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#FEMALE PLEASURE Ein Film über weibliche Lust

Was haben alle Weltreligionen gemeinsam? In allen ist die weibliche Lust sündhaft und unrein. Warum ist das so und was macht das mit religiösen Frauen? Darum geht es in #FEMALE PLEASURE. Ein Interview mit der Regisseurin.

Von: Linda Becker

Stand: 06.11.2018 | Archiv

Barbara Miller | Bild: X-Verleih

Die Schweizer Filmregisseurin Barbara Miller begleitet fünf Frauen aus den fünf Weltreligionen bei ihrem Kampf für eine selbstbestimmte, gleichberechtigte Sexualität. Ihr Dokumentarfilm #FEMALE PLEASURE läuft ab dem 8. November in den Kinos.

PULS: Was möchten Sie mit #FEMALE PLEASURE grundsätzlich zeigen?

Barbara Miller: Wir machen immer noch einen großen Bogen um weibliche Sexualität. Wir sprechen weibliche Lust nicht konkret an und setzen uns mit der Vorstellung darüber nicht richtig auseinander. Mir geht es im Film darum, zu zeigen, dass man daran wirklich etwas ändern kann. Dass es an der Zeit ist, dass Frauen und Männer sagen: Wir möchten, dass Frauen und Mädchen auf der ganzen Welt ihre Sexualität lustvoll leben können.

Warum war es für Ihren Film wichtig, unterdrückte weibliche Sexualität durch die fünf Weltreligionen abzubilden?

Ich habe festgestellt, dass in allen Religionen ein absoluter Missstand in Bezug auf die weibliche Sexualität herrscht. Da habe ich mich gefragt: Woher kommt eigentlich die Idee, dass wir Frauen keine Lust empfinden dürfen? Oder dass unsere Geschlechtsorgane als obszön gelten? In allen fünf Weltreligionen steht dazu Ähnliches, zum Beispiel "Der weibliche Körper ist sündhaft und bringt Böses in die Welt".

Aber dieses Denken kann man auch auf heute und ein ganz unreligiöses Umfeld übertragen. Wenn ich mir die Mainstream Pornos anschaue, zeichnet es ja ein ähnliches Bild von weiblicher Lust: Die Frau, die alles mitmacht und toll findet, aber nichts dafür fordert. Die Klitoris existiert doch in Mainstream Pornos gar nicht. Auch küssen oder der weibliche Orgasmus spielen gar keine Rolle. Und ich glaube, viele junge Frauen lassen sich von der Idee, dass ihre Lust nicht zählt, beeinflussen und sind starkem Druck ausgesetzt.

Ich will also nicht die Religion an sich kritisieren, sondern die patriarchale Haltung. Keine Religion räumt Frauen das Recht ein, über ihre Sexualität und ihren eigenen Körper zu bestimmen.

Gab es eine spezielle Szene, die Sie besonders nachhaltig beeindruckt hat?

Mich hat vor allem Rokudenashiko, die Protagonistin aus Japan, sehr gefesselt. Sie macht Abdrücke von Vulven und formt daraus große Ausstellungsobjekte. Man denkt, Japan sei eine ganz moderne Gesellschaft - es gibt Mangas, Pornos, Sexshops - und trotzdem herrscht dort eine Verdammung der weiblichen Sexualität. Rokudenashiko macht total humorvolle Kunst und steht dann dafür vor Gericht, obwohl es im selben Land ein Penis-Festival gibt. Es ist schon fast eine säkulare Welt mit ganz althergebrachten Ideen – weibliche Lust ist dort schamhaft. Bilder von gleichberechtigter Sexualität fehlen in Japan – aber auch bei uns.

Hat sich in Bezug auf sexuelle Selbstbestimmung denn etwas getan?

Es hat sich sicher etwas getan in den letzten 50 Jahren – dennoch: Mainstream Pornografie lässt weibliche Lust komplett außen vor, denn Pornos zeigen selten selbstbestimmte weibliche Sexualität. Man sieht zwar sehr viel Sex, aber eben wenig darüber, was Frauen so mögen. Es ist einfach eine ganz unrealistische Welt, wo alles sauber ist und immer gut läuft. In der Realität haben aber Frauen Scheidenentzündungen und Analfissuren, weil sie denken, sie müssten alles nachmachen. Solche schmerzhaften Erfahrungen tragen sicher nicht zu selbstbestimmter Sexualität bei Frauen bei.

Warum wehren sich Frauen so selten gegen den Status Quo?

In vielen Kulturen ist es nicht adäquat als Frau über Sexualität zu sprechen. Nicht mal untereinander, also unter Frauen. Da fehlt einfach das Wissen, dass es anders sein kann. In Ländern, in denen Genitalverstümmelung betrieben wird, wissen oft nicht mal die Mütter, dass die Probleme, die sie ihr ganzes Leben lang mit sich rumschleppen von dieser Genitalverstümmelung kommen.

Ein anderer Aspekt ist, dass wir mit Bildern von Frauen konfrontiert sind, die sich eben nicht wehren. Die sind schön und sexy und bei denen läuft alles. Wir brauchen aber große Vorbilder, Stars, die anders auftreten und anders sind. Die Mädchen die Idee mitgeben: Schaut darauf, was ihr wollt und fordert das ein.

Sendung: Filter am 07.11.2018 ab 15 Uhr