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Zwölfuhrläuten Edelstetten in Schwaben

Wenn am Palmsonntag die Prozession in die Pfarrkirche zieht, holen die Ministranten den Palmesel unter der Empore hervor. Das nicht ganz lebensgroße geschnitzte Grautier stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert.

Von: Marianne Bitsch

Stand: 17.04.2011 | Archiv

Auf dem Esel reitet ein - trotz nackter Füße - majestätisch wirkender Jesus.

"Theatrum sacrum"

Zur Karwoche in Edelstetten gehört auch die Verwandlung des Hochaltars: das große Bild versinkt und dahinter erscheint das Heilige Grab. Am Karfreitag schwebt die Monstranz in die Höhe und in der Osternacht ersteht Christus. Der berühmte Dillinger Barockbildhauer Johann Michael Fischer hat dieses "Theatrum sacrum" nach dem Vorbild der Dillinger Studienkirche gefertigt.

Wessobrunner Stuck

An Bau und Ausstattung der Stiftskirche Edelstetten wirkten große Künstler mit: der Plan stammt von Pater Christoph Vogt aus Ottobeuren. Baumeister war ab 1709 Simpert Kraemer, der sich in Edelstetten niederließ und zum bedeutendsten Bürger des Ortes wurde. Er sorgte auch für den eleganten Wessobrunner Stuck mit reichem Rankenwerk, Blattstäben und Rosetten in festlichem Weiß. Sein Vater Mang Kraemer hatte bereits den Kirchturm erhöht, in dem sich noch romanisches und gotisches Mauerwerk verbirgt. Im vierstimmigen Geläut klingt mit den Nachkriegsglocken eine Glocke aus dem 14. Jahrhundert mit. Die Kirche bildet den Südflügel des ehemaligen Damenstifts, das im 12. Jahrhundert als Nonnenkloster gegründet wurde. Die Barockanlage über dem Ort zeugt von dessen Blütezeit. Später mussten die adeligen Stiftsdamen keine Ordensregel mehr befolgen.

Zentrum für schwäbische Sprache

Seit 1804 gehört das Schloss den Fürsten Esterhazy. Der "Verein Schwäbisches Literaturschloss Edelstetten" sorgt für Kulturveranstaltungen und nach der Sanierung der Ökonomiegebäude soll hier ein Zentrum für schwäbische Sprache entstehen. Auch der Westgiebel der Kirche wird heuer saniert - eine große Aufgabe für die 550-Seelen-Gemeinde.


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