14:18 Uhr Oh My Amilli

Jetzt Zombie Jamie T

Info Fünf Jahre musikalische Abstinenz haben ein Ende: der Brite Jamie T ist endlich zurück im Studio. Nach Rap, Reggae und Elektro-Pop klingt "Zombie" eher nach rotzigem Post-Punk im Popkostüm. Genrehopping bleibt sein Steckenpferd.

Interview mit Rema "Afrobeat muss sich einzigartig und anders zeigen, um die Welt zu erobern!"

Akon, Obama und Lil Nas X feiern ihn als die Zukunft von Afrobeat: Rema aus Nigeria. Wir haben mit dem Newcomer über seinen Werdegang, den weltweiten Einfluss von Afrobeats und deutsche Rap-Acts mit westafrikanischen Wurzeln gesprochen.

Von: Malcolm Ohanwe & Emmanuel Amoako-Jansen

Stand: 28.10.2019 | Archiv

Rema | Bild: Mavin Records

Mit seinem Song "Dumebi" hat Rema in den schwarzen Communitys der Welt einen richtigen Smash-Erfolg. Akon findet den Song so spannend, dass er Rema als den vielversprechendsten jungen Vertreter der "Weltmusik" sieht. Und auch der Shooting-Star Lil Nas X ("Old Town Road") ist verliebt in den Song "Dumebi". Sogar der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat ihn 2019 in seine Sommerplaylist aufgenommen. Auch in Deutschland kommt keine Afrobeats-Party an dem mitreißenden Song des 19-jährigen Nigerianers vorbei. Wir haben mit ihm über seinen Werdegang, den weltweiten Einfluss von Afrobeats und deutsche Rap-Acts, die westafrikanische Wurzeln haben, gesprochen.

PULS: Du bist 2000 geboren, jetzt also 19 und schon sehr erfolgreich. Wie ging das los?

Rema: Ich habe in der Kirche angefangen. Da war ich erst so ein richtiger Hardcore-Rapper. Ich war da nicht so wirklich gut, aber super ehrgeizig. Wir hatten mehrere Rap-Crews in der Kirche und haben versucht, mit Rap Leute für die Kirche zu gewinnen. Ich habe immer versucht in meinen Texten eine gute Nachricht zu vermitteln und wollte Leute motivieren. Und dieser Ehrgeiz hat mir dann auch bei meiner Karriere geholfen.

Du bist in Benin City aufgewachsen. Das ist jetzt nicht gerade eine Kulturmetropole wie die über 20-Millionen-Stadt Lagos, aus der zum Beispiel Wizkid und Yemi Alade kommen. Wie bist du denn entdeckt worden?

Seit Jahrzehnten gab es keinen Mega-Star mehr aus Benin City. Ich bin so stolz und Gott so dankbar, dass ich meine Stadt repräsentieren kann. Und du hast Recht: In Benin City ist die Musikindustrie echt klein. Mein Durchbruch kam durch ein Freestyle-Video.

Ich habe auf den Song "Gucci Gang" von D’Prince im Auto einfach etwas gerappt und dann hat D’Prince (Anmerkung der Redaktion: Ein namhafter und großer Produzent in Nigeria) mich angerufen, direkt nach Lagos eingeflogen und den richtigen Leuten vorgestellt. Ich musste allerdings zwei Jahre lang echt an meinem Gesang feilen, damals war ich noch nicht so gut wie heute…

Warst du schon eigentlich schon mal hier?

Ich war noch nie in Deutschland. Hier ist alles ziemlich anders als zuhause. Morgen fliegen wir direkt nach Paris und dann geht es weiter nach London – alles Orte, die ich noch nie gesehen habe, die aber wichtig sind, weil die afrikanische Diaspora gerade in diesen Ländern vertreten ist.

Und die Leute feiern überall gerade deinen Track "Dumebi". Wie ist der entstanden?

Das war einfach ein Vibe, ein Feeling. Das darf nicht so verkopft sein. Musik ist Freiheit, ich denke darüber nicht nach. Wenn man da zu sehr darüber nachdenkt, will man sich einfach nur der Gesellschaft anbiedern. Darauf habe ich keinen Bock. 

Wie gehst du damit um, wenn dich Leute nur als Afrobeats-Künstler bezeichnen und dich sozusagen in eine Schublade stecken? Dein neuestes Mixtape "Bad Commando" ist musikalisch ja ziemlich vielfältig.

Erst war das gar nicht als Mixtape gedacht, das waren einzelne Songs, die dann ein Mixtape wurden. "Bad Commando" ist eine Sammlung an verschiedenen Stimmungen und ein Statement für die neue Generation von Afrobeats. Es geht darum, dass wir auch individueller sein können und ein neues Bild unserer Musik nach vorne zu bringen. Der Sound ist etwas speziell, aber um Leute auf der ganzen Welt mitnehmen zu können, muss man auch ein wenig aus der eigenen Kultur raus. Und das wollte ich damit erreichen. Wir wollen die Welt beeinflussen und global sein.

Dass der Sound weltweit funktioniert, merken wir mittlerweile auch bei deutschen Künstler*innen wie Eunique, Willy Will oder Serious Klein, die alle auch westafrikanische Wurzeln haben. Wie gefallen dir ihre Tracks?

Es ist schön zu sehen, dass wir Schwarzen mehr und mehr repräsentiert werden. Immer mehr Künstler*innen zeigen verschiedene Styles, haben diverse Vibes. Bei Eunique feiere ich die Reggae- und Dancehall-Einflüsse auf ihrem Song "Reckless" sehr. Die Energie, die sie transportiert, ist sehr intensiv. Ich finde es super, dass eine starke Frau diesen Sound so pusht. Serious Klein gibt mir einfach richtig Kendrick Lamar-Vibes. Richtig nice. Willy Will hat einfach einen krassen Style und wählt richtig gute Beats, das muss ich ihm lassen! Und diesen deutschen Afrobeat feiere ich. Das ist super inspirierend und zeigt mir, wie groß unser Einfluss auch auf Europa ist!

Sendung: Plattenbau am 29.10.2019 – ab 19 Uhr.