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Pizza-Gate, Bill Gates und 5G So erkennst du falsche Infos im Netz

Im Netz wimmelt es vor Fake News, Gerüchten und Verschwörungstheorien. Mit diesen 5 Tipps erkennst du, ob du es mit seriösen Infos zu tun hast.

Von: Hannah Heinzinger

Stand: 15.05.2020 | Archiv

So erkennst du sie | Bild: Maximilian Fesl

Die unendlichen Weiten des Internets: Ein Sammelbecken für Memes, Troll-Videos und zwielichtige Websites, auf denen man Kostüme für seine Katze kaufen kann. Sich seriös zu informieren, ohne Verschwörungstheorien und Falschmeldungen aufzusitzen, ist dort manchmal gar nicht so leicht. Denn oft tarnen sich die Halbwahrheiten und Lügen als seriöse Artikel - auch viele Bilder erkennt man auf den ersten Blick nicht als Fake. Wie schafft man es also, im Netz nicht auf Falschmeldungen reinzufallen? Wir haben fünf Tipps für euch.

Tipp 1: Auf die Sprache achten

Seriöse Medien wollen in erster Linie informieren, deswegen sind sie meist sachlich und neutral formuliert. Unseriöse Internetseiten versuchen gerne, ihre Leser*innen zu catchen, indem sie mit reißerischen Sätzen versuchen zu empören oder betroffen zu machen. Ihnen fehlen echte Argumente, deswegen werden oft seltsame Fragen gestellt. Sätze wie "Darf man denn nicht mehr sagen, was man denkt?" oder "Herrscht in Deutschland nicht eigentlich Meinungsfreiheit?" wirken erstmal harmlos, sind aber nicht selten getarnte Behauptungen. Sie sollen den Eindruck hinterlassen, man dürfe zum Beispiel nicht mehr sagen was man denkt. Belegt wird das im seltensten Fall.

Tipp 2: Seriöse Quellen behaupten nicht, als einzige die Wahrheit zu sagen

Viele Menschen wünschen sich einfache Antworten auf die komplizierten Fragen, die das Leben so aufwirft - aber die gibt es leider selten. Seriöse Medien und Quellen beleuchten ein Thema immer von mehreren Seiten und stellen Pro- und Contra- Argumente vor. Behaupten Seiten oder Videos im Netz, "die eine Antwort" und eine "geheime Wahrheit" entdeckt zu haben, sollte man also skeptisch werden. Dies sei eine klassische Funktion von Verschwörungstheorien, sagt Professor Carsten Reinemann, ein Kommunikationswissenschaftler, der unter anderem zu populistischer Kommunikation und Extremismus in den Medien forscht: "Im Prinzip kann man zurückgehen bis in die Zeit der Pest oder der Hexenverfolgung. Immer, wenn herausragende Ereignisse wie Krankheiten die Menschen verunsichern, dann suchen sie nach Schuldigen und einfachen Erklärungen. Das ist eine Funktion von Verschwörungstheorien: eine Erklärung für Dinge zu liefern, die man sich nicht so einfach erklären kann."

Störende Gegenargumente, die nicht ins Bild passen, werden deshalb entweder ignoriert oder als Beweis für die Wahrheit umgekehrt. Vor allem in Verschwörungstheorien werden auch gleich eine/r oder mehrere Schuldige genannt: Geflüchtete, Jüd*innen oder eine vermeintlich im Geheimen agierende Gruppe reicher Menschen.

Tipp 3: Impressum und Autor*innen checken

Steht im Impressum einer Seite kein Name, kann das ein erster Hinweis auf eine unseriöse Quelle sein. Wenn dafür niemand mit seinem Namen gerade stehen will, sollte man der Info eher nicht trauen. Seriöse Expert*innen veröffentlichen regelmäßig in verschiedenen Fachzeitschriften oder großen Medien zu ihrem Gebiet. Dort kontrollieren eine Redaktion oder andere Wissenschaftler*innen in sogenannten Peer Reviews, ob die Angaben auch stimmen oder Fehler gemacht wurden. Wer lediglich einen eigenen Youtube-Channel hat oder Bücher im Selbstverlag veröffentlicht, ist deswegen also nicht gleich Expert*in. Meistens hat es schon einen Grund, dass jemand alleine arbeitet und es ablehnt, dass seine Arbeiten und Texte nochmal von anderen Expert*innen gecheckt werden. Deshalb sollte man genau schauen, wer die Nachricht verbreitet: Sind es professionelle Journalist*innen aus Medien, die einen guten Ruf haben? Wie sieht es auf den Social-Media-Profilen aus, mit wem sind die Urheber*innen verbunden? Stecken politische Interessen dahinter?

"Manche Leute handeln tatsächlich aus reiner Böswilligkeit", sagt Professor Reinemann von der LMU. "Aber meistens hat das eher einen politischen oder einen ökonomischen Hintergrund. Wenn meine Youtube-Videos häufig geklickt werden, dann kann ich damit ordentlich Geld verdienen." Manchmal stecken hinter den Falschnachrichten auch Social-Bots, die nur dazu da sind, falsche Infos im Netz zu streuen. Existiert ein Social-Media-Profil noch nicht besonders lange, hat keine Freund*innen und wenig Inhalt, kann das ein Anzeichen für einen Fake-Account sein. Generell rät Professor Reinemann dazu, sich Medien zu suchen, die über die Jahre hinweg bereits ihre Vertrauenswürdigkeit bewiesen haben, und von denen man weiß, dass das, was sie erzählen, auch stimmt. Denn ganz ohne Vertrauen geht es nicht.

Tipp 4: Argumente überprüfen und Infos mit anderen Medien vergleichen

Meinungen sind kein Argument. Seriöse Medien und Quellen belegen deswegen ihre Argumente, indem sie auf Fachliteratur oder wissenschaftliche Studien verweisen und diese auch verlinken. Wie aussagekräftig solche Studien sind, ist nicht immer leicht zu durchschauen, weil es oft um statistische Berechnungen geht. Deswegen lohnt es sich zu schauen, ob andere Medien und Quellen auch über diese Studie berichtet haben und inwiefern die Ergebnisse dort ähnlich oder anders interpretiert werden. Dazu gibt es Fakten-Checker, die sich mit der Kontrolle von Gerüchten im Netz beschäftigen: zum Beispiel das unabhängige Recherche-Zentrum Correctiv , den Verein Mimikama, den Faktencheck der Tagesschau oder auch den BR-Faktenfuchs.

Ein anderes Beispiel ist Hoaxsearch: Dort kann man nach Schlagzeilen suchen, die einem verdächtig vorkommen. Wenn diese bereits auf ihre Wahrheit untersucht wurden, werden die Google-Links zu der entsprechenden Webseite mit den Richtigstellungen angezeigt.

Tipp 5: Finde heraus, wo Bilder und Videos wirklich herkommen

Oft werden Bilder für Fake News oder unseriöse Berichte bearbeitet oder aus dem Zusammenhang gerissen. Meist sind die Bilder oder Fotos auch nochmal zugeschnitten worden oder digital verändert, so dass wichtige Infos fehlen oder wegretuschiert sind. Mit einer Bilder-Rückwärtssuche kann jede*r User*in herausfinden, wie Bilder im Original aussehen und wo sie im Netz als erstes aufgetaucht sind. Bei Google, TinEye oder Bing visualsearch einfach die URL eines Bildes oder das Bild hochladen und schon zeigt sich, wann und in welchem Zusammenhang das Bild schon einmal veröffentlicht wurde.

Wenn man sich auch trotz all der Tipps noch nicht sicher ist, wie eine Meldung einzuordnen ist, lohne es sich auch manchmal einfach noch etwas abzuwarten, sagt Professor Reinemann. "Man kann sich sicher sein: Wenn es irgendwo einen Skandal gibt, sind unsere klassischen Medien eigentlich die ersten, die auf so eine Geschichte anspringen. Weil sie natürlich auch wollen, dass ihre Dinge gelesen, gehört, gesehen werden. Da hat keiner ein Interesse daran, solche Informationen dem Publikum zu verschweigen."

PULS am 15.05.2020. ab 15 Uhr