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Dieter Hanitzsch ist 80 Treffsicher, aber nie verletzend

Ob Großkopferte in der Politik, auf der Bühne, dem Sportplatz oder im Steuersumpf - seine Feder trifft sie alle: frech, spitz, aber nie respektlos. Am 15. Mai wurde der Münchner Karikaturist Dieter Hanitzsch 80. Zum runden Geburtstag schenkt ihm der Bayerische Rundfunk im Münchner Funkhaus die Ausstellung "Medien & Satire".

Von: Ursula Zimmermann

Stand: 14.06.2013

Der schwarze Tuschpinsel saust übers Papier. Mit wenigen Strichen schält sich sofort eine unverkennbare Gestalt im Halbprofil heraus: Es ist unsere Kanzlerin. Im Badeanzug sitzt sie am Seeufer und blickt in das Abendrot des untergehenden Euros. Die Botschaft ist klar, so muss es sein: "Eine Karikatur darf kein Rätsel sein, über das der Betrachter brütet und nicht weiß, was der Künstler damit sagen will. Er muss es innerhalb der ersten zehn Sekunden kapieren", erklärt Dieter Hanitzsch. Und Hanitzsch beherrscht diese große Kunst.

"Ich bin ein Journalist, der nicht schreibt, sondern zeichnet."

Dieter Hanitzsch

Drei Fragen an das Geburtstagskind ...

Erfolg

Warum glauben Sie, kommen Ihre Karikaturen so gut an?

Darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich habe meine Karikaturen einfach immer so gezeichnet, wie ich meinte, es am besten zu können. Und wenn die Leute meine Karikaturen gerne mögen, dann muss ich was richtig gemacht haben.
Gert Braun, mein damaliger Chefredakteur bei der Quick, hat mir mit auf den Weg gegeben: "Bursche, Du darfst keine Rätsel aufgeben". Das Thema muss auf den Punkt gebracht sein, die Leute erkennbar - das ist die Basis der politischen Karikatur.

Ich glaube, es ist auch wichtig, dass die Leute Spaß daran haben, wer wie gezeichnet wird: schau mal, wie der Hanitzsch die Merkel oder den Seehofer wieder zeichnet, das macht Spaß anzuschauen, unabhängig vom Inhalt. Der Inhalt gelingt einem ja nicht immer, doch ein politischer Karikaturist sollte stets versuchen, klare Kante zu zeigen: es steht eine Meinung dahinter, nicht nur eine Beschreibung des Zustands. Eine gute Karikatur sollte ein Kommentar sein.

Vorbilder

Hatten Sie künstlerische Vorbilder?

Ernst Maria Lang war mein Idol, ich verehre ihn.
Ich durfte ihn während meiner Zeit bei der Süddeutschen Zeitung kennenlernen. Er war damals Karikaturist bei der Zeitung und ich voller Ehrfurcht.
Mit Ernst Maria Lang arbeitete ich später beim Bayerischen Fernsehen zusammen. Er war mit Gerhard Joksch einer der drei Zeichner für den "Bayern Report".

Angela Merkel

Sie karikieren sehr häufig Angela Merkel. Ist es wegen ihres politischen Amtes oder weil sie ein ähnlich ideales Karikaturgesicht hat wie seinerseits Franz Josef Strauß?

An Franz Josef Strauß kommt niemand heran.
Dass ich Angela Merkel so häufig zeichne, liegt an ihrem Amt. Sie ist schließlich die mächtigste Person in Deutschland.
Helmut Markwort, mein Kollege beim BR-Sonntags-Stammtisch, meint jedes Mal, wenn ich die Kanzlerin zeichne: "Jetzt machst Du sie ja noch hässlicher". Aber bei den Karikaturen geht es ja nicht nur ums Gesicht, sondern um den Menschen: Was hat er, was hat er nicht? Was hat er angestellt und in welche Affären ist er verstrickt? Und in dieser Hinsicht war Franz Josef Strauß für jeden Kabarettisten und Karikaturisten der Prototyp eines Politikers.

Vom Bier zur Wirtschaft

Bereits in der Schule zeichnete Hanitzsch mit großer Leidenschaft. Als "Studienobjekte" mussten seine Lehrer herhalten, doch gefreut hätten die sich über das Ergebnis nicht, ist sich der Karikaturist sicher. Trotz seiner Begabung machte Hanitzsch das Zeichnen nicht zum Beruf - erst einmal und sehr zur Beruhigung seiner Mutter. Der Bub sollte etwas Handfestes lernen und so war sie froh, als der junge Dieter Bierbrauer werden wollte, denn "getrunken wird ja immer".

So lernte Hanitzsch Brauer und Mälzer, absolvierte anschließend ein Studium zum Brauingenieur und hängte dann noch ein Wirtschaftsstudium mit dem Schwerpunkt "Werbung für Brauereien" daran. Er wurde Werbeleiter bei der Paulaner-Brauerei und entwarf 1964 den Slogan "Gut – besser – Paulaner", der noch heute in der Werbung läuft.

... und noch fünf Fragen

Haltung zeigen

Sie sind ein politischer Mensch und waren in den 60er-Jahren ein junger Mann, der in München studiert hatte. 1962 kam es in München-Schwabing zu Studentenkrawallen. Fühlten Sie sich solidarisch oder sahen Sie dies nicht als Ihren Weg?

Natürlich fühlte ich mich mit den Studenten solidarisch. Ich finde, man sollte Gesicht zeigen.
Auch ich bin damals für meine Überzeugung auf die Straße gegangen. So habe ich beispielsweise gegen die Verschärfung des Rundfunkrechts demonstriert.

Demonstrieren und Gesicht zeigen tue ich derzeit auch im Internet, auf "Störsender.tv". Das ist ein Crowdfunding-Projekt meines Sohnes Stefan, das er mit meinem langjährigen Freund Dieter Hildebrandt initiiert hat. Eine Spielwiese für Störenfriede, die sich nicht abfinden wollen. In jeder Sendung zeichne ich die Karikatur des Tages, begleite aber auch Störaktionen.

Nie Politiker

Sie erkennen Missstände, entlarven politische Dampfplauderer, prangern an – warum sind Sie selbst nie in die Politik gegangen?

Weiß ich nicht, es hat mich auch keiner gefragt. Zumindest erinnere ich mich nicht. Darüber bin ich eigentlich auch recht froh, denn das wäre nie meins gewesen: Fraktionszwänge, Entscheidungen mittragen zu müssen, hinter denen man nicht steht und die Vielzahl an Terminen - in dieses Korsett wollte ich mich nie zwängen lassen. Dazu liebe ich meine Unabhängigkeit viel zu sehr.

Fitness

Sie arbeiten an sehr vielen anspruchsvolle Projekten, oft auch unter Zeitdruck. Woher nehmen Sie die Energie? Wie halten Sie sich fit?

Bis vor zwei Jahren habe ich noch jeden Sonntag mit Dieter Hildebrandt zwei Stunden Tennis gespielt. Das war Sport, aber zugleich auch immer ein reger Gedankenaustausch. Heute treibe ich keinen Sport mehr. Aber ich liebe frischen Knoblauch. Zum Frühstück gibt es ihn klein geschnitten auf ein Butterbrot. Köstlich! Vor Terminen verzichte ich selbstverständlich darauf. Auch frischen Ingwer und Habaneros kommen kleingeschnitten auf ein Butterbrot, wobei die Habaneros unglaublich scharf sind. Ab und zu auch mal Meerrettich. Ich habe anscheinend einen recht unempfindlichen Magen.

40. Hochzeitstag

Sie feiern in diesem Jahr nicht nur Ihren 80. Geburtstag, sondern auch Ihren 40. Hochzeitstag. Was ist das Geheimnis Ihrer Ehe?

Ich habe Mercedes 1973 in München kennen gelernt. Sie war Olympiastadt-Hostess der Stadt München. Als ich meinen Schwiegervater um ihre Hand bat - ich konnte ja kaum Spanisch - meinte er nur: " Warum wollen Sie nur die Hand? Nehmen Sie meine Tochter doch ganz."
Wir sind immer noch sehr glücklich, ergänzen uns, haben beide viel Humor. Mercedes ist eine kongeniale Partnerin, unterstützt mich in der Organisation und hat viele gute Ideen, wenn ich mal keine habe. Und sie ist meine größte und ehrlichste Kritikerin.
Sie ist ja ein paar Jahre jünger als ich und mit ihrem spanischen Temperament - da wird's nie langweilig.

Geburtstagswunsch

Was wünschen Sie sich selbst zu Ihrem Geburtstag?

Ich wünsche mir sicher kein großes Geschenk, da ist es nur schade ums Geld und um die Zeit. Bei uns gibt es traditionell zum Geburtstag einen Baumkuchen mit nur einer Kerze - was bei meinem Alter von Vorteil ist. Dazu einen schönen Kaffee und Schlagsahne. An diesem Tag also keinen Chilli und keinen Knoblauch. Und abends setzen wir uns mit Freunden zusammen, trinken einen guten Tropfen und ratschen. Es gibt doch nichts Schöneres.

Über den Schweinezyklus zum BR

1964 kam Hanitzsch zum Bayerischen Fernsehen. Damals wurde gerade die Wirtschaftsredaktion aufgebaut und der Leiter, Rudolf Mühlfenzl, hatte von Hanitzsch als Wirtschaftsexperten gehört, der auch sehr gut zeichnen konnte. "Wirtschaft im Fernsehen ist schwer zu illustrieren", erinnert sich der Karikaturist. "Meine Probearbeit bestand darin, den Schweinezyklus zu karikieren" (der Schweinezyklus steht für steigende und fallende Preise für Schlachtschweine und erläutert plastisch das marktwirtschaftliche Grundprinzip von Angebot und Nachfrage).

Mit Erfolg, denn er wurde als freier Mitarbeiter eingestellt und lernte Fernsehjournalismus. "Ich empfand diese Zeit als großen Gewinn in meinem Leben. Später wurde ich Redakteur, fest angestellt und schließlich Abteilungsleiter für den Themenbereich Berufsbild und Arbeit." Trotz der erfolgreichen Karriere beim BR entschied sich Dieter Hanitzsch dennoch für die Kunst und machte sich 1985 als Karikaturist selbstständig.

Persönliche und berufliche Stationen

Persönliches

Geboren: 14. Mai 1933
In: Schönlinde / Nordböhmen, nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben
Aufgewachsen in: Pfarrkirchen / Niederbayern
Wohnort: München / Waldperlach
Verheiratet mit: Mercedes Medina-Hanitzsch
Kinder: Sohn Stefan

Ausbildung und Studium

1952 Abitur
1952 - 1955 Lehre als Brauer und Mälzer
1955 - 1958 Studium des Brauwesens in Weihenstephan, Abschluss als Diplom-Brauerei-Ingenieur
1958 - 1963 BWL-Studium an der LMU München, Abschluss als Diplomkaufmann

Berufliche Stationen

1963 - 1964 Werbeleiter bei Paulaner
1964 - 1985 Wirtschaftsredakteur und später Leiter der Abteilung "Berufsbildung und Arbeit" beim Bayerischen Fernsehen
ab 1985: selbstständiger Karikaturist (bis 1992 Chefkarikaturist der Illustrierten Quick, daneben zahlreiche weitere Stationen (siehe Werkschau)

Werkschau (Auszüge)

In den Jahrzehnten seines Schaffens karikierte Dieter Hanitzsch u.a. für folgende Medien:
Abendzeitung, Süddeutsche Zeitung, Berliner Morgenpost, Focus, Quick, Bonner Generalanzeiger, Schleswig-Holstein am Sonntag, Bayerisches Fernsehen, ARD, Hauptstadtbrief (Berlin), aviso.

Er illustrierte zahlreiche Bücher, zeichnete des Musikvideo zu Konstantin Weckers Lied "Das Lächeln meiner Kanzlerin" und schuf mit Herbert Riehl-Heyse zusammen den großen Max, der seit 2004 jeden Freitag in der Abendschau läuft.
Heute zeichnet Hanitzsch neben privaten Aufträgen hauptsächlich für den Bayerischen Rundfunk und die Süddeutsche Zeitung.

Auszeichnungen (Auszüge)

1984 Schwabinger Kunstpreis
1995 1. Preis Gothaer Karikade
1998 Kulturpreis des Bezirks Oberbayern
2000 Bayerische Verfassungsmedaille in Silber
2001 Publizistikpreis der Stadt München
2003 Bundesverdienstkreuz
2007 Bayerischer Verdienstorden

Mit dem BR eng verbandelt

Dieter Hanitzsch zeichnete seit seinem Studium für zahlreiche Medien, besonders eng verbunden ist er allerdings mit dem Bayerischen Rundfunk. Neben seinen Jahren als Wirtschaftsredakteur beim Bayerischen Fernsehen illustrierte er Themen für den "Bayern Report" und verwandelte in der BR-Sendung "Floris Zapp Zarapp" Anfang der 90er-Jahre vor laufender Kamera Kindergeschichten in Bilder. Seit 2007 ist Dieter Hanitzsch regelmäßiger Gast am Sonntags-Stammtisch. Der ganz große Coup gelang ihm allerdings mit dem "Großen Max", der jeden Freitag in der Abendschau ausgetrahlt wird und es inzwischen auf über 400 Folgen gebracht hat.

Bayerischer Nabel der Welt

Zusammen mit seinem Freund Herbert Riehl-Heyse schuf Dieter Hanitzsch die Figur des niederbayerischen Politikers während eines Spanienurlaubes. Dieter Hildebrandt erfand den Namen: Max Froschhammer war geboren.

Der große Max ist eine Art moderner Josef Filser, ein Vollblutpolitiker, der ein geheimes Tagebuch führt. Er wird gerne von den Großen um Rat gefragt und hält sich als bayerischer Nabel der Welt für unentbehrlich. Anfangs erschien die Figur als gezeichneter Comic in der Süddeutschen Zeitung, 2004 kam sie als animierte Politsatire in das Bayerische Fernsehen. Hanitzsch schuf die Figur, Riehl-Heyse die Texte. Nach dessen Tod übernahm Hanitzsch auch das Skript. Seitdem mischt Max Froschhammer eifrigst in der Politik mit, hat unzählige Fans und schließt jedes Abenteuer mit der Erkenntnis "Gut, dass es mich gibt". Und was wünscht der große Max seinem Ziehvater zum 80. Geburtstag? "Gut, wenn es Dich, lieber Dieter, noch recht lang gäbe!"


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Kommentieren

N.Heichler, Dienstag, 04.Juni 2013, 13:26 Uhr

7. BR-Stammtiscj

Hallo Herr Hanitzsch,
als treuer Zuschauer der Stammtisch-Sendung muss ich Sie eimal ausdrücklich loben. Sie sind meist der einzige in der Runde, der auch mal
unangenehme Dinge offen anspricht und das finde ich total gut.
Weiter so..... und noch nachträglich alles Gute zum runden Geburtstag.

Dieter Pohl Minden , Donnerstag, 16.Mai 2013, 17:41 Uhr

6. Gratulation zum 80.



Herr Hanitsch
Aus Minden in Westfalen gratulieren Wir ' Ursula und Dieter Pohl '
ganz herzlich'
Und als ständige Zuschauer. beim Frühschoppen sagen wir'

Sie sind oft das belebende Element ' weiter so und alles Gute weiterhin

Harald Dzubilla, Dienstag, 14.Mai 2013, 19:38 Uhr

5. Herzlichen Glückwunsch!

Lieber Dieter Hanitzsch! Herzlichen Glückwunsch zum 80! Immer, wenn ich Ihre Original-Bilder aus QUICK-Zeiten, die bei mir an der Wand hängen, betrachte, erinnere ich mich an die schöne Zeit damals in München!

Liebe Grüße
Ihr Harald Dzubilla

rzhh, Dienstag, 14.Mai 2013, 17:29 Uhr

4. Doa legst di nider

Als ständiger Zuschauer des sonntäglichen BR-Stammtisches ist mir Herr Hanitzsch eine vertraute Erscheinung. Am 12.05.2013 bekam ich mit, dass sein Geburtstag bevorstünde.
Als ich heute jedoch las, dass dieser Herr ACHTZIG wurde, haute mich das glatt vom Hocker. Denn ich sah in keiner der diesjährigen ( und erst recht nicht in den davor liegenden) Sendungen einen bald achtzig Jahre alt werdenden Menschen. Ich möchte Herrn Hanitzsch mit der Feststellung gratulieren: so gefällt mir 80. Unbandig.
MfG
aus HH

Iris Salewski, Dienstag, 14.Mai 2013, 16:08 Uhr

3. Glückwunsch

Herzlichen Glückwunsch, Herr Hanitzsch ...
wie doch die Zeit vergeht, das war doch erst vor ein paar Jahren, als unsere Kinder in Neubiberg zur Schule gegangen sind ...

Für das kommende Jahr wünsche ich Ihnen, dass jeder Tag ein richtig guter Tag ist und Sie das Leben in vollen Zügen genießen können.
Herzliche Grüße
Iris Salewski
Arnstorf
(Tochter Christine)