BR Fernsehen - Der Komödienstadel


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Im Interview Drehbuchautor Christian Lex

Christian Lex hat seinen Einstand als Komödienstadel-Drehbuchautor mit dem Stück "Glenn Miller & Sauschwanzl" gegeben. Wir möchten Ihnen den gebürtigen Niederbayern vorstellen.

Von: Gabriele Scharf

Stand: 28.04.2011 | Archiv

Autor Christian Lex | Bild: tz

BR-online: Seit Ihrem 16. Lebensjahr sind Sie kontinuierlich als Autor tätig. Wer oder was hat den Grundstein für Ihr Interesse am Schreiben geweckt?

Christian Lex: Ganz klassisch: Meine damalige Deutschlehrerin. Sie brachte uns die Nachkriegs- und Trümmerliteratur mit Böll, Borchert, Langgässer usw. näher. Sie erläuterte uns die Dramaturgie und den Aufbau der Kurzgeschichte. Ich war begeistert, setzte mich einfach hin und schrieb meine erste literarische Geschichte. Kurz darauf erschien diese in einer Schweizer Literaturzeitschrift. Ich hatte Blut geleckt.

BR-online: Trotzdem haben Sie erstmal eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolviert. Aus Selbstzweifel oder Sicherheitsdenken?

Christian Lex: Eigentlich beides. Erstens konnte ich mir damals nicht vorstellen, vom Schreiben leben zu können. Und ich hatte als Sechzehn-, Siebzehnjähriger einfach das Gefühl, noch nichts zum Erzählen zu haben. Ich brauchte also erst noch meine "Portion Leben".

BR-online: Dennoch waren Sie niemals künstlerisch abstinent, sondern immer vielseitig unterwegs - ob Theater (vom Bühnenhelfer bis Regie), Sketche oder musikalische Kurzrevuen - und seit 2004 arbeiten Sie als freier Drehbuchautor. Ist es die Neugier und das Interesse, alles einmal ausprobieren zu wollen, bis man sich auf etwas festlegt, oder kultivieren Sie lieber die Vielseitigkeit zur Lebenstugend?

Christian Lex: Ich habe mich schon sehr ausprobiert. Ich wusste immer, dass ich kreativ sein wollte und am Theater konnte man eben in vielen verschiedenen Bereichen arbeiten.

Szene aus dem Komödienstadel "A Flascherl zum Glück"

Übers Theater bin ich zum dramatischen Schreiben und auch zum Drehbuchschreiben gekommen. 2004 legte ich dann darauf einen Schwerpunkt. Aber eine gewisse Vielseitigkeit will ich mir auch weiter bewahren. Ich will mich nicht auf ein Genre oder ein Format festlegen und auch weiterhin spielen. Wie z.B. in der Glosse Rösch & Fröhlich, in der ich das Schreiben und die Schauspielerei sogar verbinden kann.

BR-online: Woher bekommen Sie ihre Ideen? Sind es die "Geschichten, wie das Leben sie schreibt"?

Christian Lex: Auf jeden Fall. Meist ist es aber nur eine kleine Anekdote, eine Zeitungsnotiz oder auch etwas über das ich zufällig im Internet stolpere. Aus diesen kleinen Gedankenanstößen spinnt sich die Geschichte. Man muss dann schnell einen persönlichen Zugang finden. Und bei mir passiert das immer über die Figuren. Ich gebe ihnen soviel, dass man das Gefühl hat, echte Charaktere lägen ihnen zugrunde. Später muss ich mir von meinen Figuren die Geschichte quasi nur noch "erzählen" lassen.

"Ich habe keine direkten Vorbilder, aber Autoren, die mich sehr geprägt haben: Mit Willy Purucker und Franz-Xaver Bogner bin ich praktisch groß geworden. Ich habe mir als Jugendlicher die Dialekttechnik der beiden fast als Alltagssprache angewöhnt. Aber auch von Curth Flatow, Friedrich Ani, Kurt Tucholsky, Ferenc Molnar und Franz Geiger hab ich viel gelernt. Schon als Kind konnte ich nicht genug bekommen vom Humor eines Karl Valentins oder Erich Kästners. Eine bunte Mischung also."

Christian Lex

BR-online: In letzter Zeit laufen wieder sehr erfolgreich Filme und Serien mit bayerischem Hintergrund und Dialekt. Auch Sie schreiben fast nur noch auf Bayerisch. Worauf führen Sie die "erwachte" Lust aufs Bairische zurück?

Christian Lex: Ganz weg war sie ja wohl nie. Aber die "neue" Lust am Bairischen erkläre ich mir aus der Summe vieler Faktoren. Einer ist wohl in der Gegenbewegung nach der Globalisierung der 90er zu sehen. Die Menschen sehnen sich wieder nach regionaler Verbundenheit. Man will wieder stolz sein auf seine Herkunft. Provinz wird immer seltener negativ assoziiert. Ich habe das noch vor zehn Jahren ganz anders erlebt. Auch eine Erkenntnis, die ein wenig verloren gegangen schien: Regionalität funktioniert überall gleich, ganz egal ob in Bayern, Ostfriesland oder Mecklenburg-Vorpommern. Darum kann ein Film auf bairisch auch woanders Erfolg haben. Weil sich die Menschen wiedererkennen. Und natürlich - ganz wichtig - laut einer Studie von 2005 wäre Bairisch der beliebteste Dialekt. Na, das wussten wir doch schon lange.

Das Interview führte Gabriele Scharf.


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