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Soul aus Schwermut und Schweben

Von: Malte Borgmann

Stand: 03.02.2014 | Archiv

Begriffe wie Vergangenheit, Geschichte und Historie sind enorm wichtig im Malky-Kosmos. Schon nach wenigen Takten hört man, dass hier zwei Könner und Kenner am Werk sind. Zwei Typen, die den Soul und Pop der 60er-Jahre mit Hingabe zerlegt, studiert und neu zusammengesetzt haben. Allein deshalb wäre es falsch, Malky als "Retro-Projekt" zu bezeichnen – hier dezente, elektronische Flächen in den Melodien, dort ein zeitgeistiger Kommentar in den Texten. Zwar sind wir uns sicher,  dass Produzent Michael Vajna und Sänger Daniel Stoyanov innerhalb weniger Tage einen astreinen Soulhit mit 60er-Charme komponieren könnten, viel spannender finden wir aber, wie sie selbst die Popgeschichte weiterschreiben.

Die beiden Musiker haben sich in Mannheim kennengelernt und gemeinsam einige Zeit als Songwriter für andere ihr Geld verdient. Frontmann Daniel hat sich zudem als Backgroundsänger für Popgrößen wie die Fantastischen Vier verdingt. Für ihr eigenes Projekt geht das Duo weg vom "Dienst nach Vorschrift", weg vom Pop-Reißbrett. Trotzdem oder gerade deswegen führt sie auch dieser Weg in die (eigene) Vergangenheit. Mit MALKY reisen Michael und Daniel zurück in ihre Kindheit.

Augenringe und trauriger Blick

Der Begriff "Malky" kommt aus Daniels Heimat Bulgarien - ein Ausruf, halb liebevoll, halb schimpfend, den man dem kleinen, frechen Jungen hinterherruft, der einem auf dem Bolzplatz den Ball von der Fußspitze klaut. Hört man die Musik von MALKY, denkt man allerdings weniger an einen sportlich vitalen Bengel mit Rotznase, als an ein Kind, wie den kleinen Rainer Maria Rilke: blass und still, mit Augenringen und traurigem Blick.

MALKY geht es um ein kaum greifbares, kindliches Gefühl von Versunkenheit, träumerischer Einsamkeit und wortlosem Empfinden. Ihr Soul ist nicht der verschwitzte, leidenschaftliche, mitreißende Soul der großen Motown-Hits. Er ist auch mal melancholisch, langsam, nachdenklich und dunkel. Ein Soul, der funkelt wie ein Diamant, aber zerbrechlich ist wie dünnes Glas. Von Michael mit zarten Pianistenfingern ins Klavier getupft, von Daniel mit dem hinreißenden Schmelz eines Bill Withers oder Isaac Hayes überzogen. In einer derart gekonnten Mischung aus Nostalgie und Modernität, aus Schwermut und Schweben hat man das von einem deutschen Künstler bislang noch selten gehört. MALKYs Musik hätte dem kleinen, blassen Rilke sicher genauso gefallen wie dem muskulösen Macho Hayes.


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TomiKappes, Freitag, 18.April, 00:57 Uhr

1. Klasse!

Hallo! Das war soo - ooo - oooo schön! ich werde ab jetzt " Malky " Lieben!!!
Ihr seid einfach Klasse!