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Das Sonntagshuhn wird 20! Keine Feier ohne Eier

Die radioMikro-Sendung mit dem bekanntesten Huhn Bayerns feiert Geburtstag. Ab jetzt sind das Sonntagshuhn und sein kleiner Bruder Max auch im Podcast zu hören.

Von: Claudia Schöll

Stand: 29.12.2016

Das Rezept hat sich bewährt. Die Zutaten sind gleich geblieben, seit der ersten Sendung am 5. 1.1997: ein Hühnerstall. Dort unterhält sich das Sonntagshuhn mit seinem Bruder über alles, was Groß und Klein bewegt. Der kleine Max kann zwar nur piepsen, doch seine große Schwester übersetzt. Ab und zu muss das Sonntagshuhn kurz unterbrechen, um ein Ei zu legen. Ein Überraschungs-Ei, aus dem eine Geschichte, ein Gedicht, ein Lied oder ein Krimi entschlüpft.

Von Anfang an mit dabei: die Schauspielerin April Hailer. Sie spricht die Doppelrolle von Max und Sonntagshuhn. Das Huhn ist fast ein bisschen zu ihrem Alter Ego geworden und ihr langfristigstes Engagement, wie sie augenzwinkernd zugibt: „Das Sonntagshuhn ist eigentlich dasselbe wie eine Bühnen- oder Filmfigur: mit großen Gefühlen, spektakulären Stunts, Slapstick, Tiefgang und Esprit – nur eben zum Hören… Ich mag das Huhn. Es ist verrückt und ein bisschen weise. Ein großer Freigeist.“

Regisseurin Eva Demmelhuber und Schauspielerin April Hailer

Eva Demmelhuber, die seit 20 Jahren die Regie macht, legt viel Wert auf „Selbstgemachtes“. Nichts kommt hier aus der Retorte, alle Geräusche für das Hörspiel werden im Studio 8 von Hand produziert. Ein Mikro zum Sprechen, ein weiteres für die Geräusche. Unverzichtbar: ein Sack voller Stroh, um die richtige Stallatmosphäre zu zaubern. Eine Tablettenverpackung zum Beispiel imitiert das Knacksen von Max‘ Eierschalensammlung. Das meiste wird gleich direkt aufgenommen, denn April Hailer ist ein echtes Multitasking-Talent: sie liest das Manuskript, spielt nacheinander beide Rollen und macht gleichzeitig fast alle Geräusche dazu.

Geburtsstunde

Die Regisseurin Eva Demmelhuber hat das Baby Sonntagshuhn mit auf die Welt gebracht hat. Damals brütete sie gemeinsam mit dem Kinderbuchautor Rudolf Herfurtner, Redakteur Leonhard Huber und Autorin Carola Zinner über dem Konzept zur Nachfolgesendung des Sonntagsweckers mit seinem „m-h, a-h, m-h“.

 „Zu allen Vorschlägen gab es Pro und Kontra, ewige Diskussionen, die Zeit drängte. Bis man sich fragte: was macht den Sonntag so besonders? Und plötzlich kam jemand auf das Sonntags-Ei und natürlich seinen Produzenten, das Huhn. Das war’s! Der Ort des Geschehens: ein Hühnerstall. Ein eigener Kosmos voll schräger Abenteuer wie ein Kinderzimmer, abgegrenzt von der Außenwelt, ohne Regeln. Aufräumen muss hier keiner. Die Phantasie, die Träume bestimmen. Und das Tolle an dem Plot: das Huhn legt die Eier, aus denen die Lieder und Geschichten schlüpfen, auch noch selbst. Es ist sein eigener Geschichtenproduzent. Umständliche Ansagen fallen weg, das Ei plumpst auf den Boden, platzt auf und heraus schlüpft ein Gedicht, ein Lied oder ein Comic.“

Original-Sound

Der Legevorgang wurde mit einem speziellen Sound unterlegt, nicht unbedingt zum Vergnügen des Toningenieurs. Direkt unter dem kostspieligen Mikrofon wurde Stroh ausgebreitet und die Regie zerquetschte ein echtes Ei nach dem anderen und schmierte ordentlich mit dem Eigelb hin und her, es sollte ja nach etwas klingen. Nach zehn Eiern und einer riesen Sauerei war der Aufprallsound endlich perfekt.

Der Plot

Natürlich braucht so ein freches Huhn ein Gegenüber, einen vielleicht noch frecheren Kerl. Schon war der Bruder Max, das kleine Küken, geboren. Er sollte keinen eigenen Text bekommen, sondern sich - so wie „Woodstock“ bei den „Peanuts“ - in einem Küken-gerechten Kauderwelsch äußern.

Der abgeschiedene Stall ist eine perfekte Szenerie, die alles ermöglicht: Man kann im Wassernapf in See stechen, im Dachgiebel die Sterne beobachten, die eigenartigen Gummistiefelträger draußen studieren, die einem immer wieder das gleiche Futter in den Napf kippen, man kann den Hofhund oder den eingebildeten Hahn Dante ärgern. Es wird gesungen, gekichert und gefuttert, was das Zeug hält und der Napf hergibt. Und natürlich wurde in dem Stall das Ei-Phone entwickelt, ist doch wohl Ei-klar.

Hühner-Casting

Die Zeit war knapp, Herfurtner hatte das allererste Sonntagshuhn bereits geschrieben, aber man musste noch eine passende Stimme finden. Wer kann so ein verrücktes Federvieh spielen? Die Wahl fiel auf April Hailer. Sie hatte damals eine eigene Show beim ZDF, schlüpfte in Hunderte von Rollen, konnte wunderbar parodieren. Kurz vor Weihnachten 1996 kam sie mit Grippe und verschnupfter Nase kreidebleich ins Studio. Tja, wie spricht ein Huhn? Nasal oder eher abgehackt mit hoher, krächzender Stimme? Tausende Varianten wurden probiert, die Entscheidung vertagt, die Suche nach dem richtigen Klang ging weiter, viele Folgen lang. Bis eines Tages das Huhn dann schließlich so wie April Hailer gackerte, krächzte, kiekste und sang. Und so eiern die beiden Figuren nun seit 20 Jahren Sonntag für Sonntag eine halbe Stunde lang durch ihre Abenteuer.

Stallgenossen

Carola Zinner

In all den Jahren wurden immer wieder neue Autoren dazu geholt. Renus Berbig zum Beispiel, der sich schon viele Geschichten und Hörspiele für das Kinderradio ausgedacht hat. Im aktuellen Autoren-Team schreiben außerdem Christian Gailus, Thomas Schmid, Silke Wolfrum und – von Anfang an - Carola Zinner für das Sonntagshuhn.

Dazu gesellen sich die Interpreten der Eier, der Geschichten, Gedichte und Hörspiele. Alles namhafte Schauspieler wie z.B. Juliane Köhler, Thomas Loibl, Sunnyi Melles, Jule Ronstedt, Stefan Wilkening, Udo Wachtveitl, Jens Wawrczeck und viele andere.

Den Spaß und die Freude, die das Team bei der Produktion haben, merkt man der Sendung an. Wohl auch deswegen gehört das Sonntagshuhn zu den meist gehörten Bayern2- Sendungen am Wochenende. Ein Ei drauf!


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