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Freeskier Fabian Lentsch "Ich mache nichts, das ich nicht will"

Fabian Lentsch hat gleich im ersten Jahr Schluss gemacht: Als einer der derzeit besten Freeskier hat er der Freeride World Tour nach nur einem Stopp wieder den Rücken gekehrt. Uns hat er erklärt, warum.

Von: Ann-Kathrin Mittelstraß

Stand: 18.02.2015 | Archiv

Fabian Lentsch auf der Tauplitzalm 2012 | Bild: RedBull Contentpool

Die Freeride World Tour ist die größte, jährliche Contest-Serie für Freeskier und Snowboarder. In dieser Saison fanden die einzelnen Contests in Fieberbrunn, Chamonix, Verbier, Alaska und Andorra statt. Eigentlich nicht die schlechtesten Spots zum Freeriden.

Viele Freeskier trainieren Jahre, um sich für die Tour zu qualifizieren. So war das auch bei Fabian Lentsch aus Innsbruck. Mit 15 hat er schon seine ersten Contests gewonnen, seitdem wird er auch gesponsert. Mittlerweile ist er 21 und hat es diese Saison endlich geschafft, bei der Freeride World Tour am Start zu sein - kurz darauf hat Fabian aber bekannt gegeben, dass er aus der Tour aussteigt. Wir haben mit ihm über seine Entscheidung gesprochen:

PULS: Fabian, du gehört zu den wenigen, die es zur Freeride World Tour geschafft haben. Seit du 15 warst, wolltest du unbedingt hin - und jetzt steigst du nach deiner ersten Saison schon wieder aus. Was ist denn passiert?

Fabian Lentsch: Da ist einiges zusammengekommen. Die ersten beiden Qualifying-Jahre hatte ich viel Spaß und Motivation. Die letzten beiden waren mehr für die Sponsoren, die haben schon deutlich gemacht, dass die World Tour das Ziel ist. Außerdem mussten wir ständig auf kleinere Hänge wechseln - das war bei den Qualifikationen früher auch so und hat mich damals schon aufgeregt. Ich habe gedacht, auf der World Tour läuft das dann anders, aber da war das genauso. Einmal gab es ein paar Unfälle bei den Mädels, dann haben sie den Contest abgebrochen. Da sind also einige Faktoren zusammengekommen, und am Schluss hat es mir einfach keinen Spaß mehr gemacht. Und da hab ich für mich entscheiden, dass ich nichts machen muss, das ich überhaupt nicht machen will.

Dein letzter Stopp war in Andorra. Welche Hänge hat euch die Tourleitung da runter geschickt?

Das Problem war, dass wir fünf Tage zu spät nach Andorra gekommen sind. Ich war schon eine Woche davor in Spanien - also direkt daneben. Und da hatten wir die perfekten Bedingungen. Aber beim Contest haben sie dann keinen gescheiten Hang gefunden. Und der, den sie dann hatten, war total kurz und nicht fördernd für den Sport. Als ich oben war, dachte ich, das kann es echt nicht sein: Da machst du drei Turns und bist dann im Auslauf. Das war zwar nicht gefährlich oder unmöglich, aber für mich war es nichts.

Du sagst, das Format dieser Tour funktioniert grundsätzlich nicht. Was müsste sich denn ändern?

Schwer zu sagen, ob sich überhaupt was ändern kann. Natürlich wäre es besser, wenn man die Hänge nicht im Skigebiet suchen müsste - sondern überall im Gebirge. Dann könnten wir coolere Sachen fahren. Aber die Frage ist, ob man das wirklich realisieren kann. Sie wollten auch schon ewig nach Alaska und erst dieses Jahr haben sie es geschafft. Es hat so lange gedauert, weil es dort kein Gebiet gibt, das das finanziert - also mussten sie das mehr oder weniger aus eigener Tasche zahlen. Das wäre also eine Möglichkeit - aber keine Ahnung ob das finanziell möglich ist. Außerdem fehlt dann oft die Infrastruktur. Bis jetzt machen sie wohl fast das Beste, was möglich ist. Aber das reicht einfach nicht ganz.

Im Profisport geht es um wahnsinnig viel Geld. Du verlierst jetzt durch deinen Ausstieg auch einiges - wie finden das deine Sponsoren?

Erst haben sie es nicht so gut aufgenommen. Aber mit meiner Begründung haben sie es schon verstanden. Es sind auch Sponsoren, die ich schon lange habe. Bis jetzt haben sie jedenfalls nicht gesagt, dass sie mir weniger Geld geben.

Was stehen jetzt für Projekte bei dir an?

Diese Saison möchte ich auf jeden Fall noch filmen gehen. Bisher hab ich Filmen und Contest immer gleichzeitig gemacht, aber da macht man natürlich nichts von beidem richtig. Jetzt habe ich mal keine Termine und kann wirklich filmen gehen, wann ich will und immer bei den besten Bedingungen. Außerdem habe ich ein paar Projekte im Kopf, eines ist, einen Campingbus auszubauen. Ich bin im Sommer schon mit dem Wohnmobil von Österreich bis nach Kirgisistan gefahren - eher zum Spaß und mit wenig Unterstützung von Sponsoren. Das ist richtig gut angekommen. Wenn man so was richtig groß aufzieht und mit Skifahren und anderen Sportarten verbindet, wäre das sicher ein cooles Projekt.

Gibt es schon einen Film zu diesem Kirgisistan-Trip?

Ja, der heißt "High in Kyrgyzstan". Er war bisher nur auf Festivals. Der Film ist aber noch nicht komplett fertig geschnitten - einfach weil wir nicht wirklich von Sponsoren unterstützt worden sind und deswegen ein recht kleines Budget hatten. Aber unsere Firma ist gerade am editieren.

Klingt doch gut.

Ja. Ich glaube aber, in ein paar Jahren kommt es wieder, das Gefühl, sich mit anderen messen zu wollen. Ich habe das zehn Saisons lang gemacht, jetzt hat es mir gereicht. Aber irgendwann stehe ich sicher wieder am Start.


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