Bayern 2 - radioWissen


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Glatt, glitschig und genial vielseitig

Von: Christian Sepp / Sendung: Iska Schreglmann

Stand: 11.07.2013 | Archiv

Mensch, Natur und UmweltMS, RS, Gy

Amphibien und Reptilien gehören zu den ältesten Bewohnern unseres Planeten: Vor 400 Millionen Jahren kamen die Vorfahren der Amphibien aus dem Meer an Land. Aus den Amphibien entwickelten sich im Laufe der Erdgeschichte die Reptilien.

Amphibien

Amphibien oder Lurche sind die stammesgeschichtlich älteste Klasse der sogenannten Landwirbeltiere, also der Wirbeltiere, die über vier Füße verfügen. Sie sind die evolutionären Nachfahren der ersten Knochenfische, die vor ungefähr 400 Millionen Jahren vom Meer aus das Land besiedelten. Vor etwa 300 Millionen Jahren hatte diese Tierklasse ihre Blütezeit und zeigte sich besonders formenreich, wobei sich die Amphibien von damals äußerlich erheblich von denen unterscheiden, wie wir sie heute kennen. Ihrem Ursprungselement sind die Amphibien eng verbunden geblieben, so verbringen viele Arten ihr Larvenstadium im Wasser und gehen nach einer Metamorphose an Land über. Die erwachsenen Tiere leben im Jahreslauf sowohl im Wasser als auch an Land. Spätestens zur Fortpflanzung müssen die meisten Amphibien wieder das Wasser aufsuchen. Die Amphibienhaut ist dünn, glatt, kaum verhornt und von zahlreichen Schleimdrüsen übersäht, die sie feucht halten soll. Sie spielt bei der Atmung eine wichtige Rolle. Amphibien trinken nicht, sie nehmen das Wasser über die Haut auf. Als Larven besitzen Amphibien Kiemen, erwachsene Tiere haben eine einfache Lunge, die neben der Haut zum Gasaustausch dient. Amphibien unterteilen sich in drei Ordnungen: die Froschlurche, die Schwanzlurche und die Schleichlurche oder Blindwühlen, wobei die Froschlurche die artenreichste der drei Ordnungen bilden. Amphibien kommen auf allen Kontinenten mit Ausnahme von Antarktika vor. Die Abhängigkeit von Süßwasser begrenzt ihren Lebensraum: So sind weder Trockengebiete wie Wüsten noch kalte Hochgebirge geeignete Lebensräume für die meisten Arten.

Reptilien

Die Reptilien oder Kriechtiere (lateinisch: reptilis "kriechend") bilden eine Klasse der Wirbeltiere mit 9.766 Arten. Stammesgeschichtlich stammen die Reptilien von den amphibischen Landwirbeltieren ab. Im Gegensatz zu den Amphibien sind die Reptilien nicht auf Gewässer angewiesen und auch generell besser an trockene Lebensräume angepasst. Die ältesten Reptilien sind aus dem frühesten Perm vor etwa 300 Millionen Jahren fossil überliefert, die ältesten Zeugnisse sind jedoch Fußabdrücke in einem 315 Millionen Jahre alten Gestein. Reptilien besitzen einen Schwanz, ihre Haut ist trocken und undurchlässig, sehr robust und von Schuppen oder von Hornplatten bedeckt. Sie haben vier Beine, die bei Schlangen und einigen Echsen allerdings zurückgebildet sind. Bei der Atmung sind Reptilien ganz auf ihre Lungen angewiesen. Sie pflanzen sich an Land fort und legen Eier mit einer festen Schale oder gebären lebende Jungtiere. Im Gegensatz zu den Amphibien bilden sie kein Larvenstadium aus und durchgehen keine Metamorphose. Reptilien sind wechselwarme Tiere, die ihre Körpertemperatur so weit wie möglich durch Verhalten regulieren, wie beispielweise Sonnenbaden.  Die Wissenschaft, die sich mit Amphibien und Reptilien befasst, bezeichnet man als Herpetologie, sie ist ein Teilgebiet der Zoologie. Das Wissen und ihre Pflege und Zucht in Terrarien bezeichnet man als Terraristik oder Terrarienkunde.


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