Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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28. März 1897 Victor Mills, Erfinder der Pampers, geboren

Endlich Schluss mit dem Auskochen von Stoffwindeln - dank der Einwegwindel. Und wer hat’s erfunden? Marion Donovan. Und wer hat’s vermarktet? Victor Mills - der Markenname: "Pampers". Autor: Xaver Frühbeis

Stand: 28.03.2017 | Archiv

28 März

Dienstag, 28. März 2017

Autor(in): Xaver Frühbeis

Sprecher(in): Hans-Jürgen Stockerl

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Als am 28. März 1897 in dem amerikanischen Städtchen Milford ein Knabe namens Victor Mills geboren wird, wickeln die Eltern das Kind in Windeln und legen es in ein Bettchen. Die Windeln werden nach Gebrauch gewechselt, die nasse Bettwäsche ebenfalls, oft muss auch noch das Kind trocken angezogen werden. Benutzte Windeln kocht man in einem großen Topf sauber.

Als zwanzig Jahre später, ein paar Bundesstaaten entfernt, ein Mädchen namens Marion O'Brien geboren wird, tun seine Eltern genau dasselbe. So wie es alle Eltern in der zivilisierten Welt seit Jahrhunderten machen.

Die Duschvorhang-Windel

Mit achtzehn wird Victor Mills Soldat. Kohlenschaufler, auf einem Schlachtschiff. Vier Jahre später beginnt er auf Hawaii ein gemütliches Dasein als Strandgutsammler und Schweißer. Doch die Freundin findet, er solle was Anständiges lernen. Also geht Mills nach Washington und studiert. Chemieingenieur.

Mit fünfundzwanzig gründet Marion O'Brien eine Familie. Die Kinder wickelt sie in kochfeste Windeln. Wechselt die Bettwäsche und sorgt für trockene Kleidung. Victor Mills, frisch von der Uni, bekommt Arbeit bei Procter & Gamble. Seine Aufgabe: Herstellungswege optimieren und neue Produkte entwerfen. Mills verbessert dies - und erfindet das - und wächst heran zu einem geachteten Mitarbeiter.

Marion O'Brien, verehelichte Donovan, will nicht mehr Windeln kochen und Bettwäsche wechseln müssen. Ihr Vater war Erfinder. Als Mädchen hat sie ihm bei der Arbeit helfen dürfen. Seitdem weiß sie, wie man Probleme angeht. Marion Donovan setzt sich hin und näht aus einem alten Duschvorhang eine wasserdichte Außenhülle für Babywindeln.

Die Wegwerfwindel

Procter & Gamble haben eine Zellstofffabrik gekauft. Was könnte man damit anfangen? Victor Mills: denken Sie sich was aus! Mills ist mittlerweile Großvater. Wenn er auf seine Enkelkinder aufpasst, muss er Windeln und Bettwäsche wechseln und für trockene Kleidung sorgen. Dazu hat er keine Lust. Und weil er eh grad drüber nachdenkt, was man mit Zellstoff Nützliches anstellen könnte, kommt ihm die Idee mit den neuen Windeln. Außen: eine wasserdichte Schicht, damit nichts mehr überläuft, innen: ein saugfähiger Kern aus Zellstoff. Das Ganze mit Klebeband, zum leichter Auf- und Zumachen, und hinterher: einfach wegwerfen.

Marion Donovan überlegt den nächsten Schritt. Windeln: nicht mehr wiederverwendbar, kein Kochen mehr, einfach nach Gebrauch wegwerfen. Ein Kern, der das Wasser aufnimmt. Irgendwas aus Papiermasse. Marion Donovan klappert alle Papierfabriken ab, aber niemand ist interessiert. Seit Jahrhunderten kochen Mütter Windeln aus und wechseln Bettwäsche und Babykleidung. Wegwerfwindeln? Völlig überflüssig.

Victor Mills stößt mit seiner Idee bei Procter & Gamble auf Begeisterung. Zigtausende Zellstoffwindeln werden für die Testphase handgenäht, Firmenmitarbeiter tragen sie heim, um sie an ihren Kleinen auszuprobieren. Eine Werbeagentur denkt sich einen Namen aus. "To pamper" heißt "verwöhnen". Mütter und Kinder sollen von den neuen Windeln verwöhnt werden. Das Produkt wird "Pampers" heißen. Marion Donovan gibt ihre Idee mit den Wegwerfwindeln auf und widmet sich anderen Verbesserungen im Haushalt. Die "Pampers" dagegen revolutionieren die Kinderzimmer. Der Umsatz ist enorm, die Marke zählt zu den wertvollsten weltweit. Und Victor Mills geht in die Geschichte ein - als "Vater der Wegwerfwindel" .


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