ARD-alpha - Kant für Anfänger


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Kant für Anfänger Folge 5 - Zielpunkt Vernunft

Stand: 11.01.2016 | Archiv

Der Tag der Prüfung. Sophie trifft sich kurz vorher noch mit Sebastian an der Uni. Von ihm bekommt sie den Vorschlag, sich vorzustellen, dass Kant mit in der Prüfung sitzt und Sophie alles vorsagt. Mit dieser Methode schafft es Sophie, alle Fragen zur Kopernikanischen Wende, dem transzendentalen Schema, den Antinomien und der transzendentalen Dialektik zu beantworten.

Nach der Prüfung wird Sophie gespannt von Eva und Sebastian erwartet. Sie geht aber noch einmal zurück in die Bibliothek, um sich bei Professor Kant zu bedanken und sich von ihm zu verabschieden.

Dialog: Kant erklärt Sophie, wie Freiheit und Kausalität zusammenhängen

KANT: Gehen wir zur Vernunft und deren Schwierigkeiten.
SOPHIE: Die Vernunft verwickelt sich in Widersprüche, wenn sie Fragen in einer Absolutheit beantworten will. Deshalb greift sie zu den transzendentalen Ideen von Welt, Mensch und Gott, die vorausgesetzt werden müssen ...
KANT: ... die gedacht werden müssen, obwohl ...
SOPHIE:... obwohl sie nicht bewiesen werden können.
KANT: Exzellent, werte Sophie. Darf ich Sie noch mit den Antinomien der transzendentalen Dialektik behelligen?
SOPHIE: Wie wäre es mit der dritten?
KANT: Freiheit und Kausalität in der Natur. These?
Sophie stockt.
KANT: Es gibt neben der Kausalität in der Natur auch Freiheit, eine Kausalität durch Freiheit.
SOPHIE: Gäbe es keine Freiheit, etwas neu anzufangen, müsste ein voriger Zustand vorausgesetzt werden. Da in der Natur nie etwas ohne Ursache passiert, gäbe es somit keinen ersten Anfang.
KANT: Antithese: Es gibt keine Freiheit ....
SOPHIE:... sondern alles geschieht nach den Gesetzen der Natur. Gäbe es Freiheit, würde Kausalität anfangen.
KANT: Somit ginge nichts vorher, bzw. ein Zustand wäre vorausgesetzt, der mit dem vorigen Zustand in keinem Zusammenhang steht.
SOPHIE: Sehe ich das richtig, dass in der dritten Antinomie These und Antithese, Freiheit und Naturkausalität, als Gegensätze zusammen existieren?
KANT: Natürlich. Ich kann doch Freiheit nur retten, wenn es in der Welt beides gibt: Freiheit und Naturkausalität.
SOPHIE: Das heißt, bei einer Handlung muss beides stattfinden?
KANT: Nein, stattfinden können. Haben Sie herfür ein Exempel parat?
SOPHIE: Wenn ich einen Ertrinkenden aus dem Wasser herausziehe, ist als Grund beides möglich: die Kausalität, weil ich als Rettungsschwimmer dafür bezahlt werde, aber auch die spontane Freiheit, die sittlich motivierte Freiheit, ihm das Leben zu retten. Aber an der Handlung als solcher, ich meine, an der Rettungsaktion, kann ich weder die sittliche Freiheit noch Kausalität ablesen.
KANT:  Und was folgern Sie daraus?
SOPHIE: Dass Freiheit nicht bewiesen werden kann?
KANT: Keine der transzendentalen Ideen ist beweisbar.
SOPHIE: Aber gedacht werden müssen sie.


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