Franken - Zeitgeschichte


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Nürnberg 50 Jahre Meistersingerhalle

Unpraktisch, verwinkelt, einzigartig – all diese Attribute treffen auf die Nürnberger Meistersingerhalle zu, die nun 50 Jahre alt ist. Sie ist die einzige Konzerthalle der Nachkriegszeit, die komplett unter Denkmalschutz steht.

Stand: 08.10.2013 | Archiv

Unpraktisch, verwinkelt, einzigartig – gerade der Denkmalschutz ist es, der diese drei Attribute bedingt. Denn wenn etwas an der Meistersingerhalle verändert werden soll, muss Reiner Sikora, seit 2010 Chef des städtischen Veranstaltungsorts, stets die Erlaubnis bei den Denkmalbehörden einholen. Und dabei erstreckt sich der Denkmalschutz auf praktisch alles, nicht nur auf die Fassade oder die Konzertsäle: Inneneinrichtung, Stühle, Klimatechnik, selbst eingelagerte Kisten – alles geschützt.

Unpraktisch

Im Frühjahr 1960 begann der Bau der Meistersingerhalle. Damals waren Investitionen von über 30 Millionen Mark nötig. Nach heutiger Kaufkraft wären dies über 70 Millionen Euro. Die Innenausstattung übernahm der Akademieprofessor Wunibald Puchner. Und der gab sich nicht mit Einheitsware ab. Der Boden ist aus grünem Marmor, die Wände sind im Stil italienischer Villen gehalten, im Eingangsbereich prangt ein fast 300 Quadratmeter großes Kupferbild.

Sogar die Stühle sind Sonderanfertigungen und so ausgefallen, dass sie nicht stapelbar sind. Auch deshalb wurde die Halle komplett unterkellert. "Wo sonst hätte man ein paar tausend Stühle nebeneinanderstehend einlagern sollen", fragt Hallenchef Sikora. Und auch baulich ist die Halle natürlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Regelmäßig sind Beschwerden über die angeblich schlechte Akustik zu hören.

Verwinkelt

Rund 650 Türen gibt es in der Meistersingerhalle. Viele davon führen zu Lagerräumen, in die schon seit einiger Zeit niemand mehr geblickt hat. Denn was auch immer in den Kellerecken verstaubt: Weggeworfen darf es ohnehin nicht werden, der Denkmalschutz verbietet es. Über den riesigen und verwinkelten Keller freut sich heutzutage die Polizei: Er ist das perfekte Trainingsgelände für Spürhunde.

Einzigartig

"Die Meistersingerhalle ist als Denkmal von historischer, künstlerischer und städtebaulicher Bedeutung", schwärmt Bayerns oberster Denkmalschützer, Egon Johannes Greipl. Das Konzept des Nürnberger Architekten Harald Loebermann einer multifunktionalen Konzerthalle sei damals ein neuartiger Bautyp gewesen. Und es wurde nicht gespart. Mit eigener Metzgerei, Räucherei, Wäscherei, Müllverbrennung und einem Postamt entstand eine kleine Stadt in der Stadt. Mit über 6.000 Pfeifen und 86 Registern steht im großen Saal die zweitgrößte Orgel Bayerns. Wenn Reiner Sikora die Meistersingerhalle mit einem Wort beschreiben soll, nennt er sie ein "Gesamtkunstwerk".

Meistersingerhalle in Zahlen

  • Die bebaute Fläche beträgt 12.000 Quadratmeter, die Gesamtnutzfläche sogar 26.740 Quadratmeter. Allein die Kühl- und Gefrierräume haben eine Grundfläche von rund 230 Quadtratmetern.
  • Es gibt etwa 650 Türen in der Meistersingerhalle.
  • Die Tanks der Sprinkleranlagen fassen 170.000 Liter.
  • Die Orgel im großen Saal ist mit 6.646 Pfeifen die Zweitgrößte Bayerns.
  • Rund 800 Veranstaltungen finden jährlich statt.
  • Über 20 Millionen Besucher haben seit der Eröffnung am 7 September 1963 eine der rund 45.000 Veranstaltungen in der Halle besucht.
  • Etwa 4.000 Menschen passen gleichzeitig in die Meistersingerhalle.

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