Bayern 2 - Zeit für Bayern


4

Wandel in Pastell Wie die Olympischen Spiele 1972 das Lebensgefühl junger Münchner prägten

Die Olympischen Spiele in München waren für Stadt, Land und Bund nicht nur ein gewaltiger finanzieller und organisatorischer Aufwand. Es ging auch darum, der Welt eine zivil geprägte Bundesrepublik zu präsentieren, die das trübe Grau der Nachkriegsjahre abgelegt hat und offen nach vorn blickt.

Von: Stefan Götz

Stand: 19.08.2012 | Archiv

Die "Weltstadt mit Herz" wurde ausgerufen, und München bekam ein neues Wahrzeichen: Den Fernsehturm mit einer Aussicht über die ganze Stadt bis hin zu den Alpen, und das im Drehrestaurant. Stehenbleiben war gestern. Fortschritt und der vorbehaltlose Blick auf ungeahnte Möglichkeiten sollten das Heute bestimmen.

1972 - Aufbruch in eine neue Zeit

Das Image, das man vermitteln wollte, hatte eine gewisse Basis. Auch konservativen Menschen war bewusst, dass man sich in einer Phase der gesellschaftlichen Veränderung befand. Die Olympischen Spiele gaben eine Richtung vor, die vor allem jungen Menschen andere Blickwinkel eröffnete und ein neues Lebensgefühl vermittelte.

"Zeit für Bayern" will diesem Lebensgefühl der damals 12- bis 20-jährigen Menschen aus München und Umgebung nachspüren. Viele von ihnen erhielten im Zug der Olympiavorbereitung und während der Spiele selbst ihren ersten Ferienjob, sie durften dem bis dahin strengen Elternhaus ohne große Nachfragen auch mal über Nacht fernbleiben, sie lernten Menschen aus anderen Nationen oder Kulturkreisen kennen oder fungierten im geringsten Fall mit ihrem Schulenglisch als Dolmetscher für Übernachtungsgäste bei den Eltern. Zum ersten Mal atmeten diese jungen Leute die Luft von Freiheit, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung.

Auf Halbmast geflaggt ist die Olympische Fahne.

Noch heute schwärmen die inzwischen Anfang Fünfzigjährigen von dieser Zeit des Aufbruchs in einer Lebensphase hin zum Erwachsensein. Die überall in München anzutreffenden Pastellfarben als ein Markenzeichen der Spiele machten deutlich, dass die Siebzigerjahre bunt werden sollten – und voller Zwischentöne. In dieses Szenario schoss sich dann aber der Anschlag des "Schwarzen September" und riss diejenigen, die wir damals dabei waren, jäh in eine Realität zurück, die mit dem Wunsch nach Friedfertigkeit, Fairness und Toleranz so gar nichts zu tun hatte. Die „friedlichen Spiele“ mündeten im verzweifelten Postulat "The Games must go on". Gleichwohl tragen noch viele, die damals jung waren, den Atem von 1972 in sich und schwärmen von einer Phase, in der man München als die eigentliche Hauptstadt und sich selbst als Teil ihres munter schlagenden Herzens betrachtete.

"Zeit für Bayern" hat nach nunmehr vierzig Jahren mit Menschen gesprochen, die ihr Gefühl von damals schildern und einen Einblick geben, wie sehr ihr Leben von Olympia geprägt wurde.


4