ARD-alpha - Kant für Anfänger


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Kant für Anfänger Folge 4 - Grenzüberschreitung

Stand: 11.01.2016 | Archiv

Sophie wird langsam nervös, da es nur noch ein paar Tage bis zu ihrer Prüfung sind. Deswegen trifft sie sich noch einmal mit ihrem ehemaligen Lehrer und lässt sich von ihm die transzendentale Deduktion erklären. Danach gleitet Sophie wieder in die Traumwelt und trifft Kant. Der erklärt ihr am Beispiel von zwei Hunden das transzendentale Schema.

Sophie ist so in die Materie eingetaucht, dass sie zu spät zur Verabredung mit Sebastian kommt. Der ist anfangs etwas beleidigt, lässt sich dann aber doch zur Pizza einladen ...

Dialog: Kant erklärt Sophie das transzendentale Schema

KANT: Das transzendentale Schema ist der, na ja, der Vermittler zwischen Wahrnehmung und Denken, zwischen Anschauung und Begriff!
SOPHIE: Eine Art Bild?
KANT: Kein Bild, ein Schema!
Zwei Spaziergänger mit Hunden laufen an den beiden vobei.
KANT: Sehen Sie den kleinen Hund? Und dort den großen?
SOPHIE: Hmm, ja.
KANT: Wenn Sie den kleinen Hund jetzt zeichnen würden ...
Sophie malt auf ihrem Notizblock einen Hund.
SOPHIE: Malen war noch nie meine Stärke.
KANT: Nur keine falsche Bescheidenheit.
SOPHIE: Naja. Immerhin kann man erkennen, was es ist.
KANT: Richtig. Ein kleiner Kläffer. Dabei gibt es so viele verschiedene Hunde.
SOPHIE: Ach so, Sie meinen, mein Bild kann nie die Allgemeinheit aller Hunde erfassen. Egal wie gut ich zeichnen kann.
KANT: So ist es, werte Sophie. Erst das Schema in ihrer Einbildungskraft kann diese Zeichnung als Darstellung eines Hundes erkennen, ohne durch die besondere Form, sagen wir eines Dackels, eingeschränkt zu sein.
Eine Gruppe von Studenten kommt den beiden entgegen.
KANT: Sehen Sie, die Leute da. Und schauen Sie mich an! Unterscheide ich mich mit meiner Zopfperücke und dem Gehrock nicht frappant von all den Herrschaften?
SOPHIE: Ich verstehe: Erst das Schema in meiner Einbildungskraft kann in diesem ungewöhnlich gekleideten Mann einen ganz gewöhnlichen Menschen erkennen. Wollen Sie darauf hinaus, dass unserem Denken eine Art Erkennungsmuster zu Grunde liegt?
KANT: Es ist ein Schematismus, eine verborgene Kunst in den Tiefen unserer Seele, die uns hilft, dass der Verstand nicht wahllos in fantastischen Begriffen herumstreunt, denn er muss den richtigen Begriff treffen.


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