Bayern 2 - Hörspiel


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Jan Peters Wie ich mich dem Ereignishorizont annäherte

Stand: 16.12.2014 | Archiv

CERN, Genf | Bild: Jan Peters

Immer noch ist der Filmemacher und Hörspielautor Jan Peters auf der Suche nach Antworten auf die wirklich großen Fragen: nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Mit dem Eindruck, es schon an vielen Stellen versucht und dabei wenig Neues entdeckt zu haben, hat er sich als „artist in residence“ an einem Ort beworben, der für die Entwicklung neuer Ideen bekannt ist: am CERN, der europäischen Organisation für Kernforschung in Genf, wo Wissenschaftler aus aller Welt auch auf der Suche nach Antworten auf wirklich große Fragen sind. Sie suchen die Weltformel, die alle bekannten physikalischen Phänomene erklären und verknüpfen soll. Dazu haben sie einen gigantischen Teilchenbeschleuniger gebaut, den Large Hadron Collider, ein 100 Meter unter der Erde liegender, 27 km langer Ring, in dem auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigte Protonen zur Kollision gebracht werden, um die Situation im Universum wenige Nanosekunden nach dem Urknall zu simulieren.

Im Rahmen eines Stipendiums ab September 2013 konnte Jan Peters an dieser Grundlagenforschung teilnehmen und ist mit dem CERN-Ingenieur und nebenberuflichen Filmemacher Neal Hartman zum Forschungsteam um den Pixel-Detektor am ATLAS-Experiment im CERN gestoßen. Der Pixel-Detektor ist nur wenige Zentimeter von dem Ort entfernt, an dem die auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigten Protonen kollidieren, er hält die Spuren der Teilchen fest, die in den Kollisionen entstehen. Zum Zeitpunkt des Stipendiums ist am ATLAS- Experiment gerade eine mehrmonatige Betriebspause, die dazu genutzt wird, den Pixel-Detektor aus- und umzubauen. Jan Peters hat während seines Stipendiums das Team um den Pixel-Detektor beim Wiedereinbau begleitet und zugesehen (und manchmal sogar mit angefasst), wie mehr als 24.000 Datenkabel erneut verbunden, durchgemessen und getestet wurden, wie Stickstoff in unzählige Rohre gepumpt wurde, um diese auf Lecks zu testen, wie das Strahlenschutzteam mit Staubsaugern auf dem Rücken zum Anschleifen von Klebestellen hinzugeholt wurde und vieles, vieles mehr.

Im Hörspiel Wie ich mich dem Ereignishorizont annäherte erzählt Jan Peters aus der Zeit seines Aufenthalts am CERN, wobei er sich tief in das Forschungsprojekt hineinbegibt, dabei aber eine kritische Distanz nicht verliert, den Zuhörer mit Selbstironie zum Lachen bringt und immer wieder eine Verbindung zwischen Physik und Kunst, zwischen Philosophie und Politik herstellt.

Jan Peters: Wie ich mich dem Ereignishorizont annäherte

Mit Jan Peters, Pit Przygodda, Cecile Lapoire, Michael Layton, Neal Hartman

Komposition: Pit Przygodda
Realisation: Jan Peters/Pit Przygodda
BR in Zusammenarbeit mit arts@CERN 2014, Länge: 53'46

Jan Peters, geb. 1966, Filmemacher, Produzent, Hörspielautor. Studium an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg, dort Mitbegründer des Filmemacherkollektivs Abbildungszentrum. Neben dem Langzeitprojekt Ich bin..., für das lange Zeit ausschließlich Super-8-Material verwendet wurde, zahlreiche preisgekrönte Kurz- und Langfilme, Hörspiele und Theaterperformances. 2006–2008 Gastprofessor im Bereich Cinéma an der HEAD (Haute Ecole d’Art et de Design) in Genf, 2011–2013 Professor für Film und Video an der Merz Akademie in Stuttgart und seit Wintersemester 2012 Professor für Film und bewegtes Bild an der Kunsthochschule Kassel. Seit Herbst 2013 Stipendium am CERN (die Europäische Organisation für Kernforschung) in Genf. Filme u.a. Bye Bye Tiger (2004), Wie ich ein Freier Reisebegleiter wurde (2007), Nichts ist besser als gar nichts (2010). BR-Hörspiele u.a. Meine kleinen Korrekturen (2006), Lost Tapes Found 1,2,3, (2009), Zeitlochbohrversuche (2011).


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