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Wichtiger Handelspartner Wie die Chinesen Bayern nützen

Beim Stichwort China ist man als deutscher Verbraucher erst einmal vorsichtig. Da fallen sofort ein: Gefährliche Materialien, schlimme Arbeitsbedingungen, unverschämte Dumpingpreise. All das ist sicher richtig. Aber es wäre unrealistisch, nur die problematische Seite der chinesischen Wirtschaftsmacht zu sehen.

Von: Astrid Freyeisen

Stand: 20.04.2017

Das aktuelle Länderprofil des bayerischen Wirtschaftsministeriums zeigt: China rangiert an dritter Stelle der wichtigsten bayerischen Handelspartner weltweit, mit knapp 30 Milliarden Euro Volumen im Jahr 2016. Die Bilanz ist fast ausgeglichen, sogar mit leichtem Vorteil für Bayern.

Besonders gut läuft der Export von Fahrzeugen, Elektronik und Maschinen. Und die politische Weltlage macht China interessanter. Mit einer Delegation der NürnbergMesse besuchte Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein kürzlich Shanghai:

"Der freie Handel ist eine Gewährleistung für Wohlstand. Seitdem das von Amerika in Frage gestellt wird, sind plötzlich Deutschland und China an einem Strang, die in dieselbe Richtung ziehen."

Günther Beckstein

Die klassische Richtung: Eine Fabrik in China

Trotz weltweiter Finanzkrise haben sich die bayerischen Investitionen in China zwischen 2008 und 2012 mehr als verdoppelt. Ein Beispiel: Die Münchner Knorr-Bremse-Gruppe. In der Volksrepublik produziert sie an 13 Standorten. In Qingdao, dem Wirtschaftszentrum der bayerischen Partnerprovinz Shandong, baut Knorr-Bremse seit 2006 Türsysteme für Züge und U-Bahnen. Dort ist sie als Joint Venture mit einer chinesischen Firma organisiert und hält die Mehrheit. 30.000 Türsysteme schafft die Fabrik pro Jahr. China ist ein komplizierter Markt – auch aus Klimagründen.

So muss Knorr-Bremse bei Zügen für den Norden extrem auf den Staubschutz achten. Dringt Staub ins System ein, können Türen blockieren, ganze Züge in Bahnhöfen steckenbleiben und die deutsche Firma in der Öffentlichkeit plötzlich schlecht dastehen.

"Das ist aber noch nie passiert. Wir haben es mit steigendem Konkurrenzdruck zu tun. Chinesische Firmen lernen dazu. Und sie nutzen eine sehr starke Lobby von Chinesen für Chinesen. Harter Wettbewerb!"

Patrick Rosay, Geschäftsführer

Jetzt bremst Peking das Geschäft mit Hochgeschwindigkeitszügen. Kein Problem: Knorr-Bremse nutzt den boomenden U-Bahn-Markt. Etwa in Qingdao haben die Münchner die Wagen der neuen Linie 3 geliefert, die in nur drei Jahren gebaut wurde. Knorr-Bremse-Manager James Wang ist stolz darauf: "Die Technologie der Qingdao-Metro ist ein bisschen neuer als die in München."

Die neue Richtung: China hilft

Beispiel: Der Fernseh-Hersteller Loewe aus Kronach stand 2013 / 2014 vor dem Aus. Zu teuer produzierte das Traditionsunternehmen verglichen mit Konkurrenten aus Fernost. Potentiell rettende Investoren sagten bei Loewe erst zu, dann wieder ab. Dann stieg doch noch einer ein. Dabei half, dass ein Riese mit Loewe kooperieren wollte – ausgerechnet einer aus China.

Der Staatsbetrieb Hisense aus Qingdao, weltweit Nummer drei im Geschäft mit Fernsehern, in Deutschland mittlerweile bekannt durch das Sponsoring der Fußball-EM 2016. Geld ist aus Qingdao nach Kronach seit Beginn der Kooperation im Jahr 2013 aber bisher keins geflossen. Und Türöffner spielt Hisense auch nicht. In den Läden der Marke sucht man Loewe vergeblich. In ganz China werden vielleicht ein paar Hundert Loewe-Geräte verkauft. Aber der Riese hilft trotzdem. Durch seine Marktmacht beschafft er Loewe günstige Zulieferer, die mit der kleinen fränkischen Firma normalerweise nicht arbeiten würden. Hisense wiederum lernt von der Qualitätssicherung bei Loewe.

Ein Win-Win-Geschäft?

Die Chinesen brauchen die Franken, um die komplexen technischen Programmierungen in der europäischen Fernsehlandschaft zu verstehen. Und den zahlungskräftigen europäischen Kunden, der weniger auf Verspieltes und Billiges steht als auf Technik. Jetzt steht eine neue Stufe der Zusammenarbeit bevor, sagt Stone Zhang, Vize-Auslandschef von Hisense:

"Wir investieren gemeinsam in die Produktionslinien unserer Fabrik in Tschechien. Man wird ab August Loewe-Fernseher kaufen können, die von Hisense gebaut wurden. Die Fabrik in Kronach wird sich auf die teuren Geräte und die Lautsprecher konzentrieren. Es geht dort kein Job verloren – keine Sorge!"

Stone Zhang

Konkret werden in Tschechien Teile des Loewe-Einstiegsgeräts gebaut. Für Loewe-Pressesprecher Roland Raithel ist Hisense ein guter Partner: "Wir wachsen zweistellig im Umsatz und gewinnen kräftig Marktanteile."

  • Astrid Freyeisen, BR-Wirtschaftsredakteurin, Spezialthemen: China, Zeitgeschichte. | Bild: BR/Anna Hunger Astrid Freyeisen

    Astrid Freyeisen, BR-Wirtschaftsredakteurin, Spezialthemen: China, Zeitgeschichte.


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Kommentare

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Udo Pablitschko, Donnerstag, 20.April, 16:57 Uhr

1. China-Fan auch wenn ich noch nie dort war

Also,
ich kaufe sehr oft kleine elektronische Baugruppen oder Bauteile in China und wurde bisher nie enttäuscht. Ich habe zwar keine eigene Firma mehr, tüftle aber als Rentner immer noch an diversen technischen Verbesserungen in verschiedenen Anwendungsbereichen. Die gleichen Baugruppen werden auch von deutschen Händlern angeboten, die sie natürlich auch aus China importieren. Einen Preisaufschlag von -teilweise- 100% will ich aber nicht akzeptieren. Deshalb bestelle ich lieber direkt beim chinesischen Händler. Die Lieferung erfolgt sehr oft sogar versandkostenfrei, rasch und auch oft sogar per Luftpost. Der Service ist extrem zuvorkommend und freundlich. Allerdings sind Englischkenntnisse von Vorteil.

Alles in Allem: I MOG DE CHINES`N !