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Fair Fashion Darauf solltet ihr beim nachhaltigen Sneaker-Shopping achten

Nachhaltige Mode ist mehr und mehr im Trend. Bei der fairen Fußbekleidung verlieren wir jedoch schnell den Überblick. Hier sind vier Bereiche, die beim Sneaker-Kauf beachtet werden sollten.

Von: Leon Zäch

Stand: 05.02.2020 | Archiv

Grüner Schuh mit dem grünen Punkt.  | Bild: BR

Das Angebot und Interesse an fairer Mode und Slow Fashion ist stark gestiegen und das Vorurteil „überteuerter Öko-Look“ schon komplett überholt. Aber wenn wir auf unsere Füße schauen, scheint der faire Einfluss auf Knöchelhöhe aufzuhören. Aber kann so ein Schuh überhaupt richtig fair sein?

Fakt ist: den perfekten Sneaker gibt es (noch) nicht. Anders als beispielsweise beim T-Shirt ist die Schuhproduktion weitaus komplexer, denn es braucht mehr unterschiedliche Materialien und Arbeitsschritte. Aber es gibt eine Reihe an Schuhproduzenten, die vieles richtig machen, und an einigen Schrauben drehen.

Solange man sich vor seinem Kauf über Hersteller und nachhaltige Hintergründe informiert, ist es für jede Person möglich, auch beim Schuhwerk nachhaltig zu konsumieren. Nur ist das nicht immer unbedingt bequem, sagt auch Jiska Gojowczyk, wissenschaftliche Mitarbeiterin von der Stiftung Südwind:

"Grundsätzlich muss man sagen, dass jeder Kauf erstmal weniger nachhaltig ist als ein Nicht-Kauf. Also muss ich mich als erstes fragen: Brauche ich den Schuh wirklich? Wie lange kann ich ihn tragen? Kann ich ihn gegebenenfalls reparieren? Und dann muss man, um Aussagen darüber zu treffen, wie nachhaltig ein Schuh ist, in den sauren Apfel beißen und sich mit der gesamten Wertschöpfungskette auseinandersetzen."

Jiska Gojowczyk

Faktoren wie „Arbeitsbedingungen“ ständig abzuchecken, ist für uns Käufer im Alltag natürlich alles andere als einfach. Es gibt aber genug Anhaltspunkte, die wir überprüfen können. In diesen vier Bereichen könnt ihr beim Sneaker-Kauf ein Zeichen setzen.

1. Materialien – Woraus ist der Schuh gemacht?

Ein T-Shirt besteht im Regelfall aus einem zugeschnittenen Baumwoll-Stoff. Im Gegensatz dazu wird ein Sneaker aus mehreren Teilen zusammengesetzt: Von Laufsohle über Zehenkappe bis hin zu den Schnürsenkeln. Für all diese Bestandteile werden in der Produktion jede Menge verschiedener Materialien verwendet und es gibt folglich auch deutlich mehr zu beachten.

Leder
In der Herstellung ist Leder für die Arbeiter*innen meistens sehr gesundheitsschädlich, giftige Abfälle gelangen in das Grundwasser und für uns als Endkonsument kann das mit Chemie behandelte Leder krebserregend sein. Deshalb gerben nachhaltige Schuhmarken pflanzlich anstatt mit Chemikalien. Und es gibt auch mehr und mehr vegane Alternativen zu Leder. Umweltfreundlicher Lederersatz ist zum Beispiel Ananasleder, das aus den Fasern von Ananasblätter besteht – oder auch Kork. Zweigut aus Hamburg ist ein Unternehmen von vielen, das Schuhe aus Kork produziert.

Wolle und Baumwolle
Zertifizierte Bio-Baumwolle ist deutlich nachhaltiger als konventionell hergestellte Baumwolle. Dabei wird viel weniger Wasser verbraucht und auf giftige Chemikalien verzichtet. Auch Schurwolle kann unter den richtigen Bedingungen ein nachhaltiger Rohstoff für die Schuhproduktion sein. Wichtig ist die Orientierung an kontrollierenden Siegeln. Empfehlenswert sind hier das GOTS- oder IVN-Siegel. Der Hersteller Allbirds etwa verwendet für seine Schuhe einen Mix aus Baumfasern und Merinowolle. Wie viele weitere ist das ein interessanter neuer Ansatz.

Kunststoffe
So ein normaler Sneaker besteht in den meisten Fällen zu großen Teilen aus erdölbasierten Kunststoffen. Dabei entsteht ein hoher Verbrauch an CO2, Energie und Chemikalien. Neben dem Verzicht auf Kunststoff, versuchen einige nachhaltige Hersteller auch die Natur durch Upcycling und Recycling von Plastik zu befreien, anstatt neues zu produzieren. So wie das Unternehmen El Naturalista, das Sohlen aus recycelten Fischernetzten und Muschelschalen herstellt.

2. Upcycling – Was wird wiederverwendet?

Es ist immer naturfreundlicher, Wertstoffe neu aufzubereiten und sie wiederzuverwenden bevor ein Material oder Rohstoff neuerzeugt werden muss. Deshalb spielen die Worte „Recycling“ und „Upcycling“ eine immer wichtigere Rolle.
Doch diese Begriffe werden teilweise auch als Trendworte verwendet, um Greenwashing zu betreiben und Herstellern ein umweltbewusstes Image zu verpassen. Wirbt ein Unternehmen mit recycelten Schuhbändern, dem Obermaterial oder anderen vergleichsweise kleinen Bestandteilen des Schuhs, sollte man sich nicht täuschen lassen. Denn wenn beispielsweise die deutlich größere und schwerere Sohle aus herkömmlichen Rohstoffen besteht, ist im Endeffekt niemandem geholfen.

Durchaus sinnvoll ist dafür die Verwendung recycelter Abfälle der Industrie. Da muss man den zu recycelnden Rohstoff gar nicht erst irgendwo aus dem Ozean fischen, sondern kann ihn direkt weiterverarbeiten. So macht das zum Beispiel Ecoalf – bei ihnen werden aus alten, nicht mehr zwecktaugliche Autoreifen Flip-Flop-Riemen.

3. Globale Vernetzung –Ist lokale Produktion nachhaltiger?

Ein Schuh besteht aus bis zu 30 Einzelteilen. Dass deren Herstellung und zusätzlich auch die Veredelung, Konfektionierung und der Verkauf in einem einzigen Land beheimatet sind, ist äußerst unwahrscheinlich. Sollten wir Schuhe also aufgrund der miserablen Ökobilanz durch lange Transportwege gar nicht erst kaufen? Jiska Gojowczyk hält das nicht für sinnvoll:

"Mit unserer Bevölkerungsgröße können wir nicht jedes Produkt, das wir konsumieren, von vorne bis hinten in Deutschland herstellen. Deswegen ist für mich das Ziel, Verantwortung zu  übernehmen und auch in globalisierten Wertschöpfungsketten die Arbeitsbedingungen und Umweltauswirkungen von ökonomischem Handeln zu verbessern."

Jiska Gojowczyk

Das Unternehmen Paprcuts stellt Sneaker aus dem robusten Material Tyvek her. Das stammt wie alle anderen Parts aus Europa und auch alle sonstigen Prozesse laufen dort ab, womit sie auf bedeutend längere Transportwege verzichten.

Jedes Unternehmen kann für „grünere Logistik“ sorgen indem es beispielsweise Lufttransporte durch Seetransporte ersetzt. Gütesiegel helfen, sich zu vergewissern, dass sich Unternehmen in ihrem ökonomischen Handeln für Mensch und Umwelt einsetzen. Sie können auf der Webseite www.siegelklarheit.de vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) auf Glaubwürdigkeit, Umweltfreundlichkeit und Sozialverträglichkeit kontrolliert werden.

4. Engagement – Was passiert neben der Schuhproduktion?

Abgesehen von fairen Arbeitsbedingungen und einer Reduzierung der Umweltschädlichkeit, werben einige Hersteller mit zusätzlichem Engagement. Das bedeutet im Regelfall, dass sie im sozialen oder ökologischen Bereich zusätzliche Unterstützung leisten. In den meisten Fällen wird hier mit Non-profit-Organisationen zusammengearbeitet, die beispielsweise Plastik aus dem Meer fischen, Bäume pflanzen oder Menschen in Not eine Perspektive geben. Der Hersteller Saye etwa lässt pro verkauftem paar Sneaker zwei Bäume pflanzen und schickt dir zusätzlich in dem Schuhpaket noch Samen mit, um selbst deine eigene Pflanze zu züchten. Das kann, muss aber kein Kaufargument sein.

Wenn man sich für einen fairen Sneaker entscheidet, sollte man sich laut Jiska Gojowczyk überlegen, was genau einem wichtig ist:

"Was sind die brennendsten Probleme? Welche Hersteller versuchen darauf überzeugende Antworten zu geben. Dann bin ich mir sicher, dass sich auch die Branche in kürzester Zeit sehr viel weiter bewegen könnte, als sie derzeit ist."

Jiska Gojowczyk

Im Idealfall stoßen wir gerade schon eine Entwicklung an. Es erscheinen neue revolutionäre Materialien und Rohstoffkombinationen auf dem Markt. Es lohnt sich also, sich immer wieder neu zu informieren.

Hier findest du coole Sneaker:
Veja, Ethletic, ekn, Melawear, Paprcuts, Saje, TOMS, Ecoalf, Inkkas, Bahatika, El Naturalista, Flamingos´ Life, Allbirds, Zweigut, Be Free Shoes, Avesu, Shoemates, Matt & Nat, N´go, Nae, Think!, Waldviertler, Kulson, New Movements, Giesswein, Nisolo, Native Shoes, Handmade Matters, Baabuk