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Zwölfuhrläuten Lindau am Bodensee in Schwaben

Der blaue Himmel über dem See mit den vielen Segelbooten, die Palmen an der Promenade – das südlich-heitere Flair der Stadt Lindau im Bodensee: es scheint Programm zu sein auch für das Marienmünster am Marktplatz.

Von: Regina Fanderl

Stand: 10.07.2016 | Archiv

Mit seinem weiten, hellen Rokoko-Saal voller weißer Stuckaturen, farbiger Fresken und bewegter Schnitzereien wirkt das Marienmünster auf den Besucher wie ein verheißungsvoller Vorgeschmack aufs Paradies, in dem es durchaus musikalisch zugeht.

Prachtvolle Fresken

Die Engel im Deckengemälde streichen den Bass und zupfen die Laute, andere geben den Rhythmus dazu mit Trommel und Chinellen, während die Muttergottes auf einer Wolke in das gleißende Licht des Himmels auffährt. Umgeben vom Palmen winken ihr die Apostel mit hocherhobenen Armen zu, als ob sie ihr eine gute Reise wünschten. Offenbar wollen die prachtvollen Fresken zeigen, dass weit oben das Leben für die Menschen viel leichter, unbeschwerter und schöner ist als unten auf der Erde.

Stadtgeschichte eng mit Kanonissen Stift verbunden

Mit dem Marienmünster präsentiert sich ein Baudenkmal auch von geschichtlicher Bedeutung. Zwei große Brandkatastrophen hat die Stadtpfarrkirche überlebt und dann auch noch den Einsturz des Deckengemäldes im September 1987. Ihr Ursprung liegt in der romanischen Kirche eines Klosters und später eines Kanonissen Stifts. Das war eine exklusive Unterkunft für adelige Töchter aus ganz Süddeutschland und der angrenzenden Schweiz. Die so genannten Stiftsdamen waren weder der Klausur noch strengen Ordensregeln unterworfen und durften die Gemeinschaft jederzeit wieder verlassen.

Die Stadtgeschichte ist auf das engste mit dem Kanonissen Stift verbunden, weil das Kloster seinen Markt vom Festland auf die Insel verlegte. Daraus entwickelte sich eine veritable Kaufmannssiedlung, die wiederum die Grundlage war für die Entstehung der Stadt Lindau.


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