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PULS Interview mit Thomas Müller

Thomas Müller ist seit November 2012 Abteilungsleiter im Bereich Jugend. In den 90er Jahren arbeitete Müller bereits bei BAYERN 3 und kehrte nun nach mehreren Stationen in verantwortlichen Positionen bei anderen Unternehmen (u. a. Universal Music, Apple/iTunes) zum BR zurück. Im Video-Interview erklärt der 43-Jährige die Idee, Zielgruppe und Musikauswahl des Radios PULS sowie alle weiteren jungen Angebote des BR online und im TV.

Stand: 02.05.2013

Thomas Müller | Bild: BR/Julia Müller

Wie waren die letzten Monate für dich?
Aufregend, sehr aufregend! Die Aufgabe war zum einen, das Team zusammenzustellen, die neuen Projekte inhaltlich auf den Weg zu bringen und letztlich natürlich auch im Haus neue Strukturen zu schaffen, um überhaupt das umsetzen zu können. Also so gesehen: Wir haben alles von Scratch auf gebastelt und haben tatsächlich in sechs Monaten schier unmenschliches und unbegreifliches geschaffen - das Team war da extrem engagiert.

Was für einen Stellenwert hat das Jugendprogramm für den BR?
Das Jugendprogramm ist immens wichtig. Der BR hatte in der Vergangenheit – was Hörfunk für junge Leute angeht – nicht so viele Angebote oder sie wurden nicht so offensiv nach vorne gestellt. Letztlich ist die Jugend das Einfallstor für die Angebote des BR. Mit PULS haben wir versucht, für  junge Menschen einen Einstieg zu schaffen in ein Programm, das dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dem Bayerischen Rundfunk, gerecht wird.

Warum kriegt der BR denn dieses neue Jugendprogramm? Es gibt ja bereits eins.
Die Ausrichtung von on3 war eine etwas andere. Das Programm von on3-Radio war nur ein kleines Fenster mit einem sehr spitzen Musikprogramm, mit einer eher studentischen Zielgruppe. Wir wollen mit dem neuen Programm versuchen, eine breite Masse abzuholen, die sowohl städtisch als auch vom Land sein kann. Die Grundwerte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sollen drin sein, aber eben auch verdammt viel Spaß und „vor Ort sein können“. Deshalb war es wichtig, dass wir dieser neuen Ausrichtung einen neuen Namen gegeben haben. Zumal on3 mit „südwild“ eine sehr starke Säule hatte und wir haben uns entschlossen, das aufzubrechen, „südwild“ nicht mehr in der Form laufen zu lassen und stattdessen neue Konzepte auch im Fernsehen anzubieten. Das heißt, PULS ist quasi der Startschuss mit einem stärkeren Fokus auf Radio und mit einem größeren und breiteren Angebot im Fernsehbereich, was junge Tonalität angeht.

Was wird alles anders?
Das erste und wichtigste für uns heute ist tatsächlich PULS als Radio. Zum ersten Mal ein junges Programm im BR, das wirklich mehr oder weniger rund um die Uhr redaktionell betreut wird. Das heißt, ein Programm, das von sieben Uhr morgens an moderiert wird, mit Musikstrecken, mit Wortstrecken, mit echten Nachrichten, mit einem Team, das rausgeht und vor Ort bei Festivals dabei ist, aber auch mit eigenen Veranstaltungen. Zur PULS-Familie gehört auch ein wöchentliches Fernsehmagazin, das immer Freitagnacht im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wird. Wo wir auf der einen Seite die Themen, die wir auch im Radio haben, trimedial verarbeiten können und auch  einzelne Themen, die wir im Laufe der Woche online hatten, da nochmal zusammenfassen und auch in der Art der Präsentation und Moderation ein ganz neues Umfeld bieten. Wir versuchen, alle möglichen Einfallstore, die es in der Trimedialität gibt – online, Radio und Fernsehen – so zu nutzen, dass wir viele Möglichkeiten haben, an junge Leute ranzukommen.

An welche Leute wollt Ihr ran? Wer ist der typische PULS-Hörer und –Nutzer?
Es wird sich letztlich zeigen, von wem unser Programm wirklich angenommen wird. Aber von der Herangehensweise war uns wichtig zu sagen: Wir wollen niemanden ausgrenzen. Also kein Nerd-Programm, kein Angebot für Spezialisten, kein Kulturprogramm. Sondern es ist ein Programm, das sehr breit aufgestellt ist - von der Tonalität, wie wir Leute ansprechen wollen, von der Grundhaltung, welche Themen Themen sind und wie wir Sachen erklären können und auch was die musikalischen Ausrichtung anbelangt. Wir haben uns angeschaut, was gibt es bereits in Bayern? Wo gibt es Nischen, die so noch nicht besetzt sind? Und wie können wir uns auch innerhalb der Senderfamilie des Bayerischen Rundfunks, also mit Bayern 1 und BAYERN 3, so aufstellen, dass es Sinn macht, dass man sich selbst nicht im Weg steht.

Welche Musik wird auf PULS gespielt?
Es ist Pop und zwar von der guten Seite des Pop. Wenn on3 bisher immer ein bisschen das Image des nerdigen Indie-Programms hatte, dann werden wir das nicht komplett über Bord werfen. Denn wir lieben Musik – und tolle Musik ist das Lebenselixier eines jeden guten Programms. Aber wir hören auch privat Musik, die durchaus erfolgreich ist und in den Charts gespielt wird. Allerdings geben wir keine Garantie, dass wenn ich heute eine Rihanna-Nummer spiele, ich alle weiteren Nummern auch spielen werde.

Andere Radiosender sind mit Nischenmusik allerdings sehr erfolgreich…
Es wird bei PULS keine Heavy Rotation geben, wie es manche kommerziellen Radios machen. Wir wählen die Musik danach aus, was uns gefällt und Spaß macht und nicht danach, welchen Erfolg der Künstler hat. Das heißt, wir sind grundsätzlich im Pop zu Hause, aber in den Bandbreiten von Hip Hop bis Elektronik, von Dubstep bis Rock ist alles dabei.

Wo findet man das Programm von PULS?
Wir sind überall, wo man unterwegs und was los ist. Sei es das Radio online oder Zuhause über Kabel, Satellit und DAB. Sei es „PULS. Qualitätsfernsehen deines Vertrauens“ im Bayerischen Fernsehen und auf EinsPlus. Sei es online mit allen zusätzlichen Angeboten. Wichtig für uns ist, dass wir rausgehen, mit Leuten sprechen und erreichbar sind auf eigenen Veranstaltungen in verschiedenen bayerischen Städten und auf Festivals, die wir supporten.'

Wie können sich die PULS-Hörer am Programm beteiligen?
Wir werden mit einer App an den Start gehen, mit der man nicht nur das Radio überall und einfach hören, sondern mit der man direktes Feedback ins Programm geben kann. Das Feedback ist nicht nur, „gefällt mir“, „gefällt mir nicht“, sondern es gibt Votings, man kann Fotos und selbst aufgenommene Statements oder Filmchen direkt ins Studio schicken. Für jede Sendung gibt es Aktivitäts-Module mit denen wir abfragen, was geht bei euch draußen? Welche Meinung habt Ihr zu diesem Themen? Die Antworten können wieder direkt ins Programm eingespielt werden.

Die letzten sechs Monate waren voller Arbeit. Was wünschst Du Dir für die Zukunft? Wo soll es mit PULS hingehen?
Für mich ist PULS ein Startpunkt, ein Rahmen dafür, wie wir uns mit jungen Programmen im Bayerischen Rundfunk nach draußen wagen wollen. Das bedeutet nicht, dass es fertig ist. Es wird auch am Anfang wahrscheinlich haken und Fehler geben. Aber ich glaube, das ganze hat Hand und Fuß. Es soll der Anfang sein von einem Programm, das möglicherweise in der Zukunft auch von einer breiteren Masse wahrgenommen und gehört werden kann. Das Team und die grundsätzliche Stimmung im Haus ist so, dass wir sagen können: „Da wird noch einiges passieren.“

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