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Slam Meister 2014 Lars Ruppel "Poetry Slam ist ein riesiges Klassentreffen"

2014 war Lars Ruppel der beste Poetry Slamer Deutschlands. Jetzt steckt er in Vorbereitungen für die Meisterschaft 2015. Er hat uns erzählt, wie seine Chancen stehen und warum Poetry Slammer ein inzestuöser Haufen sind.

Von: Simon Schneller

Stand: 20.08.2015 | Archiv

Poetry Slam Meister 2014 Lars Ruppel | Bild: Lars Ruppel

Im November finden die Deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften schon zum 19. Mal statt. Slammer aus Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz treten in Augsburg beim größten Dichter-Wettkampf im deutschsprachigen Raum gegeneinander an. Mit dabei ist auch der amtierende Meister Lars Ruppel. Wie er sich dieses Jahr vorbereitet, erzählt er im PULS-Interview.

PULS: Wie war das für dich, als du im letzten Jahr die Poetry Slam Meisterschaft gewonnen hast?

Lars Ruppel: Das war natürlich toll. Wobei der Gewinn bei einem Poetry Slam keine belastbare Aussage ist. Man ist deshalb keineswegs der beste Dichter, man hatte nur an diesem Abend ein bisschen Glück.

Du bist aber aktuell noch der amtierende Meister. Was hat sich seitdem für dich verändert?

Meine Mutter wird häufiger auf der Straße erkannt. Ihre Freundinnen sagen ihr auch immer: "Ach guck mal, dein Bub war wieder im Fernsehen oder im Radio." Und ich habe ein paar Exemplare mehr von meinem Buch "Holger, die Waldfee" verkauft. Wenn ich nicht Slam-Meister geworden wäre, hätte ich bestimmt nicht so viele verkauft.

Als amtierender Poetry-Slam-Meister darfst du auch in diesem Jahr wieder antreten. Wie stehen deine Chancen?

Die stehen genauso wie im letzten Jahr. Und das gilt auch für alle anderen Teilnehmer. Beim Slam kann man das eben nie vorhersagen. Da sind zu viele Zufälle und Parameter im Spiel, die man nicht beeinflussen kann.

Wie läuft denn deine Vorbereitung? Hast du dir schon was überlegt?

Ja, ich hab schon Texte geschrieben, die bereite ich vor und übe sie - aber das mache ich nicht nur für die Meisterschaften, das mache ich jeden Tag beruflich. Ich trete ja so gut wie jeden Tag auf.

Lernst du die Texte, die du geschrieben hast, auswendig?

Genau, ich lerne die Texte auswendig, die ich geschrieben habe und trage sie dann vor.

Hast du eigentlich die Konkurrenz für dieses Jahr schon ausgecheckt?

Ich kenne die meisten Leute ja sowieso. Die ganzen Slammer sind ein sehr inzestuöser Haufen und drehen sich hauptsächlich um sich selbst. Daher kennen sich alle sehr gut. Und deshalb weiß ich auch, was die können und dass die Chance zu gewinnen dieses Jahr genauso hoch ist wie letztes Jahr. Also eigentlich eher genauso niedrig.

Du bist selbst deep in der Szene drin. Für diejenigen, die noch nie auf so einem Slam waren, aber jetzt Bock hätten, im November nach Augsburg zu kommen: Was erwartet einen da?

Es erwartet einen ein riesiges Klassentreffen der 120 besten Poeten und Poetinnen aus ganz Deutschland. Und man kann ein Teil davon sein, indem man im Publikum sitzt und zuschaut was passiert, wenn die besten Bühnendichter dieses Landes und der Länder drum herum gegeneinander antreten.

Wie kamst du denn eigentlich zum Poetry Slam? Ist man dazu geboren oder wann kamst du darauf, das zu machen?

Ich habe es einfach ausprobiert. Ein Freund von mir meinte: "Hey, guck mal, da ist ein Slam, da kannst du Texte schreiben." Ich hatte bis dahin eigentlich noch gar keine Texte geschrieben, aber er sagte was von Freibier für die auftretenden Poeten - und das war ein sehr überzeugendes Argument.


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