Bayern 2 - Das Kalenderblatt


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7. Juli Tag der Schokolade

Schokolade, das ist ein Lebens-, ach was, ein Genussmittel! Ihr Preis, so Marktforscher, sei ein "singuläres Phänomen" - denn wenn der Schokoladenpreis steigt, hört für die Verbraucher der Spaß auf. Autorin: Prisca Straub

Stand: 07.07.2017 | Archiv

07 Juli

Freitag, 07. Juli 2017

Autor(in): Prisca Straub

Sprecher(in): Christian Baumann

Illustration: Tobias Kubald

Redaktion: Frank Halbach

Schokolade kann ziemlich viel: trösten, den Blutdruck senken, Entzündungen vorbeugen. Doch Schokolade kann noch mehr: Mit knapp 600 Kilokalorien pro 100 Gramm ist sie ein wahres Schwergewicht. So viel "Energiedichte" erreicht kein anderes Lebensmittel, das pur verzehrt wird. Und noch etwas: Der Schmelzpunkt liegt so ungefähr bei Körpertemperatur. Kurzum: Schokolade mag zwar fett machen, aber den 7. Juli, den Tag der Schokolade, begeht man am besten, indem man sich genüsslich ein Stück auf der Zunge zergehen lässt.

Schokolade - ein "singuläres Phänomen"

So weit so gut - doch jetzt wird es spannend: Wie sich die 100-Gramm-Tafel in der Vergangenheit benommen hat, ist nämlich einzigartig. Schokolade trotzt der Inflation wie kaum ein anderes Lebensmittel. Die Preise im Einzelhandel haben zwischen 1950 und der Euro-Umstellung durchweg kräftig anzogen - egal ob für Äpfel oder Rindfleisch. Bei Kartoffeln sogar um das Neunfache. Nur beim Schokoladenpreis ging es irgendwie nicht mit rechten Dingen zu: 2002 lag der Preis für eine Tafel nach wie vor bei knapp unter einer Mark, genauso wie etliche Jahre zuvor. Erst mit dem Euro konnte sich die Schokolade auf immerhin einen knappen Euro hocharbeiten. Zu diesem Preis ist sie auch heute noch zu bekommen.

Schokolade ist ein "singuläres Phänomen", sagen Preispsychologen - ein "Ankerprodukt". Also etwas, was jeder kauft und von dem jeder weiß, was es kostet. Verteuerungen sind da schwierig, sagen die Experten. Denn je mehr der Preis für eine Tafel die gewohnte Grenze sprengt, desto abschreckender wirkt er. "Schwellenpreis", nennt das der Einzelhandel - und auf den reagiert der Kunde bei Schokolade offenbar besonders sensibel: Im Zweifelsfall wirft er den Süßkram wieder aus dem Einkaufswagen - und die Konkurrenz schleckt sich genüsslich die Finger.

So richtig Spaß macht der Handel mit Schoko-Standardware also nicht. Und dann ist da auch noch der Börsenpreis: Die Tonne Kakaobohne ruckelt auf dem Weltmarkt erheblich auf und nieder. Hier eine miese Ernte, dort ein Bürgerkrieg - jede noch so kleine Erhöhung fällt  ins Gewicht. Bitter für die Süßwarenindustrie. Warum also nicht klammheimlich ein wenig an der Rezeptur drehen? Weniger Kakao, dafür mehr Zucker - ein bisschen weniger Milch, dafür mehr Molke? Im Supermarktregal entscheidet jeder Cent!

Mogelpackung

So richtig reingefallen sind die Hersteller allerdings nur mit einem Trick - mit der "Schrumpfkur". Um von der standardisierten 100-Gramm-Tafel wegzukommen, gibt es sogenannte "Sonder-Editionen". Schmucke Täfelchen, denen eines gemein ist: Rechnet man den Preis hoch auf 100 Gramm, liegt er deutlich über dem der Standardpackung. Weniger Schokolade fürs selbe Geld! "Mogelpackung" nennen das Verbraucherschützer und laufen Sturm. Beim Thema Schokolade lassen wir uns nichts vormachen. Es sei denn, man lockt uns mit ausgefallenen Füllungen und erlesenen Nussmischungen. Mit exotischen Beeren, karamellisiertem Knusperwerk und köstlichen Likören! Dann darf die Tafel gerne auch mal ein Vielfaches kosten - und mehr! - Oder es steht "bio" drauf. Dann geht's auch.


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