Bayern 2 - Zeit für Bayern


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Bayern und Iren Sepp und Paddy - zwei Seelenverwandte?

Natürlich ist eine Untersuchung darüber, wie viel zwei Länder bzw. die Angehörigen zweier Nationen - gemeinsam haben, problematisch. Iren und Bayern aber ähneln sich zumindest in einem Punkt: Beide zeichnen ein Bild von sich selbst, das sich gut verkauft.

Von: Herbert Becker

Stand: 03.10.2011 | Archiv

In beiden Fällen ist es das Bild eines eher urwüchsigen Menschentyps, eines Typs, der sich mehr durch Bauernschläue als durch einen scharfen Intellekt auszeichnet, der zwar rauflustig ist, sich aber nur mit gleichrangingen Gegnern schlägt, während er seine eigentlichen Widersacher - das sind im einen Fall die Engländer, im anderen die Preußen - vermittels seiner Hinterfotzigkeit aufs Kreuz legt.

Alle zwei sind gesellig; sie halten sich gern im Wirtshaus auf, lieben ihre Volksmusik und mögen das Bier. Wenn sie gerade keinen Streit miteinander haben - und auch keinen bekommen wollen - sprechen sie eine äußerst diplomatische Sprache.

"Då gaab s wås, über dees wo i mit dir redn miassert."

Bayer

Das klingt zwar gewunden, doch dem Bayern, der seinen Gesprächspartner nicht vor den Kopf stoßen will, geht es viel leichter über die Lippen als ein direktes: "Ich muss dich sprechen". Ähnlich würde der Ire, der seinem Gegenüber etwas beibringen möchte, was zwar unangenehm aber durch und durch wahr ist, keinesfalls das nüchterne "This is true" verwenden; er greift eher zu einer Formel wie:

"Well, there´s kind of a truth for you now."

Ire

Auf Bairisch hieße das dann etwa:

"Also, då dazua miassert i dir jetzt direkt wås Wåhres verzählen."

Bayer

Irland hat, genau wie Bayern, seine Volkshelden. Aber die historischen Persönlichkeiten, von denen man mit großer Hochachtung spricht, sind keine Napoleons oder Nelsons, sondern Rebellen, Wildschützen und vor allem: Verlierer.

Die Wurzeln sind die gleichen

Ein paar der Gründe für die Gemeinsamkeiten von Iren und Bayern liegen auf der Hand:

Zum Ersten sind sowohl Paddy als auch Sepp katholisch. Sie besuchen den Gottesdienst und pilgern zu Wallfahrtsorten, sie wissen um ihre moralischen Unzulänglichkeiten, gehen zur Beichte und sündigen danach erleichtert weiter.

Zum Zweiten ist beider Heimat traditionell landwirtschaftlich geprägt. In der Kost spielen Kartoffeln und Kraut eine zentrale Rolle, besondere Wertschätzung genießt das Pferd, und der Viehhändler, der die wirtschaftlichen Verhältnisse der Bauern meist am besten kannte, war früher gleichzeitig der Schmuser, respektive der Matchmaker.

Man hängt am Land, und Landbesitz hat einen hohen Stellenwert. Das zeigt sich u. a. dann, wenn es um das Vererben des Hofes geht. Aber auch die Häufigkeit, mit der in Schwänken und Theaterstücken die Problematik des Grenzstein-Versetzens auftaucht, spricht Bände. Seefahrer sind weder Paddy noch Sepp, und das, obwohl sie beide ein (gefühltes) Inseldasein führen.

Keltische Blut

Und wer sind die Vorfahren von Paddy und Sepp? Von den Iren heißt es, sie seien Nachkommen der Kelten.

Doch bei genauem Hinsehen fließt in ihren Adern nicht mehr keltisches Blut als in denen eines Bayern. Hier wie dort haben zahlreiche Völker ihre genetischen Spuren hinterlassen.

Bier, Bier, heißt's dort wie hier

Wenn Paddy Bayern besucht, schwärmt er eben so sehr von den Biergärten oder vom Oktoberfest wie Sepp nach seinem Irlandurlaub von den irischen Pubs schwärmt. Überhaupt gefällt den beiden das, was sie beim jeweils anderen sehen und erleben - vielleicht deshalb, weil dort jeder etwas findet, was ihm vertraut vorkommt, bestimmt aber auch, weil sich das jeweils Andere alles in allem doch stark vom Eigenen unterscheidet.


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