Bayern 2 - Zeit für Bayern


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„O edelste Grünkraft" Eine Kulturgeschichte des Christbaums

Von drauß‘ vom Walde, kommt er her – doch wie kam er in die gute Stube? Wer erstmals auf die Idee kam, in den Wald zu gehen, einen Baum zu schlagen, um ihn dann in den eigenen vier Wänden aufzustellen, ist natürlich nicht überliefert. Nicht einmal die Herkunft des Brauchs kann genau geklärt werden: Ist der Christbaum eine lettische, eine estländische oder doch eine bayerische Erfindung?

Von: Julie Metzdorf

Stand: 25.12.2015 | Archiv

Im 16. Jahrhundert hatte das Baumschlagen im Breisgau und Elsass offenbar solche Ausmaße angenommen, dass man von offizieller Seite dagegen vorging. Heute ist der Christbaum für viele untrennbar mit Weihnachten verbunden, Jahr für Jahr sorgt er für leuchtende Kinderaugen und für Zank unter Eheleuten.

Aber das Wissen über den Brauch ist erschreckend gering. Wer kam denn bitteschön auf die Idee, Kerzen an den Baum zu stecken? Offenes Feuer direkt neben trockenen Zweigen! Und warum musste es überhaupt ein Baum sein? Hätte es ein moosbewachsener Stein nicht auch getan, wenn es denn schon ein Stück Natur sein sollte? Warum ist Baumschmuck oft rot?

Was hat der Nadelbaum mit Evas fatalem Griff nach einem Apfel zu tun? Und hat Lametta wirklich jemals jemanden an Eiszapfen erinnert oder sah es  nicht eigentlich schon immer aus wie versilbertes Sauerkraut … Fragen über Fragen!

Hängende Christbäume

Im Fichtelgebirge war der hängende Christbaum lange Brauch

"Bekanntlich schmückte man früher besonders im Fichtelgebirge den hängenden Weihnachtsbaum mit Nüssen, Äpfeln, Binseneiern (mit dem Innengewebe von Binsen umwickelt) und "Brettlen" (selbstgebackenem Marzipan). Kerzen wurden bei den hängenden Weihnachtsbäumen weniger verwendet. Einfacher und schlichter hielt man es oft auch, ihn "meistens mit roten und weißen Papierrosen" - Symbole des Jessebaums und des Kruzifixes als Rosenstrauch - heraus zuputzten. Um Bamberg, im Baunachtal, im östlichen Steigerwald und um Würzburg fanden sich als weitere Variante die mit Zuckerstücken oder roten Äpfeln geschmückten Fichtenwedel unter der Decke im Herrgottseck der Bauernhäuser. Im Hummelgau/Landkreis Bayreuth, wurde vor 1900 hingegen lediglich ein größerer Zweig in der Sitzecke befestigt, der sich an der Decke bis zur Mitte des Tisches bog und mit vergoldeten Nüssen, Äpfeln, Engelhaar, später mit Glaskugeln, Vögeln und Glöckchen geschmückt wurde. " (Quelle: Historisches Franken)

Julie Metzdorf hat nach den Wurzeln des Christbaums gegraben, hat mit bayerischen Christbaum-Plantagenbesitzern und Rauschgoldengelfaltern, mit Christbaumständererfindern und Kulturwissenschaftlern gesprochen und verwandelt einen symbolträchtigen Zierbaum in einen Baum der Erkenntnis – ein baumstarkes Feature für den Heiligen Abend.


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