Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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10. Mai 1809 Napoleon verhindert Fidelio-Aufführungen in Wien

Zunächst setzte Beethoven große Hoffnungen in Beethoven. Damit war es vorbei, als der Korse sich zum Kaiser krönte - und dann auch noch die Aufführungen von Beethovens "Fidelio" in Wien verhinderte. Autorin: Julia Devlin

Stand: 10.05.2017 | Archiv

10 Mai

Mittwoch, 10. Mai 2017

Autor(in): Julia Devlin

Sprecher(in): Hans-Jürgen Stockerl

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Beethoven war ein politischer Komponist. Mehr als andere Tonschöpfer war er darauf bedacht, seine Kunst in den Dienst von Freiheit, Gerechtigkeit und Fortschritt zu stellen.

Nun waren die Zeiten so, dass man der Politik kaum auskam. Die Welt war aus den Fugen, ein Vierteljahrhundert lang. Erst die Französische Revolution, und dann Krieg. Armeen zogen kreuz und quer durch Europa. Kleine Republiken entstanden und verschwanden wieder. Das Heilige Römische Reich verschwand ebenfalls von der Landkarte. Alte Dynastien wurden verjagt, alte Ordnungen hinterfragt, neue Ordnungen erprobt und wieder verworfen. Ob man das gut fand oder nicht, die Politik war jedermanns Schicksal.

Beethovens Held?

Inbegriff dieser umstürzlerischen Epoche war Napoleon. Der Korse war eine Zeitlang der Held für Beethoven. Napoleon, das war für ihn der Mann, der die Ideale der Französischen Revolution verwirklichen konnte. Beethoven hatte sogar eine Symphonie für ihn komponiert. Dass der einstige Consul Buonaparte sich dann aber 1804 zum Kaiser krönte, war für Beethoven ein Verrat. In einem Wutanfall rief er aus: "Nun wird er auch alle Menschenrechte mit Füßen treten, nur seinem Ehrgeize frönen; er wird sich nun höher, wie alle Anderen stellen, ein Tyrann werden!“ Und er zerriss das Titelblatt der Dritten Symphonie, auf dem "Buonaparte" stand. Fortan trug das Werk den Titel Eroica. 

Freiheit und Gerechtigkeit

Nun, mit dem Tyrannen sollte er recht behalten. Der Tyrann überzog Europa mit Krieg, es schien, als könnte keine Armee der Welt ihn aufhalten. Im Jahre 1809 stand Napoleon im Zenit seiner Karriere als Diktator und Feldherr. Und mal wieder vor Wien. Eigentlich hätte am 10. Mai 1809 Beethovens Oper "Fidelio" auf dem Spielplan gestanden. Aber wem ist nach Musik zumute, wenn zwanzig Haubitzen vor der Stadtmauer aufgefahren werden? Die Aufführung wurde abgesagt. Statt in die Oper zu gehen, flohen die Wiener in ihre Keller.

Auch Ludwig van Beethoven, der bei seinem Bruder Carl Unterschlupf fand, wo er gequält versuchte, mit einem Kissen über den Ohren den Lärm der Detonationen von seinem empfindlichen Gehör abzuhalten.

Doch die Aufführung wurde nachgeholt, fünf Jahre später im Wiener Kärntnertortheater. Das Publikum bangte mit der treuen Leonore, litt mit dem zu Unrecht eingekerkerten Freiheitskämpfer Florestan, und als am Ende die Sänger einen Hymnus auf Freiheit und Gerechtigkeit anstimmten, brachen die Zuhörer in frenetischen Beifall aus. Denn mit dem Sturz des Bösewichts Pizarro verbanden sie auch den Sturz des Tyrannen Napoleon, dessen Herrschaft über Europa endlich ein Ende genommen hatte. 


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