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Snapchatten gegen die AfD Wenn Abgeordnete ihre Wähler erreichen wollen

Im US-Wahlkampf ist Snapchat nicht mehr wegzudenken. Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders bestreitet einen Großteil seines Wahlkampfes mit der Video-App. Nun hat auch die deutsche Politikwelt Snapchat für sich entdeckt - mit der Hoffnung einer Antwort auf die AfD-Erfolge.

Von: Christine Auerbach

Stand: 19.03.2016 | Archiv

Hand tippt auf Smartphone mit Icons von Sozialen Netzwerken auf dem Display | Bild: picture-alliance/dpa

Hendrik Thalheim von der Fraktion "Die Linke" im Bundestag ist ein ziemlicher Pionier. Die Linke ist die erste Bundestagsfraktion, die seit ungefähr drei Wochen snapchattet. Wer ihren Kanal abonniert hat, bekommt alle paar Tage ein Update aus dem politischen Alltag in Berlin. Katja Kipping im Wahlkampf oder der Weg vom Parkhaus bis zum Morgenkaffee.

"Es geht nicht darum, die große harte Nachricht zu verbreiten oder wie bei Twitter der schnellste Informant zu sein. Sondern es geht darum, eine Art vierte Dimension der Politik deutlich zu machen. Dieses Atmosphärische, dass dahinter steht… Wie Leute arbeiten, wie was entsteht, weil damit Politik viel näher rückt."

Hendrik Thalheim

Auf dem Snapchat-Account der Linken gibt es kaum Statements, stattdessen Schnappschüsse. Denn dafür ist Snapchat der beste Weg. Die App funktioniert anders als der Rest des Internets: Sie vergisst. Alle Fotos und Videos, die man postetm, kann man höchstens einen Tag anschauen, dann löschen sie sich von selbst. Bei Snapchat ist also nichts für die Ewigkeit. Wer nichts verpassen will, muss mindestens einmal am Tag nachschauen, ob es etwas Neues gibt.

Vereint mit gleichem Ziel

Bei Leuten unter zwanzig ist die App gerade dabei, Facebook den Rang abzulaufen. Genau diese Zielgruppe hat auch Johannes Steiniger zu Snapchat gebracht.

Bei Leuten unter zwanzig ist die App gerade dabei, Facebook den Rang abzulaufen. Genau diese Zielgruppe hat auch Johannes Steiniger zu Snapchat gebracht. Er ist Abgeordneter für die CDU im Bundestag und hat neben dem Politikjob gerade sein Referendariat gemacht. Seine Schüler haben ihn auf Snapchat gebracht. Auch er postet Bilder aus seinem Politikalltag: Seinen Tisch im Sportausschuss, seinen Schreibtisch, seine Zugfahrten zwischen Berlin und seiner Heimat Rheinland-Pfalz.

Dass die deutsche Politik gerade jetzt Snapchat entdeckt, ist vielleicht kein Zufall. Denn in seltener Einigkeit haben die beiden Politiker von CDU und Linke ein gemeinsames Ziel. Jedenfalls bei ihren Social Media Aktivitäten und vor allem bei Snapchat.

"Darüber sind die User unmittelbar dabei. Wir senken die Hürde, die ja doch offensichtlich Viele empfinden. Dieses die 'da oben' machen was sie wollen und wir erfahren davon nichts und wenn wir was erfahren, ist es nur Mist."

Hendrik Thalheim

Den Faden mit den Bürgern wieder knüpfen

"Wir sehen in der aktuellen AfD-Diskussion auf der einen Seite eine hohe Politisierung und Mobilisierung. Viele Leute, die jahrelang nicht gewählt haben, haben gesagt, dass sie den Politikern einen Denkzettel verpassen wollen, weil die ihnen nicht mehr zuhören. Und ich glaube, dieses Zuhören, Ängste aufnehmen und damit umgehen und nicht als irrelevant abkanzeln, das ist zentral."

Johannes Steiniger

Denn die klassischen Parteien, sagt Hendrik Thalheim von den Linken, stehen nach dem Erfolg der AfD alle vor der gleichen Frage: Wie man den offensichtlich brüchig gewordenen Kommunikationsfaden zwischen Bürgern und Parteien wieder herstellen und dicker machen kann. Natürlich kann eine Spaß-App wie Snapchat diesen Faden nicht knüpfen. Aber sie ist ein leichter Ansatz um zu zeigen. Auch ein Bundestagspolitiker sitzt im Zug auf dem Gang, wenn kein Sitzplatz mehr frei ist. Und muss sich seinen Kaffee selber machen.


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