Bayern 2 - radioWissen


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Vom Vorstadtdorf zum Treffpunkt der Avantgarde

Von: Christian Sepp / Sendung: Ulrike Beck

Stand: 17.07.2017 | Archiv

Siegestor in München-Schwabing | Bild: picture-alliance/dpa
GeschichteMS, RS, Gy

Viele Mythen und Legenden ranken sich um Münchens berühmtesten Stadtteil Schwabing. Diese stammen aus Schwabings goldener Ära um 1900, als das Viertel von zahlreichen bedeutenden Künstlern aller Sparten geprägt wird.

Schwabing war und ist wohl das über die Stadtgrenzen hinaus berühmteste Viertel der bayerischen Landeshauptstadt. Und dabei wissen die Wenigsten, dass Schwabing um einiges älter ist als München, und zwar um fast 400 Jahre. Während Schwabing zum ersten Mal im Jahre 782 urkundlich belegt ist, taucht München erst im Jahre 1158 in den Quellen auf.

Und obwohl Schwabing um so vieles älter ist als München, verliert es 1890 seine Eigenständigkeit und wird in die bayerische Landeshauptstadt eingemeindet. Wenig später erlebt Schwabing seine goldene Ära - eine Fülle an berühmten Künstlern aus der ganzen Welt lässt sich in dem ehemaligen Dorf nieder und prägt seinen Charakter als Künstlerviertel. Maler, Literaten, Verleger, Journalisten und Freigeister leben Tür an Tür und treffen sich in den Künstlerkneipen zum Gedankenaustausch. Berühmte Zeitschriften werden hier verlegt, wie der "Simplicissimus" oder die "Jugend", nach der eine ganze Kunstepoche benannt werden wird. Das erste abstrakte Gemälde der Welt wird in Schwabing gemalt und Gräfin Franziska zu Reventlow setzt der Bohème in ihrem Schlüsselroman "Herrn Dames Aufzeichnungen" ein literarisches Denkmal.

Siedlung

Lovis Corinth (1858-1925). Blick aus dem Atelier in der Giselastraße 7 in Schwabing. Öl auf Leinwand_dpa | Bild: picture-alliance/dpa zur Übersicht Mythos Schwabing Von der ersten Erwähnung bis zur Eingemeindung

Dass Schwabing die "Siedlung eines Schwabens" gewesen ist, erfahren wir aus der ältesten urkundlichen Erwähnung, die aus dem Jahr 782 stammt. Damit ist Schwabing fast 400 Jahre älter als München, das erst 1158 belegt werden kann. [mehr]

Künstlerviertel

Franz Marc (1880-1916), Porträtaufnahme des Münchner Malers um 1912 | Bild: picture-alliance/dpa zur Übersicht Mythos Schwabing Schwabings goldene Ära

Aus aller Herren Länder strömen seit 1890 Schriftsteller, Maler und Verleger nach München und lassen sich in Schwabing nieder. So wird um die Jahrhundertwende aus dem ehemaligen Dorf ein buntes, pulsierendes Künstlerviertel. [mehr]

Erster Weltkrieg

Polizisten gehen am 22.06.1962 in München-Schwabing gegen eine aufgebrachte Menschenmenge meist jugendlicher Protestierender vor. Bei den Krawallen kam es immer wieder zu Straßenschlachten. | Bild: picture-alliance/dpa zur Übersicht Mythos Schwabing Das Ende der goldenen Ära Schwabings

Der Erste Weltkrieg und der anschließende Aufstieg der Nationalsozialisten in Deutschland setzen der goldenen Ära Schwabings ein Ende. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg blüht die Schwabinger Künstlerszene wieder auf. [mehr]

Hätten Sie's gewusst?

Quiz - Fragezeichen | Bild: colourbox.com zur Übersicht Mythos Schwabing Testen Sie Ihr Wissen!

Künstler, Verleger und Freigeister aus aller Welt lassen sich um die Jahrhundertwende in Schwabing nieder und prägen das Bild des Stadtviertels. Wie gut kennen Sie sich aus mit der Geschichte von Münchens Künstlerviertel? [mehr]

Audio

"Münchner Freiheit" in Schwabing | Bild: picture-alliance/dpa zum Audio Mythos Schwabing Vom Vorstadtdorf zum Treffpunkt der Avantgarde

Schwabing ist weit mehr als ein Stadtteil Münchens. Es ist ein Ort, der zum Mythos geworden ist. "Welt-Vorort des Geistes" um 1900, Ort der "Schwabinger Krawalle" 1962 und das Amüsierviertel von heute. Autorin: Ulrike Beck [mehr]


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