Bayern 2 - radioWissen


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Wüstenwinde und Regenfluten

Von: Christian Sepp / Sendung: Bettina Weiz

Stand: 24.06.2016 | Archiv

Planet ErdeRS, Gy

Der Monsun ist ein Klimaphänomen, das Jahr für Jahr insbesondere in Indien auftritt. Im Juni ist die Trockenzeit zu Ende, der Monsunregen setzt ein. Seit Jahrtausenden lassen die Wassermassen die Menschen hoffen und verzweifeln.

Die Entstehung des Monsuns

Der Monsun ist ein Naturphänomen, eine großräumige Luftzirkulation, die sich jedes Jahr wiederholt. Die Bezeichnung 'Monsun' kommt aus dem Arabischen und heißt übersetzt "Drehung des Windes". Monsunsysteme gibt es auf allen Kontinenten, besonders ausgeprägt sind sie allerdings auf dem indischen Subkontinent, der hier näher betrachtet werden soll. Ausgangspunkt für die Erklärung, wie der Monsun entsteht, ist die Erdachse. Diese steht nicht aufrecht zur Umlaufbahn der Erde, sondern schräg. Das hat zur Folge, dass die Nordhalbkugel der Erde in den Sommermonaten stärker von der Sonne beschienen wird als im Winter. In dieser Zeit steht die Sonne am höchsten über den Ländern entlang des Wendekreises des Krebses. So heizen sich Asien, Europa, die Nordhälfte Afrikas und Nordamerika in dieser Zeit beträchtlich auf.  Und zwar schneller als die Meere darum herum. Und diese Differenz zwischen der Landtemperatur und der Wassertemperatur treibt den Monsun an. Die warme Luft über den Landmassen steigt in die Höhe, vom Meer aus strömt kalte Luft nach. Das Ergebnis ist Wind, der vom Ozean zum Kontinent hin bläst. Im Winter ist es genau umgekehrt: Die Sonne trifft die Nordhalbkugel weniger intensiv, die Landmassen kühlen ab und das Meer ist wärmer als das Land. So kehrt sich das Ganze um, die Winde strömen nun von Norden nach Süden.

Die Auswirkungen des Monsuns

In Indien zeigen sich die Folgen des Monsuns besonders deutlich, da hier die Ausgangslage für das Phänomen ideal ist. Die eurasische Landmasse, die sich aufheizt, ist sehr groß. Und der indische Subkontinent ist von einer enormen Wasserfläche umgeben, dem Indischen Ozean. So setzt der Sommermonsun Anfang Juni im Südwesten Indiens ein und schreitet nach Norden voran, bis er nach einem Monat die Ganges-Ebene erreicht hat. Da die Winde vom Meer kommen, bringen sich viel Feuchtigkeit und in Folge starke Regenfälle mit sich. 75 Prozent der jährlichen Niederschläge in Indien fallen zwischen den Monaten Juni und September. Insbesondere das Himalaya-Gebirge, das Indien gen Norden hin abschirmt, sorgt dafür, dass die Monsunwolken sich dort besonders intensiv abregnen. Während des Sommermonsuns kommt der Wind aus Südwesten. Das ändert sich Anfang Oktober, dann dreht der Wind auf Nordost und die trockene und kalte Zeit des Wintermonsuns beginnt.

Die Bedeutung des Monsuns

Da über die Hälfte der indischen Bevölkerung bis heute von der Landwirtschaft lebt und Millionen Menschen ihr Süßwasser aus dem Monsunregen beziehen, spielt dieser eine bedeutende Rolle. Dabei ist der Monsun Fluch und Segen zugleich für Indien. Verschiebt sich der Monsun zeitlich nach hinten oder fällt er zu schwach aus, bekommen die Felder zu wenig Wasser. Die Folgen sind Dürren, Missernten und Nahrungsmittelknappheit. Fällt der Monsun zu heftig aus, drohen starke Überflutungen, die Straßen und Häuser zerstören und die Infrastruktur lahmlegen. Somit bestimmt der Monsun das Alltagsleben der Menschen in Indien.


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