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Sehen statt Hören Wochenmagazin für Hörgeschädigte
Nächste Sendung am 19. Mai 2012, 9.45 - 10.15 Uhr (Folge 1556)
10 Jahre Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen / 10 Jahre Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache (DGS)
Sehen statt Hören will zu diesem Anlass kein Jubiläum feiern, sondern nur etwas genauer hinschauen: Was hat sich in diesen 10 Jahren verändert? Was wurde erreicht? Bei Gebärdensprachkursen etwa war eine stetig steigende Nachfrage zu verzeichnen – nicht nur bei Hörenden, die beruflich mit Gehörlosen zu tun haben, sondern immer öfter auch bei privat Interessierten, die Gebärdensprache nur „einfach so“ lernen wollen. Das Filmteam mit Autor Holger Ruppert begleitet deshalb zuerst Peter Rapp, seit 20 Jahren Gebärdensprachdozent, zu seinen Kursen an der Rheinischen Förderschule in Krefeld und bei „Loor Ens“ in Köln und fragt ihn nach seinen Erfahrungen.
Und was hat sich in den Medien in Sachen „Barrierefreiheit“ getan? Bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern sehr viel. Der Anteil der Videotext-Untertitelungen hat bei manchen Anstalten schon die 50%-Marke überschritten. Seit der großen Demo auf den Kulturtagen der Gehörlosen in Köln 2008 fordern die Hörgeschädigten-Verbände aber „100 Prozent Untertitel in allen deutschen Fernsehsendern“. Auch das könnte in wenigen Jahren Wirklichkeit werden, wie der Untertitel-Aktivist Bernd Schneider aus Augsburg im Interview bestätigt. Nur der Anteil an Gebärdensprache in den Fernsehprogrammen bleibt weiterhin äußerst gering.
An den Schulen für Gehörlose und Schwerhörige hatte das Behinderten-Gleichstellungsgesetz von 2002 zunächst kaum Auswirkungen. Bilinguale Konzepte hielten nur langsam da und dort Einzug – wie z. B. an der Münchner Gehörlosenschule. Sehen statt Hören berichtete 2006 darüber und trifft heute die gehörlose Lehrerin Iris Ricke und ihren Schüler Simon Glatt in der Samuel-Heinicke-Realschule in München wieder, im (ebenfalls bilingualen) Deutschunterricht! „Auf DGS kann ich im Unterricht nicht mehr verzichten“, ist Simons Fazit. Und Frau Ricke freut sich über die „enorm hohe Deutsch-Kompetenz“ der gehörlosen Schüler im Vergleich zu früher – dank der Einbeziehung der Gebärdensprache.
Und auf politischer Ebene? Die Vertreter der Verbände sind längst nicht so zufrieden mit dem, was erreicht wurde. Jedes Jahr rufen sie am 5. Mai wieder zum „Europäischen Protesttag“ in den Fußgängerzonen großer Städte auf. „Menschen mit Behinderung sind nach wie vor in unserer Gesellschaft benachteiligt, nicht gleichgestellt“, sagt etwa Reinhard Kirchner von der LAGH Selbsthilfe Bayern am Odeonsplatz in München. Und Rudi Sailer, Präsident des Deutschen Gehörlosenbundes, freut sich zwar, dass die Gesellschaft die Gebärdensprache mittlerweile „interessant und faszinierend“ findet, bedauert aber, dass nur die wenigsten über ihren eigentlichen Status Bescheid wissen.
"Inklusion" - ein Beispiel aus dem Theaterbereich
In Leipzig wird für Gehörlose eine Tür geöffnet. Als erste Schauspielschule in Deutschland bietet die Theaterfachschule Bongôrt-v.Roy in Leipzig – integriert in die Ausbildung für Hörende – eine professionelle Ausbildung für Gehörlose an. „Unsere Konzeption sieht vor, dass wir möglichst alles gemeinsam erarbeiten“, sagt Schulleiter Holger-Hoppla Pester. Hörende und gehörlose Studenten lernen hier mit Dolmetscherbegleitung auch in Fächern wie Stimmbildung, Gesang und Musik zusammen, der gehörlose Dozent Matthias Mauersberger unterrichtet Schüler und Pädagogen in Gebärdensprache und es gibt das Extra-Fach „Gebärden-Poesie“. Drei gehörlose Bewerber haben sich bis jetzt angemeldet. Bis zum 30. Mai 2012 werden noch weitere Bewerbungen für die Aufnahmeprüfung im Juni angenommen. Im September geht es dann los. Aber das Team von Sehen statt Hören mit Autor und Moderator Thomas Zander konnte sich jetzt schon mal umschauen.
Vorschau
Samstag, 26. Mai 2012
Pfingstfeiertage - keine Sendung
Sehen statt Hören - samstags um 9.45 Uhr
"Willkommen bei Sehen statt Hören" - der einzigen Sendereihe in der deutschen Fernsehlandschaft, die im Bild sichtbar macht, was man sonst nur im Ton hört! Nicht im "Off", sondern im "On" werden hier die Inhalte präsentiert - mit den visuellen Mitteln des Fernsehens, Gebärdensprache und offenen Untertiteln.
Zielpublikum sind vor allem die etwa 300.000 gehörlosen, spätertaubten oder hochgradig schwerhörigen Zuschauerinnen und Zuschauern in der Bundesrepublik, die ein solches Programm benötigen, das ihren Kommunikationsbedürfnissen entspricht und ihnen optimale Verständlichkeit ermöglicht, aber auch alle anderen, die sich von den Themen und der ungewöhnlichen Machart angesprochen fühlen.
In wöchentlich 30 Minuten bringt das vom BR produzierte und in allen Dritten Programmen ausgestrahlte Magazin Informationen aus allen gesellschaftlichen Bereichen, von Arbeitswelt, Familie, Freizeit, Sport über Kunst, Kultur, Bildung, Geschichte bis hin zu politischen, sozialen, rechtlichen und behindertenspezifischen Themen.

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