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Zwölfuhrläuten Augsburg-Haunstetten in Schwaben

Haunstetten war einmal eine kleine bayerische Landgemeinde, die nur deshalb manchmal Erwähnung fand, weil sie in der Römerzeit direkt an deren berühmten Handelsstraße, der Via Claudia Augusta, lag.

Von: Regina Fanderl

Stand: 17.01.2016 | Archiv

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hielt die Industrialisierung Einzug und mit Haunstetten ging es steil bergauf.

Heimat tausender Flüchtlinge und Heimatvertriebener

Zuerst siedelten sich Betriebe an, die mit dem Textilzentrum Augsburg in Verbindung standen. Eine Weißbleicherei, Spinnereien und Webereien und schließlich die Messerschmittwerke, ein im Nazi-Deutschland kriegswichtiger Flugzeugbaubetrieb mit zwei Werken und hunderten von Arbeitsplätzen. Nach dem Krieg wurde Haunstetten für tausende Flüchtlinge und Heimatvertriebene, aber auch für ehemalige Zwangsarbeiter zur zweiten Heimat. Die Einwohnerzahl stieg noch einmal rasant an. Mitte der 50er Jahre lag sie bei fast 16.000.

Perner-Glocken im Kirchturm

Eine dritte katholische Kirche musste her. Der finanzielle Grundstock des Kirchenbauvereins, 68 Mark und 10 Pfennige, war nicht gerade ermutigend, aber die Mitglieder sammelten fleißig weiter und schon 1966 konnte St. Pius geweiht werden. Ein großer quadratischer Bau mit einem 22 Meter hohen Turm.
Im Inneren der Kirche ist - gemäß den liturgischen Vorgaben des 2. Vatikanischen Konzils - alles auf den Altar hin ausgerichtet. Drei gewaltige Glasfenster mit den abstrakt gestalteten Themen "Apokalypse", "Passion Christi" und "Pfingsten" lassen nach Thomas von Aquin das Licht des Glaubens hereinströmen.

Schon ein Jahr vor der Kirchenweihe wurden bei Perner in Passau die fünf Glocken gegossen. Ihre Grundtöne stimmen mit dem Anfang der Salve-Regina-Melodie überein und läuten darüber hinaus in musikalischer Harmonie mit den Glocken der benachbarten Kirchen im größten Stadtteil von Augsburg.


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