenze zwischen Ernst und Komik kunstvoll verwischt. Schramm ist Schramm, einzigartig und legendär.


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