Bayern 2 - Gesundheitsgespräch


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Richtig behandelt kein Schreckgespenst mehr

Von: Katharina Hübel

Stand: 26.06.2017

Rheumatische Hände einer älteren Frau | Bild: colourbox.com

Bei Rheuma handelt es sich im engeren Sinne um Entzündungserkrankungen, ausgelöst durch das Immunsystem, das den eigenen Körper angreift. Schmerzen in den Gelenken sind eines der häufigsten Symptome.

Experte:

Rheumatologe Prof. Hendrik Schulze-Koops | Bild: :MU München

Prof. Dr. med Hendrik Schulze-Koops, Inhaber der Schwerpunktprofessur Rheumatologie und Klinische Immunologie am Klinikum der Universität München (LMU) und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V.

Doch auch Gefäße, innere Organe, die Augen oder die Wirbelsäule können betroffen sein. Insgesamt gibt es über 400 Arten von Rheuma – und nicht immer gelingt die Diagnose zeitnah. Das kann verheerend sein, denn bereits nach sechs bis zwölf Wochen kann die Krankheit chronisch sein und beispielsweise Gelenke oder Organe zerstört haben. Ein zerstörtes Gelenk kann selbst die moderne Medizin nicht wieder herstellen. Doch inzwischen gibt es zumindest gute Möglichkeiten, die Krankheit selbst lebenslang gut in den Griff zu bekommen, dadurch die Lebenserwartung und vor allem die Lebensqualität der Patienten zu verlängern beziehungsweise zu verbessern.

Der Text beruht auf einem Interview von Katharina Hübel mit Prof. Dr. med. Hendrik Schulze-Koops, Inhaber der Schwerpunktprofessur Rheumatologie und Klinische Immunologie am Klinikum der Universität München (LMU) und Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e. V.

"Wilhelm Busch hat gesagt: Was man sich nicht erklären kann, sieht man als Rheumatismus an. Das ist leider die Wahrheit, auch für viele Fachkollegen, die nicht weiter wissen, wenn bei Patienten bestimmte Konstellationen vorliegen. Rheuma an sich ist ein weiter Begriff. Er bezeichnet erstmal, dass es ein so genannter fließender Schmerz im ganzen Körper ist."

Prof. Hendrik Schulze-Koops, Vizepräsident Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie

Abgrenzung: Rheuma - Arthrose - Gicht

"Arthrose" ist die geläufige Bezeichnung für die so genannten degenerativen rheumatischen Erkrankungen. Sie betrifft jeden Fünften. Arthrose kommt durch Abnutzung zustande und nicht durch eine Entzündung, die Voraussetzung ist für Rheuma in dem Sinne, wie die Innere Medizin es definiert.
Zwar schmerzen auch bei der Arthrose die Gelenke und lassen sich nur noch schwer beugen, doch selten ist die Arthrose von einer Schwellung begleitet. Vor allem unter Belastung schmerzen bei Arthrose die Gelenke. Ein warmes Wasserbad lässt die Schmerzen im arthrotische Gelenk zurückgehen, ein rheumatisches, arthritisches Gelenk, das entzündet ist, schmerzt hingegen weniger in kaltem Eiswasser. Denn das arthritische Gelenk ist sehr erhitzt, stark durchblutet, geschwollen und gerötet.
Auch Gicht kann zu rheumatischen Beschwerden führen, ist allerdings eine Ablagerungserkrankung und hat somit andere Ursachen als Rheuma im engeren Sinne.

"Rheuma, wie wir es in der Inneren Medizin definieren, umfasst die Erkrankungen, die durch ein fehlgeleitetes Immunsystem dazu führen, dass sich Entzündungen am Bewegungsapparat entwickeln, die zu Schmerzen führen."

Prof. Hendrik Schulze-Koops, Vizepräsident Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie

Rheuma ist also keine Erkrankung der Gelenke, sondern eine Autoimmunerkrankung.

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